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Nach Osten

Full text: Spazieren in Berlin / Hessel, Franz (Public Domain)

Nach Osten 
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Lore fällt. Die karrt die Beute fort bis dahin, wo die voran- 
Sewanderte Schicht austrocknet, und das Feuchte wird an 
das Trocknende gepappt. Kleine Jungen bestaunen mauloffen 
das Schauspiel der Arbeit. Und auch die Großen bleiben 
stehn, Zuschauen können die Berliner noch immer wie in 
älter Zeit, als sie es noch nicht £o eilig hatten wie heute. 
Nur scheinen inzwischen ihre Sachkenntnisse gewachsen 
%u sein. Es sind nicht mehr die Naiven, die Hosemann 
Szeichnet hat, wie sie auf die großen Röhren der englischen 
Gasgesellschaft starren und sagen: ‚Wenn ick nur wüßte, 
Wie sie das Öl durch die Kanone da ruff kriegen.‘ 
Am Straßenrande erwarten uns neue Versprechungen. Der 
Hackebär hat eigne Wurstfabrik. Seine neue Bauernkapelle 
ist da, Es wird wieder den alten Betrieb geben, Stimmung, 
Humor. Viel Volk wartet schon unter wehenden Wimpeln. 
In einen Salon im Hinterhaus locken von der Wand des Durch- 
SaNgs Friseur und Friseuseaus weißer Pappe. Gewaltige Film- 
'eklame verkündet Amerikas berühmtesten Cowboy und den 
Grafen von Cagliostro. Der hohnlächelt über ihren Fächer 
"eg auf eine schmerzlich stirnrunzelnde Brünette. Dunkle 
Nebenstraßen mit altertümlich sanften Namen unterbrechen 
“nsern grellen Pfad. Ach, der alte Weinkeller mit den 
°inladenden Strophen an schräger Wand über den tiefen 
Stufen! 
Und jetzt stehn wir am Torweg zum Rosetheater. Gegeben 
Wird ‚Der Verschwender, Romantisches Volksstück von Fer- 
linand Raimund‘. Es fängt erst in zehn Minuten an. Wir 
‘önnen Noch den Durchgang zu Ende gehn bis zu den herbst-
	        
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