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Erster Teil: Menschen Sechzehntes Kapitel. Frauen in der Politik

Full text: Gestalten rings um Hindenburg / Reibnitz, Kurt von (Public Domain)

der evangelischen Frauenzeitung. Infolge des Todes der 
Frau Hedwig Dransfeld ist die Zahl der weiblichen Mit- 
glieder der Zentrumsfraktion auf zwei gesunken, die ver- 
witwete Frau Amtsgerichtsrat Neuhaus aus Dortmund 
und Frau Christine Teusch aus Köln, die beide schon 
in der Nationalversammlung saßen. In ihr saß auch Frau 
Klara Mende von der Volkspartei. Sie hat's indessen 
bei den Wahlen 1928 nicht mehr geschafft und sitzt nun 
wieder als Frau Spediteur in der Dorfstraße in Tempel- 
hof, nachdem sie als Reichstagsabgeordnete so viele 
Jahre eine große Rolle, auch in der Berliner Gesell- 
schaft, gespielt und viel Geld als „Leitartiklerin — M. 
d, R,” verdient hatte, Ihre Fraktionskollegin Frau Stu- 
dienrätin Elsa Matz hat mehr Glück gehabt. Ein sicherer 
Platz auf der Reichsliste hat ihr den alten Sitz im Wallot- 
bau erhalten. Neu in die Reichstagsfraktion der Volks- 
partei ist Frau Dr. Hertwig-Bünger, die Gattin des frü- 
heren. sächsischen Justizministers, gezogen. Auch die 
demokratische Fraktion des Reichstages zählt nur zwei 
weibliche Mitglieder, Gertrud Bäumer und Marie Elisa- 
beth Lüders., 
Statt der trockenen Arbeit in den Parlamenten liegt 
der politisch begabten und interessierten Frau vielleicht 
mehr die psychologische Seite der Politik, das Knüpfen 
menschlicher Beziehungen mit und zwischen den Poli- 
tikern. Das war die Hauptbeschäftigung aller Frauen, 
die einen politischen Salon machten, vor allem der poli- 
tisch interessierten Herrscherinnen, z.B. der ersten deut- 
schen Kaiserin Augusta, die sich auf diesem Gebiet be- 
sonders temperamentvoll betätigte. Ihr Gemahl Wil- 
helm I, nannte sie, wie Bismarck in seinen Gedanken 
und Erinnerungen erzählt, „in vertraulichen. aus Ver- 
druß, Respekt und Wohlwollen gemischten Stimmungen 
den Feuerkopf‘“, während der große Kanzler nach sei- 
nem Rücktritt einmal von ihr sagte: „Sie hat mir mehr 
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