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Erster Teil. Fahrten Caput V. Schlesischer Himmel

Full text: Es sei wie es wolle, es war doch so schön! / Kerr, Alfred (Public Domain)

Grabrede für die Schlesierin Sorma 
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Sie ruhte dort von allem, was sie den Menschen ge- 
schenkt, Ja, es war seltsam: am Michigan-See strahlten 
jetzt wiederum diese uns wohlbekannten Augen. Dort 
war sie, wirklich, mit ergrautem Haar ein Mädchen. 
Ein grauhaariges schönes Mädchen, selig mit ihren 
Enkeln. 
Und es bleibt für mich ein Lebensglück, daß ich ihr 
die Hände dort noch einmal küssen konnte, 
Zwei Jahre darauf waren wir zum letztenmal, hier, 
zusammen. Sie kam, zum letztenmal, nach Deutsch- 
land. 
Nach diesem Land, an dem sie gehangen hat. Dem 
sie, still, im Weltkrieg, ihre Liebe gezeigt hat, Ich traf 
sie damals in Potsdamer Bezirken; sie war Samariterin, 
fast insgeheim . . . ohne Aufhebens davon in der Öffent- 
lichkeit zu machen; auch hier ein aristokratischer 
Mensch — wie sie es in allem gewesen ist. 
IX. 
In der Friedrich-Wilhelm-Straße zu Breslau ist sie 
auf die Welt gekommen — heute bleibt es doppelt wahr, 
was man bei ihrer Lebzeit empfunden ... und gesagt 
hat: 
„Sie müßte“ (so hieß es damals) „künftig und der- 
einstens in der alten Oderstadt, im Witterungskreis der 
Friedrich-Wilhelm-Straße, wo sie zur Welt kam, ein 
weißes Denkmal haben, auf einer grünen Bauminsel; 
von Schwänen umschwommen; in lichtem Marmor — 
mit Feinmeißelei.“ 
Dort, in Breslau, auf einem Friedhof ihrer Vater- 
stadt, ist ein Grab . . . das Grab des größten deutschen
	        
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