Path:
XI. Rund um Sonnenscheins Person

Full text: Dr. Carl Sonnenschein / Thrasolt, Ernst (Public Domain)

Arbeit hatte die Stelle seiner Seele eingenommen‘, kann 
man auch von Sonnenschein sagen. Immer hört man den 
Motor bei ihm innerlich surren; kaum einmal gibt er 
sich ganz einer Erholung hin und ist er einmal ganz aus- 
gespannt und gelöst. Wenn er in einem feinsten Salon 
in einem Klubsessel sitzt und er in abgeschabtem Rock 
das Behagen verspürt, das er als Ästhet und Kultur- 
mensch verspüren muß in Räumen und bei Menschen 
von auserlesenstem Geschmack, bei Dingen, für die er 
ebenso empfänglich ist, wie er von ihnen unabhängig 
ist, und wenn er auch für Stunden da ist: immer ist er 
doch „nur auf einen Sprung“ da. Er hatte jahre- 
lang eine wirkliche Ausspannung und Erholung und 
richtige Kur nötig, er ist nicht dazu zu bringen. Seine 
besonderen Freunde bei Vater Zillken in Wallerfangen, 
bei denen er wie zu Haus war, brachten ihn nach dem 
Bad Mondorf im Luxemburgischen; zwei Tage hält er 
es aus; dann muß er mit dem Notizbuch (siehe „Notizen“ 
Bd. 8 S. 42 ff.) durch Luxemburg, durch Lothringen — 
und ist wieder da, 
Diese Ruhelosigkeit oder Arbeitsbesessen- 
heit ist seine zweite Natur geworden, sie ist das Da- 
Moklesschwert, das über jeder seiner Stunden hängt; 
sie erklärt vieles anscheinend Unerklärliche bei Sonnen- 
schein, und jeder, der Sonnenschein erklären oder nur 
erahnen will, muß auch dazu auf diese Immertätigkeit 
und Ruhelosigkeit zurückgreifen. Und sie ist mehr als 
äußere Ruhelosigkeit, sie sitzt im Innern: immer ist er 
auf der Flucht vor sich selbst, flieht er vor seinem 
eigenen Schatten. 
Die Ruhelosigkeit läßt ihn nicht mehr zur ganzen 
Lektüre eines Buches (er beriecht es nur — und es ist 
unglaublich, was er dabei herausholt) wie zu keinem 
Genuß kommen. Er ißt viel und gern, wenn er es hat, 
aber er hat keinen Sinn, weder Zeit noch Aufmerksam- 
keit für das, was er ißt. Er kommt eines Tages mit 
339
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.