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IX. Das Berliner Werk

Full text: Dr. Carl Sonnenschein / Thrasolt, Ernst (Public Domain)

herrschte, muß rücksichtsloser Kampf angesagt werden. Gruppen, 
die sich mit den Geistesströmungen der Zeit nicht auseinander- 
setzen, die ihren Katholizismus lediglich gewohnheitsgemäß als die 
Erbschaft des. Elternhauses mit sich schleppen, die nicht wissen, 
welches Programm, welche Kultur und welche Anforderungen er 
enthält, und die den Willen nicht besitzen, ihn auch im prak- 
tischen Leben in Wahrhaftigkeit zur Geltung zu bringen, verlieren 
ebenso wie Einzelpersönlichkeiten das Recht, sich katholisch 
zu nennen. 
8. Dementsprechend soll in Wiederanknüpfung an die roman- 
tische Zeit der deutsche Katholizismus nicht nur völ- 
kische Organisation, sondern eigne Kultur bedeuten. 
Sein Streben soll nicht nur sein, von den andern Gruppen des 
Landes Art und Tempo zu übernehmen, sondern dem Gesamtlande 
seine Eigenart und seine Kultur zur Verfügung zu stellen, Dem 
neuen Deutschland wollen wir nicht nur mit Blut und Volks- 
vermehrung gedient haben. Wir wollen die Züge, in denen das 
neue Reich vor die Welt tritt, durch uns selbst und unsere Kultur 
Mitbestimmen. 
Die andern Punkte dieses innerlich großen Aufrufes 
behandeln noch weniger politische als spezifisch studen- 
tische Fragen. Wieder ganz ins Politische greifend, for- 
dert er noch: „In einer Zeit, die sich wie die heutige 
überstürzt, dürfen wir nicht lange warten. Es muß rasch 
und großzügig gehandelt werden. Die Gestaltung des 
neuen Deutschland darf nicht den Kräften, die augen- 
blicklich im Vordergrunde des öffentlichen Lebens 
stehen, allein überlassen bleiben. Der deutsche Katho- 
lizismus, vor allem sein intellektueller Flügel, seine aka- 
demische und studentische Schicht, hat ungeheure neue 
Aufgaben vor sich liegen.“ 
Im zweiten Punkt hatte Sonnenschein betont: „Partei- 
agitation wünschen wir nicht‘; am 30. November 
teilt er mit, die Sozialstudentischen Zentralen hätten die 
politische Schulung der katholischen Studentenschaft 
zu übernehmen; am 21. Dezember 1918 aber teilt er 
schon in einem Briefe mit, daß er im „Sozialen Archiv“ 
nicht nur die Sozialstudentische Zentrale, sondern auch 
das „Generalsekretariat der studentischen Ortsgruppen 
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