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Kapitel VIII. "Von kommenden Dingen"

Full text: Walther Rathenau / Kessler, Harry, Graf (Public Domain)

reich, Belgien, also die paneuropäische Wirtschaftsgemein- 
schaft, zu der die Entwicklung seit dem Kriege immer mäch- 
tiger hindrängt. 
Praktische Folgen konnte aber damals nur seine zweite Idee 
haben: der Gedanke der Rohstofforganisation. In seinem in 
der „Deutschen Gesellschaft‘‘ am 20. Dezember 1915 gehal- 
tenen Vortrag über „Die Organisation der deutschen Rohstoffver- 
sorgung‘ (Gesammelte Schriften Bd. V S. 23 ff.) hat er die Ge- 
sichtspunkte, die ihn dabei leiteten, und die Methoden, die er 
anwendete, mit klassischer Einfachheit dargelegt. „Rohstoff- 
wirtschaft! Ein abstraktes bildloses Wort, abstrakt und farblos 
wie so viele Namen unserer Zeit, deren Sprache nicht die 
schöpfende Kraft hat, um für handfeste Begriffe bildhafte 
Worte zu schaffen; ein lebloses Wort, und dennoch ein Begriff 
von großer Schwerkraft, wenn man ihn ganz sich vergegen- 
wärtigt. Blicken Sie um sich: Was uns umgibt: Gerät und Bau- 
werk, Mittel der Bekleidung und Ernährung, der Rüstung und 
des Verkehrs, alle enthalten fremdländische Beimengung. Denn 
die Wirtschaft der Völker ist unauflöslich verquickt; auf eisernen 
und auf wässernen Straßen strömt der Reichtum aller Zonen 
zusammen und vereinigt sich zum Dienst des Lebens .. . Täg- 
lich hören wir sprechen von Schwierigkeiten der Volksernäh- 
rung. Und dennoch: diese Volksernährung beruht auf einer 
Produktionskraft, die mehr als 80 Hundertstel des Bedarfs 
ausmacht, Eine Abschließung kann uns beschränken, sie kann 
uns nicht vernichten. Anders mit jenen anderen Stoffen, die 
für unsere Kriegführung unentbehrlich sind; #hre Sperrung 
kann Vernichtung bedeuten . .. Ara 4. August des letzten Jahres, 
als England den Krieg erklärte, geschah das Ungeheuerliche 
und nie Gewesene: unser Land wurde zur belagerten Festung. 
Geschlossen zu Lande und geschlossen zur See war es nun 
angewiesen auf sich selbst; und der Krieg lag vor uns, unüber- 
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