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Kapitel IX. Vereinsamung

Full text: Walther Rathenau / Kessler, Harry, Graf (Public Domain)

Gewissensbisse gemacht wegen seiner Mitwirkung am Kriege 
durch die Rohstofforganisation), liegen teilweise zutage in 
den Worten, die er bald nach Kriegsausbruch an Fanny 
Künstler richtete; „Wir müssen siegen, WIR MÜSSEN! und 
haben keinen reinen, ewigen Anspruch.“ (Brie£ 155.) 
Seine Schätzung Ludendorffs ging jedoch bald in die Brüche. 
Er selbst hat das dramatische Ende ihrer Beziehungen in dem 
bereits angeführten Aufsatz „Schicksalsspiel“ klar und über- 
zeugend dargestellt. „Im Frühjahr 1917 war das Hauptquartier 
auf einige Tage in Berlin... Ich ließ mich bei Ludendorff 
melden, berichtete ihm über die wirtschaftliche Durch- 
führung des „Hindenburg-Programms‘“ und sagte ihm, die 
U-Boot-Gutachten seien, soweit ich sie kenne, falsch, an eine Nieder- 
werfung Englands bis zum Sommer sei nicht zu denken. Ludendorff 
widersprach; die Unterhaltung war kurz. An diese Voraussage 
erinnerte ich Ludendorff brieflich im Juni 1917. Er forderte 
mich auf, nach Kreuznach zu kommen‘). 
Rathenau bereitete den Besuch sorgfältig vor durch einen 
Artikel „Sicherungen“ in der „Frankfurter Zeitung“ vom 5. Juli, 
in dem er Annexionen im Osten grundsätzlich ablehnte, aber 
— eine Konzession an Ludendorff — Erwerbungen im Westen 
„Fheoretisch‘““, wie er sich ausdrückte, nicht absolut verwarf?). 
Am 10. Juli fand dann die Unterredung im Hauptquartier 
Statt. „Der U-Boot-Krieg machte den Hauptteil der Besprechung aus. 
Ich erörterte die Monatszahlen, die maximale Schätzungen 
bedeuteten, die geringe Wirkung auf die englische Wirtschaft, 
die illusorische Berechnung der Gesamttonnage, die Abwehr- 
Maßnahmen, vor allem die Möglichkeit Amerikas, mehr 
Tonnage zu bauen als wir versenkten... Am Nachmittag 
empfing mich Ludendorff nochmals. Er sagte, daß er nur in 
einem Punkte meinen Darlegungen widersprechen müsse: 
7” A.2.0, 8.7. 
*) Abgedruckt in der Broschüre „Zeitliches‘“ S. 82. 
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