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XI. Rund um Sonnenscheins Person

Full text: Dr. Carl Sonnenschein / Thrasolt, Ernst (Public Domain)

stohlen hat? Aber Sonnenschein klärt die Sache auf. 
„Wie lange haben Sie das Schäfchen schon? Ein Viertel- 
jahr? Nun, dann haben Sie schon ein Vierteljahr Freude 
dran gehabt. Und nun sollen auch noch andere Freude 
dran haben.“ Als er im Hedwigskrankenhaus krank lag, 
kamen die Besucher, saßen und warteten und schickten 
ihm schon ihre Blumen herein; aber während sie noch 
saßen und warteten, konnten sie es erleben, daß sie den 
und die mit ihren Blumen von Sonnenschein heraus- 
kommen sahen, die nun auf dem Weg in irgend ein 
Krankenhaus oder zu sonst einem Menschen in Ver- 
lassenheit waren. Und sein Schenken und Verschenken 
krönte er damit, daß er (man hatte ihm ein ganz be- 
sonderes Zimmer im Krankenhaus eingeräumt) die Kak- 
teenzucht der Schwester in dem Zimmer so nach und 
nach an seine Besucher verschenkte. 
Der Arme und Formlose 
Sonnenschein konnte bei seiner Art nicht reich werden. 
Es gibt selten einen modernen, innerlich hochkultivierten 
Menschen, der freiwillig und froh so losgeschält ist von 
allem Besitz, allem Komfort, allen großen und kleinen 
Annehmlichkeiten des Daseins wie Sonnenschein. An 
Kulturgegenständen besaß er eigentlich nur die „Röll- 
chen“ (seltsam, wie er gerade an diesen hing — er war 
doch noch ein Mensch, der den „Kulturübergang‘ nicht 
recht mitmachen konnte). Selbst seine Uhr verschenkte 
er sicher, wenn sie ihm eine goldene geschenkt hatten, 
Wie oft zog er, wenn er irgendwo hinkam, Kragen und 
Röllchen aus und ließ sie waschen und bis zum andern 
Morgen in Gebrauchsfertigkeit setzen. Und ließ Hut und 
Rock flicken. Wenn er bisweilen mit einem andern das 
Zimmer teilen mußte, zog er Rock und Kragen und 
Schuhe aus und legte sich so ins Bett. Warum, läßt sich 
leicht denken. Aber er legte auf all die Dinge, auf Besitz 
und gesellschaftliche Formen, keinen Wert. Wie er Be- 
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