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Rundfahrt

Full text: Spazieren in Berlin / Hessel, Franz (Public Domain)

Rundfahrt 
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ein fleißiges Geschäftsviertel rings umher. Altertümlich ist 
hier nur noch der Grundriß, hier beginnt die Gegend der ver- 
schiedenen Wallstraßen und das Gelände des alten Friedrich- 
werders, dieses dritten Berlin neben dem, das jenseits beider 
Flußarme liegt, und dem näheren Cölln an der Spree. Hier 
könnten wir rechtshin fahren, erst an den Engelchen vorbei, 
die in den Fensterkreuzen des Hospitals der Grauen Schwe- 
stern von der heiligen Elisabeth beten, und weiter in die Alte 
Leipzigerstraße und die wunderlichen Winkel bei Raules Hof. 
Statt dessen lenkt unser Gefährt auf breiterem Damme gen 
Norden, vorbei an dem rötlichen Mauerwerk der Reichsbank, 
einem Werke Hitzigs, des Erbauers der Börse, der für das 
teicher werdende. Berlin der sechziger und siebziger Jahre 
eine Art gediegener Renaissance für Handel und Industrie 
schuf, die den bescheidenen Klassizismus der letzten Schinkel- 
Schüler ablöste, immer noch besser war als das, was hinter- 
drein kam, aber doch den Weg ins Wilhelminische Spiel mit 
alten Stilen vorbereitet hat. Noch recht unschuldig ist dagegen 
die sogenannte ‚modifizierte Gotik‘, in welcher Schinkel Ende 
der zwanziger Jahre die Friedrich Werdersche Kirche am 
Werderschen Markt, unserm nächsten Ziel, erbaut hat. Das 
ist ein brav altpreuBisches Werk, hat den braunen Backstein- 
ton, wie ihn in unserer guten Stadt eine ganze Reihe Kirchen 
und Bahnhöfe haben, mehr pflichtgetreu als fromm aussehend, 
mehr an ‚Treu und Redlichkeit‘ als an Mystik gemahnend. 
Ein strenger Erzengel tötet überm Portal einen unbefugten 
Drachen und schaut dabei nicht träumerisch ins Weite wie 
seine älteren Vettern aus Holz, Stein und Farbe, sondern
	        
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