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Kapitel VIII. "Von kommenden Dingen"

Full text: Walther Rathenau / Kessler, Harry, Graf (Public Domain)

Der Erfolg der Schriften „Von kommenden Dingen“ und 
„Die Neue Wirtschaft“ war sensationell. Nach dem halben 
Mißerfolg der „Mechanik des Geistes‘ stellten plötzlich die 
Auflagenziffern dieser beiden Bücher die der erfolgreichsten 
Romane in den Schatten. Der ersten Auflage der „Kommenden 
Dinge“ von 5000 Exemplaren im Februar 1917 folgte bereits 
im März eine weitere von 8000 und im April eine von 11000 
Exemplaren, In etwas mehr als einem Jahre, bis Mitte 1918, 
wurden von den „Kommenden Dingen‘ 6500o Exemplare, 
von der „Neuen Wirtschaft“ gleich im ersten Monat, Januar 
1918, 30000 Exemplare verkauft. Walther Rathenau wurde der 
am meisten gelesene und am leidenschaftlichsten besprochene 
deutsche Schriftsteller?). ; ; 
Zurückblickend auf den ganzen Umfang und die Wirkungen 
der von ihm vorgeschlagenen Reform, sagt er; „Bedeutender sind 
die Wirkungen dieser Maßnahmen auf das gesamte Gebiet sittlicher, 
gesellschaftlicher Beziehungen als diejenigen irgendeines anderen Um- 
schwunges, den die neuere Geschichte kennt.“ (Von kommenden 
Dingen S. 149.) Richtig. Wird aber zu diesen Wirkungen auch 
die gehören, um derentwillen er die ganze Reform gefordert 
hat: größere Freiheit des Menschen, eine Erweiterung und fortgesetzt 
fortschreitende Vergrößerung des Spielraumes, innerhalb dessen er 
seine Seele entfalten kann? Wird sie aus den Millionen bloßer 
Arbeitstiere der wirtschaftlichen Weltmaschine wieder Men- 
schen machen? Das ist der Prüfstein, den gerade er an jeden 
politischen, wirtschaftlichen, sozialen Reformvorschlag an- 
legt: nicht, ob er den Staat stärkt, ob er die Produktion hebt, 
ob er den Arbeitsertrag gerechter und gleichmäßiger zur Ver- 
teilung bringt; alles das ist wichtig, aber nicht entscheidend: 
') Diese Ziffern, wie die der früher angegebenen Auflagenzahlen sind 
der im Reichsamt des Innern von Dr. Ernst Gottlieb mustergültig be- 
arbeiteten Bibliographie der Werke Walther Rathenaus entnommen, die 
mir vom Verfasser freundlichst zur Verfügung gestellt wurde. 
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