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VI. Die Westdeutsche Zeit

Full text: Dr. Carl Sonnenschein / Thrasolt, Ernst (Public Domain)

Zentrum höchsten Ereignisses am Samstag-Abend im 
Gürzenich oder im Bürgerverein ging es hoch her; Karl 
Trimborn macht seine besten kölschen Witze, die andern 
Koryphäen des Zentrums sprechen — auf einmal steht 
auf der Rednerbühne ein junger, schmächtiger Kaplan: 
es ist Sonnenschein. Ein Kölner Prälat, einer der geisti- 
gen Führer des heutigen katholischen Deutschland, er- 
zählte mir, daß er als junger Gymnasiast in der Ver- 
sammlung gewesen sei, daß er sich nicht scheue, zu 
sagen, daß die Rede Sonnenscheins wirklich ein Erlebnis 
für ihn gewesen sei, daß alles lauschte, staunte. Es reg- 
nete Feuer über die Menschen; sie hörten, was sie noch 
nie und erst recht nicht bei einer solchen Gelegenheit 
gehört hatten, von Platons Idealstaat und Augustins 
Gottesstaat, hörten von Thomas und von Görres. Am 
andern Tage brachte der Lokalanzeiger einen Bericht 
über den Abend — und am Dienstag mit der ersten 
Post erhielt Sonnenschein einen Brief vom General- 
vikariat, des Inhaltes, daß Seine Eminenz der Hoch- 
würdigste Herr Kardinal und Erzbischof ihn tadele, daß 
er am Samstag den Beichtstuhl verlassen habe usw. 
Damals schon wollte Sonnenschein an den Volksverein, 
aber die geistliche Behörde willigte noch nicht ein, und 
er kam am 3. September 1904 als dritter Kaplan nach 
Elberfeld an Herz Jesu. 
c) Kaplan in Elberfeld 
Von dem Sonnenschein der Elberfelder Zeit heißt es 
in einem klassisch scharf formulierten Brief eines seiner 
dortigen Mitarbeiter: 
„Sonnenschein war in Elberfeld das enfant terrible 
für die Spießbürger, auch für die im geistlichen Rock. 
Seine Spezialität war schon damals: Wohltun bis zur 
Hingabe des eigenen Hemdes, rücksichtslose Be- 
anspruchung seiner Freunde und Bekannten für seine 
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