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XI. Rund um Sonnenscheins Person

Full text: Dr. Carl Sonnenschein / Thrasolt, Ernst (Public Domain)

und Tugend begegneten sich und schlossen sich zu- 
sammen. Es fiel ihnen leicht, zu entbehren und zu ver- 
schenken. Ohne-die Dinge herabsetzen zu wollen: Herois- 
mus und natürlicher Hochgenuß am Nichts verbanden 
sich zu den Leistungen der Liebe. Und vielleicht spielte 
auch noch ein Teilchen bewußte Sportlust an solchen 
Formen des Lebens und Gebens mit. 
Sankt Nikolaus 
Sankt Nikolaus ist der Patron des schönen Schenkens 
und sich Verschenkens. Auch das ist es, ohne das wir 
uns Sonnenschein nicht vorstellen können. Er war darin 
ein heiliger Nikolaus, und er war auch so erfinderisch, 
wie dieser Heilige es war. Und so lieb und so poetisch, 
möchte ich sagen, und so auf Überraschungen bedacht, 
das ganze Jahr über St. Nikolaus. Es liegt ein unendlicher 
Reiz um das Schenken Sonnenscheins. 
Beladen wie des Heiligen Packesel kam er in der In- 
flationszeit mit 10 Pfund Erbsen oder anderen Dingen 
zu hungrigen Menschen. Oder wenn er die Dachzimmer- 
wohnung eines jungen Schriftstellerpaares einweiht, 
zieht er aus dem Koffer nach Stola und Weihwasser und 
Rituale zwei Flaschen Wein und einen Imbiß hervor. 
Er muß schenken. Wenn einer von ihm geht, unbe- 
schenkt, sucht er, kramt er, bis er etwas gefunden hat, 
und wenn er nichts findet, greift er in seine Rocktasche 
und schenkt das Letzte (und für ihn sehr Liebe und 
auch Notwendige — das werden mir meine abstinenten 
Freunde wieder sehr übel nehmen), seine Zigarrentasche 
mit seinen zwei letzten Zigarren. Oder er hat der jungen 
Dame, die ihm die Bücherei des SSS ordnet, ein Schäf- 
chen geschenkt, das er einer Kunstgewerblerin abgekauft 
hat, um ihr etwas zu verdienen zu geben; eines Tags 
kommt die Dame die Treppe herauf, eine andere Dame, 
krank, bleich, kommt die Treppe hinunter, das Schäf- 
chen von der Bibliothek im Arm. Ob sie das nicht ge- 
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