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XII. "Im Spiegel der Presse"

Full text: Dr. Carl Sonnenschein / Thrasolt, Ernst (Public Domain)

nicht die richtungweisende, gestaltende Wirkung auf die Dauer 
entspricht, („Das Deutsche Volk“,* Kath. Wochenzeitung für 
das gesamte deutsche Volkstum, 24. Juli 1927.) 
Vortrag Dr. Sonnenschein 
Der Saal der Kleinen Gilde überfüllt. Gesandter Minister 
Dr. Köster wendet sich an seine reichsdeutschen Landsleute mit 
einem herzlichen Dank für die lebhafte Teilnahme an den von der 
Gesandtschaft im Laufe des Jahres veranstalteten Vortragsabenden, 
die die verschiedenen Lager zusammengeführt hat. Es ist der letzte 
Vortragsabend, den Minister Dr. Köster in diesem Kreise mitmacht. 
Dr. Sonnenschein zeichnet in faszinierendem Vortrage das 
bunte schreiende Bild der Weltstadt, die in ihren Strudel den 
Menschen, ihm selbst unbewußt, hineinzieht, hineinwirbelt. Der Vor- 
tragende deckt die Gesetzmäßigkeit des Lebensverlaufes in 
der Weltstadt auf: die Weltstadt ist unabsehbar weit (unendliche 
Entfernungen zwischen Arbeitsstätte und Wohnort, daher das 
hastende Tempo); sie ist hemmungslos dunkel (es fehlt die Beob- 
achtung des Nachbarn, wie in der Kleinstadt, daher ist ein jeder auf 
Sich gestellt, unabhängig von der öffentlichen Moral); sie ist ent- 
zündend und werbend -— durch den akkumulierenden Massenbetrieb, 
der von sich aus ein anderes, ein überspanntes Leben schafft. Es 
gibt in Berlin auch entsetzliches Wohnungselend; Tausende 
leben zu sechs in einem Raum. Diese Not wird viel zu wenig ge- 
lindert; der Staat sollte nicht nur Vaterland, sondern auch Mutter- 
land für die Menschen sein und ihnen ein Heim, ein Zuhause 
bieten. Die Zuwanderung in die Weltstadt ist ungeheuer — magisch 
zieht sie den Tüchtigen, in größerer Anzahl den Defekten und in 
riesiger Menge die sogenannten armen Teufel an. Ein unheimliches 
Bild erwuchs vor den Augen der gepackten Zuschauer. Aus Dr. 
Sonnenschein sprach das weinende Herz der Weltstadt. Drei Kon- 
Sequenzen wachsen aus diesem Bilde der Weltstadt: Jugend- 
erziehung in neuer Fassung, Abwehr der Zuwanderung vom Lande 
dadurch, daß dem Lande mehr geboten wird, und schließlich 
Dezentralisierung. 
Der Vortrag fand lebhaften Nachhall und bildete einen der 
interessantesten Gesprächsstoffe des anschließenden Empfangs- 
abends beim deutschen Gesandten, dem die Spitzen der 
lutherischen und katholischen Geistlichkeit, des Bildungswesens, der 
Hochschulen und der Studentenschaft beiwohnten. 
„Das Deutsche Volk‘ ist das inzwischen eingegangene Blatt 
Martin Spahns und der Katholiken, die sich zu den Deutsch- 
Nationalen bekennen. 
Thrasolt. Sonnenschein 
D4 
259
	        
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