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Schang-Hai 1867

Full text: "Aus meinem Leben" / Wallich, Hermann (Public Domain)

wertes und nachahmenswertes Beispiel anführte, worauf 
er mir erwiderte, daß der Herrscher meines Geburts- 
landes auch gute, nachahmenswerte Eigenschaften besäße. 
Zum Jahreswechsel schickte er mir Geschenke, die der 
Kontrolle wegen auf einem Zettel verzeichnet waren, 
u.a. einen mageren Schinken‘ und ähnliche wenig taug- 
liche Gegenstände. Der Etikette entsprechend mußte 
ich ihm eine entsprechende Anzahl Gegengeschenke 
machen. Ich hatte gerade eine schlechte Sorte Champagner 
auf Lager und widerstand mit Mühe der Versuchung, 
ihm davon sieben Flaschen zu dedizieren. Ich hörte 
später, es sei Gebrauch bei den Chinesen, solche Ge- 
schenke den Geber bei seinem nächsten Besuch austrinken 
zu lassen. Dieser raffinierten Rache wollte ich mich nicht 
aussetzen. Auch den Damen machte ich meinen Besuch 
der Sitte entsprechend zwischen zwei und vier Uhr 
nachmittags. Es war zwar manchmal lästig für die Damen, 
jeden halbwegs anständig aussehenden Europäer zu 
empfangen, aber da sie sehr viel Zeit übrig hatten, 
taten sie es, glaube. ich, nicht ungern und überließen 
es später den Umständen, den Besucher einzuladen 
oder nicht. Der Besucher wurde von dem chinesischen 
Boy in Empfang genommen. Man überreichte seine 
Visitenkarte und fragte in Pidgin-Englisch (Misch- 
sprache zwischen Europäern und Chinesen) „Missis 
have got?“ (Madame. zu Hause ?), worauf der.Boy die 
Karte hineintrug und nach einigen Minuten zurück- 
kehrte, die Tür zum Drawingroom öffnete und sagte: 
„Missis can see.“ (Madame wird sich freuen.) Oft ent- 
standen auch die komischsten Intermezzi durch die 
Naivität dieser Boys. So sah eine Dame, ermüdet. durch 
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