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Kapitel VIII. "Von kommenden Dingen"

Full text: Walther Rathenau / Kessler, Harry, Graf (Public Domain)

mischen und elektrischen Industrie, die diesem Zustand über- 
rtaschend nahekommen. Denkt man sich ein Land mit tausend 
arbeitenden Bewohnern in dieser Weise bereitet, so bleibt die 
Gütermenge, die es erzeugen könnte, ungemessen, und somit 
der Verzehranteil des einzelnen, sofern eine einigermaßen 
gerechte Verteilung obwaltet, ein beliebig großer. Einer Be- 
grenzung durch Rohstoffmangel des Planeten sind wir einst- 
weilen noch so fern, daß wir diese Sorge ausschalten dürfen, — 
Doch läßt sich der Zustand vollkommener Produktionsmecha- 
nisierung nicht mit einem Schlage durchführen; er /äßt sich 
nicht einmal über ein bestimmtes Maß beschleunigen. Denn alle Me- 
chanisierung erfordert Einrichtungen, und diese enthalten ein unge- 
heures Maß von aufgespeicherter Arbeit und Erfindung, von lebendigem 
Kapital... ihre Vermehrung kann nicht schneller fortschreiten, als 
die jährliche Ersparnis der Welt... mit der sie gleichbedeutend ist... 
Jede Arbeitsersparnis kommt der Vermehrung des Einrich- 
tungspatks der Erde zugute, und seine Ausfüllung in Jahr- 
hunderten wird bewirken, daß der Nutzeffekt der Arbeit sich 
erhöht, die verfügbare Verzehrmenge wächst, die Arbeitszeit 
sich verkürzt und die Lebenshaltung sich erhöht . .. Jede nach 
dem Stande der Technik vergeudete Arbeitsstunde ist daher ein natio- 
naler Verlust.“ („Neue Wirtschaft“ S. 208 ff.) . 
Von diesem Gesichtspunkt der Arbeitsv&rgeudung kritisiert 
er unser heutiges Wirtschaftssystem in Grund und Boden, 
Sein Grundfehler sei „die wissentlich oder unwissentlich falsche 
Lenkung des gesamten Erzengungsvorganges,‘ (Aa. O. S. 2117.) Sie 
ergebe sich aus der wngeregelten Konkurrenz und der Einstellung 
auf den bloßen Profit, die der Befriedigung von Luxusbedürf- 
nissen vor der des notwendigen Bedarfs der Allgemeinheit den 
Vorzug gibt. „Wenn wir zwei bis drei Milliarden jährlich für 
berauschende Getränke ausgeben, wenn wir hunderte von 
Millionen für Putz, Tand, Schaustellungen opfern, und wenn 
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