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Erster Teil. Fahrten Caput V. Schlesischer Himmel

Full text: Es sei wie es wolle, es war doch so schön! / Kerr, Alfred (Public Domain)

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Schlesischer Himmel 
bar. An den Wänden seh’ ich Druckzettel, auf Pappe ge- 
klebt, mit einer Inschrift: daß Frauenspersonen von 
auffallendem und unsittlichem Benehmen oder Wesen 
(so ist es stilisiert) in diesem Lokal nicht geduldet wer- 
den. Seltsam. 
Gab es denn so viele davon? .., Es ist Krieg, 
IV. 
Um elf Uhr wird Zappen duster gemacht; man ist 
wieder auf der Straße, Schöne alte Stadt! Längst nicht 
nach Verdienst gewürdigt. 
Der Aufbau der Plätze voll anheimelnd-verschollenen 
Geschmacks. Man denkt an weit südlichere Gegenden 
‚. Wie das wunderbare Rathaus mittendrin steht! 
Noch das Stadthaus, die Denkmäler, dann ein kleiner 
Platz neben dem großen — es liegt sehr Trauliches, ja, 
sozusagen Gemütlich-Erhabenes darin. 
Ringsum die ältlichen Häuser, oft mit schmalem Gie- 
bel, die aber nicht zusammenbrechen, sondern zwischen- 
durch gestützt, erneut sind. 
Und schöne alte Namen, wie die Naschmarktseite, die 
Becherseite, die Siebenkurfürstenseite, die Riemerzeile, 
Vertrauter Klang von ehedem! Dort guckt der Elisa- 
beth-Kirchturm vor — aber wo ist nur die alte Kon- 
ditorei von Manatschall, so im Knabentagebuch Ferdi- 
nand Lassalles eine Rolle spielt . .. und in unstem Gym- 
nasiastenleben auch eine Rolle gespielt hat ? Verschwun- 
den. 
Das helle Nachtlicht fällt auf diese Ringseite: Ma- 
natschall vom Erdboden getilgt. Fahr wohl! ... 
Aber der Käseböhm Jebt noch; will sagen: das win- 
zige Häusel am Torbogen vor der Kirche, wo wir Elisa- 
betaner für zehn Pfennige (vielmehr für einen „Böhm“
	        
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