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Zweiter Teil: Sitten Sechstes Kapitel. Orden, Titel und andere Eitelkeiten

Full text: Gestalten rings um Hindenburg / Reibnitz, Kurt von (Public Domain)

den Vordergrund getreten ist, spielt es bekanntlich in 
Frankreich eine große Rolle. Denn jeder Franzose hat 
einen heißen Wunsch, einmal das kleine rote Bändchen 
der Ehrenlegion im Knopfloch tragen zu können, nicht 
etwa nur bei feierlichen Gelegenheiten, sondern von 
früh bis spät, tagaus, tagein, Der Träger eines solchen 
Bändchens wird freilich überall mit besonderer Zuvor- 
kommenheit behandelt. Schon Bismarck schreibt in 
seinen Gedanken und Erinnerungen: „In Paris habe ich 
erlebt, daß unverständige Gewalttaten gegen Menschen- 
massen plötzlich stockten, weil sie auf ‚un monsieur 
decore‘ stießen, Orden zu tragen ist für mich, außer 
in Petersburg und Paris, niemals ein Bedürfnis gewesen, 
an beiden Orien muß man auf der Straße irgendein 
Band am Rock zeigen, wenn man polizeilich und bürger- 
lich mit der wünschenswerten Höflichkeit behandelt 
werden will.‘ 
Zwar bestimmt die Reichsverfassung, daß Orden und 
Ehrenzeichen nicht mehr verliehen werden dürfen, in- 
dessen gibt es außer Lebensrettern, denen die Rettungs- 
medaille zuteil geworden ist, auch noch andere glück- 
liche Menschen, die trotz der Republik eine Aus- 
zeichnung anlegen dürfen. Das eine sind hervorragende 
Künstler und Gelehrte, die, falls eine Vakanz eintritt, 
in die dreißig Mitglieder umfassende, 1842 von Friedrich 
Wilhelm IV. gestiftete Friedensklasse für Wissenschaft 
und Künste des Ordens pour le merite aufgenommen 
werden können, das andere sind die Rechts- und Ehren- 
ritter des Johanniterordens und die Inhaber des Ehren- 
zeichens des deutschen Roten Kreuzes, das sein Prä- 
sident, der Landesdirektor von Winterfeldt, verleiht. 
Die preußische Regierung hat nämlich bestimmt, daß 
die genannte Friedensklasse — vor dem Umsturz wurde 
der Orden vom preußischen König auf Grund schrift- 
licher Vorschläge der Ordensmitglieder verliehen — eine 
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