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Sechstes Kapitel Der Stern von Moskau

Full text: Meine Fahrt nach Berlin / Ehrler, Hans Heinrich (Public Domain)

Der Stern von Moskau 
An einer Straßenecke des Nordens hat es eine gelind 
verlaufene kleine Affäre gegeben zwischen Kommunisten und 
Nationalisten. Man sieht nichts mehr davon, nur etliche 
Schutzleute abseits und den Dampf der zusammengepreßten 
Leidenschaft, der aus dem nicht zur Betätigung gekomme⸗ 
nen Trupp der Roten aufsteigt. Langsam fängt dieser an, 
sich zu bewegen und träagt die heiße Welle mit sich fort. (An 
der Hauswand hinter dem Schauplatz wird dadurch ein 
großes Plakat frei, zu einem wesentlich anderen Augen⸗ 
schein einladend und lautend: „Venus zieht sich aus!“) 
Ein kecker Gedanke schiebt mich in den Zug. Aber das 
geht nicht in meinem sonstigen Gang: ich brauche Mimicri, 
rücke die Schultern nach vorn ein, stecke die Hände in die 
Hosentaschen und senke die Knie zum Trott. Jeder Mit⸗ 
läufer hat etwas Trotziges in sich verschlossen und trägt 
einen Sack unausgegebener Kraft im Brustkorb. Ihre Arm⸗ 
muskeln spielen in den Rockärmeln. Die Grimmigen sehen 
aus, als zerrieben sie kleine Steine im Mund hinter den 
Zigaretten. Eine glühende Wolke voll Groll geht um mich 
mild Fühlenden her. Ich denke mir, die ganze radikale 
Armee führe mich in sich einrolliert mit durch die lange 
gerade Straße. 
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