Path:
Erstes Kapitel Im Quirltopf

Full text: Meine Fahrt nach Berlin / Ehrler, Hans Heinrich (Public Domain)

und siehe, er ist für die Stadt da. Die Magie der Menschen⸗ 
gemeindung hat ihn angeschaut. Warum ist der Berliner 
nicht demütig wie ein vom Gesicht seiner Massenknechtschaft 
Erschütterter? 
Das andere Wunder: zufällig steht in der Zeitung, im 
Monat März seien etwa hundertfünfzig Millionen Men⸗ 
schen von den städtischen Verkehrsmitteln (Straßen⸗, Unter⸗ 
grund⸗, Stadtbahn und Kraftomnibus) befördert worden. 
Eine statistische Notiz unscheinbar in die Ecke gedruckt. Viel⸗ 
leicht rechnet ein sie findender Leser für sich aus: macht auf 
den einzelnen Einwohner mehr denn eine tägliche Fahrt. 
Meine Einbildung aber bleibt daran hängen, denkt dazu 
Lohnauto, Privatauto, Lastwagen, Pferdewagen, Motor⸗ 
rad, Fahrrad, Fußgaͤnger. Die imaginaͤre Ziffer rollt mir 
den Dauerstrom vor, welcher durch die zentralen Stein⸗ 
schächte der Stadt gepreßt wird. 
Gleich zufällig liest man am folgenden Abend: alle zwei 
Tage geschieht in Berlin ein tödlicher Verkehrsunfall. Also 
von acht Millionen Menschen wird täglich einer durch den 
Katarakt dieses Verkehrs ergriffen, ein Bläslein in dessen 
Dahinsturz zerstäubt. (Religiöse Vorstellung darf tiefer er⸗ 
greifend und durchleuchtend von einem Opfer sprechen.) 
Nur ein halber Berliner muß im Zeitraum von vier⸗ 
undzwanzig Stunden für solchen Kreislauf des Lebens 
sterben?
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.