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Kapitel VIII. "Von kommenden Dingen"

Full text: Walther Rathenau / Kessler, Harry, Graf (Public Domain)

untrennbar mit dem Besitz verbunden und im künftigen Ver- 
lauf je mehr in den Vordergrund tretend, die Macht; die andere 
durch lange Überlieferung, jedoch vielleicht nicht für immer 
ihr anhaftend: die Erblichkeit: Vereinigt bilden sie die Macht der 
Klasse.“ (A.a.O. S. 1108.) „Heute leben wir, wirtschaftlich be- 
frachtet, in der gesamten zivilisierten Welt unter der Herrschaft 
einer gewaltigen Plutokratie.‘“ (A.a.O. S. 120.) (Variation des 
ihm so bitter verübelten Wortes: „Dreihundert Männer leiten 
die wirtschaftlichen Geschicke des Kontinents.‘“) „P/utokratie 
ist Gruppenherrschaft, Oligarchie, und von allen oligarichischen For- 
men die verwerflichste. (A. a. O. S. 121.) „Plutokratie wirkt nicht 
durch gemeinschaftliche Ideale, sondern durch gemeinschaftliche Inter- 
essen.‘ (A.a. O. S. 122.) 
Die ethische und volkswirtschaftliche Legitimation persön- 
lichen Reichtums wird untersucht. „Woher stammt persönlicher 
Reichtum, und wie wird er erworben?“ (A.a.O. .S. 127.) „Jst 
Reichtum Ersparnis? Bei der Kürze des menschlichen Lebens 
kann aus regelmäßigem Arbeitseinkommen zur Not ein mitt- 
lerer Wohlstand erspart werden; die Einkünfte, die sich zum 
Reichtum aufhäufen lassen, sind nicht Arbeitsvergütungen, sondern 
Gewinne anderer Kategorien. Die Volksmeinung, daß man 
durch Sparsamkeit an sich reich werden könne, ist irrig... 
Wer reich werden will, muß einen allgemeinen Bedarf be- 
friedigen, Doch dieser Vorsatz genügt nicht: denn der Wett- 
bewerb ist zur Stelle. Er reißt einen Teil der Bedarfsdeckung 
an sich und verkleinert den Nutzen und schließlich erntet der 
Unternehmer statt der erhofften Schätze nur eine mäßige Rente 
oder ein mittleres Arbeitseinkommen, — Die Aufgabe der Be- 
reicherung wird also nur dann gelöst, wenn der Unternehmer 
den Wettbewerb beschränken, den Nutzen nach Gutdünken 
bemessen, oder den Kreis der Opferwilligen beliebig ausdehnen 
kann. In diese Lage bringt ihn nur das anerkannte oder erzwungene 
Monopol.‘ (A. a. O. S. 128/129.) „Monopole machen reich; andere 
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