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Nach Osten

Full text: Spazieren in Berlin / Hessel, Franz (Public Domain)

Nach Osten 
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von den Brühkesseln. Da aus dem kleinen Holzverschlag 
kommt das erste Schweinchen herausgeschlüpft, lautlos und 
vertrauensvoll seinem Mörder entgegen. Das ist ein hübscher 
junger Bursche in Hemdsärmeln. Er holt gelassen aus mit 
dem Beil und schlägt dem Tier vor den Kopf. Es legt sich 
sanft auf die Seite. Und während ein andrer auch sehr sym- 
Pathisch aussehender junger Mann ihm den Halsstich ver- 
‘etzt, zucken nur noch die Beinchen. Da wartet ja schon das 
nächste und ein drittes drängt sich hinterdrein, Ich wundre 
Mich, daß sie gar nicht quieken, weder hinter dem Verschlag 
"och hier unterm Beil. Ich muß immer wieder das Gesicht 
dessen ansehn, der den Schlag tut. Merkwürdig: die Vieh- 
händler vorhin, die Agenten und Schlächtermeister sahen 
igentlich viel blutrünstiger drein als dieser Jüngling mit 
der zarten Gesichtsfarbe, der die Mordtat vollzieht ... Wir 
kommen ins Rinderschlachthaus. Da gibt es eine rituelle Ecke. 
Indersteht vor dem kopfunten hangenden Rind der Schächter, 
der ihm den Halsschnitt gemacht hat. Er hat einen schwarz- 
Stau und scharf vorstehenden spitzen Bart. Auf welchem 
Alten Bild hab ich solch einen Bart gesehen? Die Hämmel 
Muß man besuchen, wenn sie abgezogen werden. Es ist er- 
“äunlich, wie säuberlich und glatt das zugeht. Sind sie an 
Siner Stelle aufgeschnitten, so greift ihnen einer, der es ver- 
*teht, ganz sanft unter den Pelz, das Fell gleitet weich und 
‘Pürlos ab, und darunter erscheint ein Wesen aus hellem 
Ulfenbein. Es geht überhaupt sehr säuberlich zu auf diesem 
Maässenmordhof. Blut und Entsetzen wird rasch fortgewa- 
‘chen, Geschlinge, Kuttel und ‚Kram‘ werden beiseitege-
	        
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