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Full text: Es sei wie es wolle, es war doch so schön! / Kerr, Alfred (Public Domain)

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Nach dem dreißigsten Jahr 
IL. 
Ich pflege die kleinen blauschwarzen Weinbeeren 
meines Gartens Besuchern vorzusetzen. 
Die gehn dann schnell. 
Der „Seeger“ 
X. 
‚.. Drama von Hauptmann, Nachtsitzung mit guten 
Freunden, Atzung nach dem "Theater, diese mit was 
Dunkelrotem oder Perlendem beträuft. Morgens oft 
Arbeit, hitziges Indiestadtjagen, Auto wartet auf 
Anruf schon vor der Tür, dann ein Mittagmahl, Be- 
sorgungen, Einladungen, Verabredungen. 
Zwischendurch immer freiwillig-härtestes Arbeiten; 
bisweilen wie schwebend im Fluge. 
Jetzt kommt ein Dramatiker, Jüngling, setzt sich in 
das arabische Zimmer, nicht weit von den Seehunden, 
liest Jamben, Aufruhrworte, Schmähungen, Himmels- 
brände, Todesstimmungen, Untergänge, Flüche. 
Ihm gegenüber; gerädert, erschlagen — kann doch 
nicht ausreißen. 
IL 
Das Leben verfliegt, fünf Stunden war er da; man hat 
kaum Zeit, vor dem Schlafengehn etwas noch für eignes 
Wohlgefühl zu tun: indem man etwan eine alte schle- 
sische Bauernuhr an der Wand des schlesischen Bauern- 
zimmers in Gang bringt und, während die Mitter- 
nacht schon näher zieht, auf das Zifferblatt starrt, 
wo die Zahl 1712 in schwarzen Buchstaben an den kur- 
zen Aufenthalt alles dessen, was Mensch ist, hier unten 
mahnt. 
Menschen sind früh tot. Könnte man so lang wenig- 
stens dauern wie ein Ding.
	        
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