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Full text: Es sei wie es wolle, es war doch so schön! / Kerr, Alfred (Public Domain)

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Gruß an das Dunkel 
Land zum andren eigenstimmig plaudern kann; daß 
man Geldchränke von außen durchleuchten kann; in 
menschliche Leiber hineinsehen; daß man vorläufig in 
fünf Tagen von Europa nach Amerika jagt; daß man 
Menschen in Schlummer versenkt, ihnen Aufträge so 
gibt, welche sie dann vollführen; daß man Eisenbahn- 
züge in allen Stadien der Bewegung festhält, die Be- 
wegung in Bildern wieder erstehn läßt; dazu kommt, 
daß man an der Seine jetzt das tolle Wunder eines 
Turms erbaut, höher als der Turm zu Babel und alle Bau- 
werke der Welt. Kurzum: die Zeit ist aus den Fugen. 
Als das Raubtier Rom die Welt ausgesogen hatte; als 
eine Welt erstand und eine Welt zusammenbrach: da 
war kaum die Ratlosigkeit fiebriger als heut. Was will 
das werden? fragen sich alle, blicken aufeinander von 
der Seite... und sagen: wir wissen es nicht. . 
WW 
Selbst ICH weiß es nicht . .. O Spaß! 
Soll man kämpfen? Gewiß! Wenn man es nicht tut, 
wird angenommen, daß man ein schlechter Sohn seiner 
Zeit ist — und kein voller Mensch. 
Aber wenn man es tut, erlebt man den Erfolg nicht. 
Der Enkel im siebenundzwanzigsten Glied, der ihn er- 
lebt, steht mir eigentlich fern. Und sogar der erlebt ihn 
nicht — möcht’ man sprechen, Für wen arbeiten wir? 
Vielleicht arbeiten wir für die Chinesen? Für Japan? 
Für künftige Ritter-Askaris? . . . (Von mir aus —!) 
Unter solchen Umständen liest man mit Vergänglich- 
keitsgefühlen ein römisches Sprichwort: Bene vixit qui 
bene latuit; gut gelebt hat, wer verborgen gelebt hat. 
Voraussetzung: daß im verborgenen Dasein ein ver- 
borgenes Glück besteht. Ist es das Wahre?
	        
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