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Kapitel XI. Es gibt keinen Tod!

Full text: Walther Rathenau / Kessler, Harry, Graf (Public Domain)

ordentlich hochgehoben, sogar das Auto machte einen kleinen 
Sprung, Wir liefen gleich alle hin und fanden auf dem Damm 
dabei neun Patronenhülsen und den Abzug der Eier-Hand- 
granate, Von dem Auto waren Teile des Fournierholzes ab- 
gesprungen. Der Chauffeur warf seinen Wagen wieder an, ein 
junges Mädchen stieg in den Wagen und stützte den bewußt- 
losen, wohl schon toten Herrn, und in großer Fahrt fuhr der 
Wagen den Weg, den er gekommen war, auf der Königsallee 
zurück zur Polizeiwache, die etwa dreißig Meter weiter am 
Ende der Königs-Allee nach Hundekehle zu liegt.“ („„Vossi- 
sche Zeitung‘ von Sonntag, den 25. Juni 1922.) — Das junge 
Mädchen, das so tapfer in das Auto sprang, war die Kranken- 
schwester Helene Kaiser. Sie sagte im Prozeß aus: „Rathenau, 
der schwer blutete, war nach dem Attentat noch am Leben und 
hat mich groß angesehen. Er war aber anscheinend schon be- 
wußtlos.‘“ Der Chauffeur fuhr mit dem Sterbenden von der 
Polizeiwache direkt nach seinem Hause zurück, wo er in sein 
Arbeitszimmer getragen und flach auf den Fußboden gelegt 
wurde. Er schlug, als sein Diener ihn bettete, noch einmal 
die Augen auf. Aber der sofort nachher erschienene Arzt 
konnte nur den Tod feststellen. Fünf Schüsse waren in den 
Körper gegangen, Wirbelsäule und Unterkiefer zerschmettert, 
Am nächsten Tage, Sonntag den 25. Juni, lag er an derselben 
Stelle im offenen Sarge, den Kopf etwas nach rechts zurück- 
gebogen, einen sehr friedlichen Ausdruck und doch eine un- 
ermeßliche Tragik in dem tief gefurchten, toten, wunden Ge- 
sicht, über dessen untere zerschmetterte Hälfte ein feines 
Taschentuch gebreitet war; nur der graue, kurz gestutzte, zer- 
zauste Schnurrbart sah darüber hinaus, 
Draußen marschierte an diesem Sonntag die Arbeiterschaft. 
Hunderttausende zogen vom frühen Morgen bis zum späten 
Nachmittag unter schwarz-rot-goldenen und roten Fahnen in 
vier Kolonnen nebeneinander schweigend in Trauer durch die 
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