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Viertes Kapitel Der Mann mit dem Baum

Full text: Meine Fahrt nach Berlin / Ehrler, Hans Heinrich (Public Domain)

Oder Freunde müssen den Neuling nach Zehlendorf ein⸗ 
laden, wo in großen Gevierten viele „Eigenheime“ an⸗ 
einandergeklebt sind, wohlgruppiert, dachlos und farbig, 
klein, mit reichem Fensterlicht. Die Gevierte innerhalb (man 
könnte sie beleidigend auch große Höfe nennen) sind in 
ebenso viele kleine Gartenstücke geteilt, mit fünfzehn Schrit⸗ 
ten quer und fünfunddreißig Schritten einwärts zu durch⸗ 
gehen. Darin erblickt man nun junge Mütter sitzen, Kinder 
spielen, Väter mit der Kamera auf die geliebten Gruppen 
zielen. Auch selber kommt der Gast auf die Platte. Man 
sieht Syndikusse, Amtsrichter, Studienräte, wie sie Spaten 
treten und Harken schwingen, auch mit Schläuchen han⸗ 
tieren (aus rotem Gummi fabriziert, mehrfach geschlängelt 
am Boden liegend); aus den neuen messingfunkelnden 
Mundstücken besprengen sie ihr Erdreich mit stäubendem 
Wasser. („Oh, ein Regenbogen!“ jubeln die Sprößlinge.) 
Wenn die so Wirkenden in der Stadt einen großen Kon⸗ 
trakt gemacht, ein schweres Urteil gefällt, eine Klassen⸗ 
prüfung bestanden haben, können sie kaum mehr befriedigt 
sein als hier, wo sie anhaltend und eindringlich ihr nach ihrer 
Meinung durstendes Land getränkt haben. Der Inhalt von 
sechs Gießkannen waͤre Segens genug. Beatus ille ... 
Man segnet in Gedanken die Tätigen und freut sich, daß 
die Natur mit getreuen Mutteradern hindurchgreift und 
die Menschen herausholt, mögen diese sich in höchst ge⸗ 
türmten Steinlabyrinthen und eitel pfauenden Kulturen 
ihr entzogen haben. Suchen sie innen das Neueste, Zeit⸗ 
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