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VI. Die Westdeutsche Zeit

Full text: Dr. Carl Sonnenschein / Thrasolt, Ernst (Public Domain)

In Berührung und Zusammenhang mit dem neuen 
geistigen Leben der Zeit, mit geistiger, religiös-kirch- 
licher Bewegung war Sonnenschein zuerst durch die 
christliche Demokratie und Murri gekommen, dessen 
kirchliche wie kirchlich-politisch-sozialpolitischen Re- 
formideen von ihm Besitz ergriffen hatten. Der Inter- 
nationale katholische Studentenkongreß wie die Füh- 
lungnahme mit Arbeitern und Akademikern standen im 
Zeichen der neuen Ideen, der Idee vor allem von der 
sozialen Erweckung der Kirche. Erstlich und grundsätz- 
lich kreisten und gärten die Ideen aber um das eigent- 
lich Religiöse und Kirchliche, um Erneuerung und 
Neuerung, um Disziplin und Doktrin, in Opposition und 
Negation. Ungefähr alle waren sie geboren aus dem 
Drang und Versuch, die Abseitsstellung und Einfluß- 
losigkeit der Kirche bezüglich der modernen Geistes-, 
Kultur- und Wirtschaftsentwicklung in Beseelung und 
Beherrschung derselben durch die Kirche zu wandeln 
durch Aktivierung der Kräfte des Katholizismus. Sie 
wollten zu dem Zweck die Kirche modernisieren, sie der 
Welt, auf die sie wirken sollte, anpassen; aber sie blieben 
nicht stehen bei der bloßen Anpassung der kirchlichen 
Methoden in Verkündigung, Gnadenspendung und Dis- 
ziplin; neben Zeitgeschichtlichem und Zeitbedingtem, 
was in sich und wirklich unzeitgemäß und abbaureif 
und umbaureif war, wollte der Modernismus Absolutes, 
wesentliche Substanz der Anpassung und Modernisierung 
opfern. So griff er das Absolute, das über alle Zeit 
und unabhängig von ihren Erkenntnissen Bestehende, 
an, indem er die Dogmen der Kirche relativierte, sie 
als bloße zeitgeschichtliche und veränderliche Formu- 
KHierungen erklärte und so ihren ewigen Lehrgehalt in 
die Gefahr der Auflösung brachte. Wie weit dieser 
Modernismus auf Kant und seinen Agnostizismus zu- 
rückgeht, steht hier nicht zur Untersuchung; auf jeden 
Fall aber hat er seine damalige nächste Quelle vor allem 
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