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IX. Das Berliner Werk

Full text: Dr. Carl Sonnenschein / Thrasolt, Ernst (Public Domain)

christlichen Gewerkschaften“ unter den Aka- 
demikern ins Leben. Bei der Gründungsversammlung im 
Herrenhaus waren nicht bloß die katholischen Studenten- 
verbände anwesend, sondern auch positiv protestantische 
wie Wingolf u.ä. Es sprachen Riegel und Stegerwald, 
am Schluß Sonnenschein geradezu faszinierend. Das ein- 
zige, was bei der Gründung herauskam, war ein großes 
Protokoll, das vier Wochen lang im Stenogramm der 
Sekretärin lag, ehe es geschrieben wurde. 
Auf Vorposten stand Sonnenschein wieder beim Kapp- 
Putsch im März 1920. In einem Brief über ihn heißt 
es: „Wie er als Aktivist immer wieder Menschen in 
Flammen setzen konnte, ist mir noch besonders deutlich 
gegenwärtig aus der Zeit des Kapp-Putsches, als er uns 
Studenten ins Gesellenhaus rief, Stegerwald und andere 
Politiker dazu, und dann jeweils Berichterstattungen 
über die Lage veranlaßte und uns so noch stärker zum 
Bewußtsein brachte, daß hier Ideen und Auseinander- 
setzungen historischer Bedeutung ihren Austrag fanden.“ 
Sonnenschein selbst schreibt in einem Brief vom 2 7.März 
zu dem Putsch: „Ich habe unterdessen die Geschichte aus 
der Nähe miterlebt, war viel zwischen den Leuten in den 
Vororten, auf der Straße und bei unsern Freunden, die 
die Verhandlungen führten. Die Studenten sind zum 
größten Teil mitgegangen. Wir haben energisch ge- 
bremst. Anbei mein Flugblatt . .. Der Zusammenbruch 
kam naturgemäß bald. Jetzt müssen wir die Folgen aus- 
essen. Soeben telephoniert mir ein Bekannter, daß das 
Ministerium abgedankt hat. Man sieht nirgendwo einen 
Führer, der mit fester Hand zufaßt und der vom Ver- 
trauen der überwiegenden Mehrheit getragen wird. 
Weder auf der Rechten noch auf der Linken ist dieser 
Mann zu finden.‘ 
Das im Brief erwähnte Flugblatt vom 27. März 1920, 
herausgegeben von der „Studentischen Ortsgruppe Ber- 
lin der Deutschen Zentrumspartei‘‘, Geschäfitstelle Berlin 
999
	        
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