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Erster Teil: Menschen Fünfzehntes Kapitel. Die fremden Diplomaten

Full text: Gestalten rings um Hindenburg / Reibnitz, Kurt von (Public Domain)

die große Geselligkeit der Hofgesellschaft, Heute geht 
kein fremder Diplomat gern nach Berlin. Er muß sich 
in einer ungeheuer schwierigen, ihm als Ausländer ziem- 
lich undurchsichtigen Atmosphäre bewegen, der Glanz 
der Hofgesellschaft und des Hofes ist erloschen, ein ge- 
sellschaftliches Leben, wie es andere republikanische 
Hauptstädte, zum Beispiel Paris und Warschau in großem 
Umfange haben, ist erst im Entstehen; das Bedrückendste 
aber für ihn sind die hohen Preise. Es gibt keinen in 
Berlin akkreditierten Diplomaten, der nicht über das 
kostspielige Berliner Leben klagt und behauptet, Berlin 
sei die teuerste Großstadt der ganzen Welt. Vielleicht 
als Ersatz für die sehr geringe offizielle Geselligkeit in 
der Reichshauptstadt besteht im diplomatischen Korps 
ein engerer Zusammenschluß als sonst in großen Metro- 
polen; die gesellschaftlichen Beziehungen untereinander 
sind sehr intensiv, 
Führer des diplomatischen Korps, der die Gesamt- 
interessen der in Berlin ansässigen Diplomaten vertritt, 
ist nach altem internationalen Gewohnheitsrecht der 
Vertreter des Papstes, falls ein solcher nicht entsandt 
ist, der am längsten akkreditierte Botschafter, Doyen des 
diplomatischen Korps in Berlin ist daher seit 1920 der 
päpstliche Nuntius Pacelli, dem der Vatikan die schöne, 
früher im Besitz der Familie Reichenhein befindliche 
Villa Rauchstraße 21 gekauft und eingerichtet hat. Da 
er indessen einen großen Teil des Jahres in München 
und Rom verbringt, vertritt ihn während dieser Zeit als 
Doyen der am längsten akkreditierte Botschafter, das ist 
seit dem Weggang von Viscount d’Abernon im Novem- 
ber 1926 der russische Botschafter Krestinski, der seit 
dem 8. Juli 1922 in Berlin amtiert. Doyenne der Damen 
des diplomatischen Korps ist Frau Krestinski. Das hat 
insofern zu Schwierigkeiten geführt, als die Damen der- 
jenigen Mächte, die keine diplomatischen Beziehungen 
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