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Der Kreuzberg

Full text: Spazieren in Berlin / Hessel, Franz (Public Domain)

DER KREUZBERG 
Der ist obligatorisch. Eine Sehenswürdigkeit. Die höchste 
Erhebung über der Spree-Ebene. Da ich ihn seit langer Zeit 
nicht mehr besucht habe, beschloß ich ihn jetzt gewissen” 
haft zu besichtigen und begab mich gen Süden. Unterwegs 
in einer Nebenstraße der Großbeerenstraße gab es ein paar 
Schaufenster, vor denen mußte ich stehenbleiben. So lange 
konnte der Kreuzberg auf mich warten. Das eine verhieß 
Wäscheanfertigung jeder Art aus vorhandenem sowie aus 
geliefertem Material. Da lehnte über die Leine mit den 
Spitzentaschentüchern eine nachdenkliche Stoffpuppe ihre 
marmorgrauen Arme, Unter roter Kappe hatte sie blaugraue 
Locken, altfarben, wie Ahnenbilder sie haben. Es war schwer, 
an ihren einladenden Augen und Armen vorbeizukommen. 
Und wenige Schritte weiter war eine Vogel- und Vogelfutter- 
handlung. Auch für Fische und gegen Insekten gab es da 
mancherlei einzukaufen, und ich las Worte wie Piscidin, 
Wawil, Dermingin, Radicalin, Milbin. Vor allem aber einen 
Vers allgemeineren Inhalts, den ich mir gemerkt habe: 
Ein Vöglein im Heim 
Erfreut groß und klein. 
Große Auswahl in Sing- 
Und Ziervögel. 
Ich weiß nicht, ob die beiden letzten Zeilen auch als Vers 
gemeint sind, aber ich lese sie so. 
Das alles hielt mich begreiflicherweise auf, aber schließlich 
stand ich doch am Fuß des Berges vor dem großen Becken
	        
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