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Kapitel VII. Der Weg zum Abgrund

Full text: Walther Rathenau / Kessler, Harry, Graf (Public Domain)

weniger gefährlich die intellektuelle und moralische Isolie- 
rung. — Wie völlig fremd das Rathenausche Weltbild der 
kaiserlichen Politik war, beweisen die Wege, die sie einschlug: 
daß sie dreißig Jahre auf die Lösung eines Rüstungsproblems, 
die Vergrößerung der deutschen Flotte ohne Zusammenstoß 
mit England, als wichtigste und fast einzige Aufgabe hinstarrte; 
daß sie ein Drittel der Volkskraft, die sozialdemokratische 
Arbeiterschaft, als „„vaterlandslose Gesellen‘ von jeder Betä- 
tigung in der Gemeinschaft abriegelt; daß sie vorzog, eine 
auch von ihr anerkannte, epigonenhafte Talentlosigkeit in der 
Diplomatie und den höchsten Staatsstellungen zu dulden, als 
Talenten aus der breiten Masse des Bürgertums, wie sie zahl- 
reich in diesen Jahren in Industrie und Handel emporkamen, 
den Zutritt zu leitenden Stellungen im Staate zu öffnen; daß 
sie, um noch eine Einzelheit zu nennen, auf ihrem eigensten 
Gebiet, der Kriegsvorbereitung, versagte, weil sie die Be- 
deutung der Wirtschaft im Kriege übersah und daher seine 
wirtschaftliche Vorbereitung nicht über ein nicht ernst ge- 
nommenes, nie zur Ausführung gelangtes unbestimmtes 
Projekt förderte, Um diese katastrophale Lücke in den deut- 
schen Rüstungen auszufüllen, mußte daher gerade Rathenau 
zu Kriegsbeginn in die Bresche springen. 
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