Path:

Full text: Es sei wie es wolle, es war doch so schön! / Kerr, Alfred (Public Domain)

Die Balustrade 
271 
Gestern von Potsdam, hinter dem neuen Garten, bis 
Ferch gerudert. Stundenlang. Am Abend folgendes auf- 
geschrieben — (Erinnerungsverse, die man „Toten- 
feier‘ nennen kann ... oder: „Sarg‘): 
Am Leben bist du längst nicht mehr; 
Die Zeit hat meinen Haß gedämpft. 
Wir beide liebten uns zu sehr 
Und haben uns zu hart bekämpft. 
.. Und ob du mir am Herzen hingst, 
Es war ein tödlich-tiefer Streit. 
Doch wenn du schluchzend von mir gingst, 
Sang meine Seele benedeit. 
Oft hat in meinem hitzigen Hirn 
Vor irrer Wut das Blut gestockt, 
Da hast du auf beglückter Stirn 
Den Kranz getragen — und frohlockt. 
Schlaf still, du Luder; lang ist’s her; 
Die Zeit hat meinen Haß gedämpft; 
Ich lebe noch, du lebst nicht mehr. 
Du hast dich um den Kopf gekämpft. 
Die Balustrade 
ı. 
Und die Welt wird schöner mit jedem Tag, Dabei 
bleibt es. Mag auch das Kopfhaar, wenn die Hand hin- 
durchpackt, so stark nicht widerstehn wie vormals; es 
ist noch starr und dicht; — mag vor der ahnenden Prü- 
fung, Besichtigung, Abschätzung die Stätte klar sein, 
wo der Wald, in soundsoviel Jahren, spät, einstens, 
Durchblicke zuläßt ... 
Die Welt wird dennoch schöner mit jedem Tag.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.