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Zweiter Teil: Sitten Erstes Kapitel. Hofzeremoniell und zeremoniell der Republik

Full text: Gestalten rings um Hindenburg / Reibnitz, Kurt von (Public Domain)

Zeit der Reichspräsidentschaft nicht, und niemand wird 
den peinlichen Eindruck vergessen, als bei der ersten 
großen Verfassungsfeier am 11. August 1921 in der 
Staatsoper Herr Ebert die kleine, früher kaiserliche Loge 
betrat und den Anwesenden eine Verbeugung machte, 
ohne daß diese sich erhoben. 
Und doch braucht die deutsche Republik wie jedes 
große Gemeinwesen, ganz gleich, welche Verfassung es 
hat, ein Zeremoniell, das offizielle Veranstaltungen zur 
Mehrung der Würde und des Ansehens unseres Reiches 
in feierliche Formen bringt. Es war daher durchaus an- 
gemessen, daß das Reichskabinett sofort nach dem Hin- 
scheiden des ersten Reichspräsidenten das Zeremoniell 
seiner Bestattung beriet und eine offizielle Meldung hier- 
über veröffentlichte. Das Wort „Zeremoniell‘ ist damit 
in die amtliche Sprache der deutschen Republik auf- 
genommen worden, 
Linksradikale werden lächeln oder lachen. Zere- 
moniell der Republik. Welch Unsinn! Sie vergessen ganz 
die Kraft der Phantasie, Dem Gedanken der deutschen 
Republik mehr Glanz und Farbe als bisher zu geben, 
ist eine bedeutsame politische Aufgabe. Freilich auch 
eine schwierige, Geschmack und Takt, Erfindungsgeist 
und Farbensinn gehören dazu, Hier gibt es kein Si- 
mile und keine Tradition, Sie zu bilden und zu pflegen, 
ist Aufgabe des jeweiligen Zeremonienmeisters des 
Reichsoberhauptes, oder wie er offiziell im Handbuch 
für das Deutsche Reich heißt, „Referent für Protokoll, 
fremdes diplomatisches und Konsularkorps, Einführung 
beim Reichspräsidenten‘“. Die Zeitungen kürzen diesen 
langen Titel durch „Chef des Protokolls” ab. So heißt 
nämlich in Frankreich der dem Präsidenten der Republik 
beigegebene Diplomat mit Gesandtentitel, der als Ein- 
führer des diplomatischen Korps fungiert und alles Ge- 
sellschaftliche im Elysee regelt. 
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