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Erster Teil: Menschen Erstes Kapitel. Der Reichspräsident

Full text: Gestalten rings um Hindenburg / Reibnitz, Kurt von (Public Domain)

die Pflichten des Amtes. So saß er nicht oft mit seiner 
Familie zusammen, den beiden mit zwei Schwestern 
verheirateten Söhnen, von denen der eine Optiker, der 
andere Redakteur ist, seiner Tochter Amalie, die ihr 
Examen als Bibliothekarin gemacht und als solche so- 
gar eine Zeitlang an der Universitätsbibliothek in Hei- 
delberg gearbeitet hatte. 
Dagegen war die Geselligkeit der großen Welt dem 
ersten Reichspräsidenten mehr Pflicht als Erholung. Da 
war vor allem die Repräsentation im eigenen Hause, die 
Diners, die dem diplomatischen Korps, den Reichsrats- 
mitgliedern, den Reichsministern und höheren Reichs- 
beamten — die Stufe nach unten war, soweit nicht per- 
sönliche Beziehungen bestanden, der Staatssekretär — 
und anderen prominenten Persönlichkeiten der Berliner 
Gesellschaft gegeben werden mußten, die parlamen- 
tarischen Bierabende und zahlreiche Frühstücke, die sich 
gewöhnlich an Empfänge anschlossen. Bei allen Missions- 
chefs und vielen Häusern der offiziellen Welt aßen Herr 
und Frau Ebert mindestens einmal im Winter. Das- 
selbe galt für einige hervorragende Privathäuser Berlins. 
Wir nennen nur den Berliner Handelskammerpräsidenten 
Herrn von Mendelssohn, den versterbenen Generaldirek- 
tor der AEG., Geheimrat Deutsch, den Direktor der 
Commerzbank Sobernheim, Professor Jaeckh, Frau von 
Kardorff-Oheimb u. a. m. Wie freute sich Ebert, in die- 
sen Häusern mit hervorragenden Vertretern des Wirt- 
schaftslebens und der Geisteswelt plaudern zu können 
und so einmal aus der Politik herauszukommen. 
Die Geselligkeit im Reichspräsidentenpalais hatte 
einfache, aber würdige Formen. Bei Diners gab es nie- 
mals Champagner, sondern nur einen einfachen Tisch- 
wein und einen feinen Rot- und Weißwein, von dem 
ein Glas während des Essens herumgereicht wurde. Der 
Tisch war künstlerisch mit Porzellan und Blumen ge- 
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