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Alter Westen

Full text: Spazieren in Berlin / Hessel, Franz (Public Domain)

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die — einst Laternenträger auf einer längst abgerissenen 
Brücke — hier im Grünen gelandet sind. Daß es Laternen 
sind, was sie tragen, erkannten wir nicht, wir fanden sie 
nur geheimnisvoll um undeutliche Gegenstände und um ein- 
ander bemüht. Sie haben mich immer viel mehr interessiert 
als die beiden Generäle Graf Brandenburg und Graf Wrangel, 
welche näher an der Straße das Interesse auf sich zu lenken 
suchen, Wenn ich eine Stimme im Rat der Stadt hätte, 
würde eine ganze Reihe solcher Kriegshelden und sonstig 
berühmten Männer, die auf Plätzen, an Brücken und Alleen 
sich vordrängen mit ihren porträtähnlichen Steingesichtern 
oder Bronzeröcken, durch unbestimmte Gartengötter ersetzt, 
die nicht viel anhaben. 
Nun, bis es dazu kommt, wollen wir zufrieden sein mit dem, 
was wir haben, und sei es auch nur das Kleinwerk an alten 
Häusern, Medaillons mit Mädchenköpfchen in reichem Haar 
oder Jünglingsgesichtern unter phrygischer Mütze, kleinen 
Opfer- oder Triumphzügen in Flachrelief über einer Bel- 
etage und Putten, die zwischen Blattwerk und Arabesken über 
Türen oder unter Fenstern hocken. Diese Putten waren immer 
besonders vertrauenerweckend, da sie anden eigenen Knaben- 
körper erinnerten. Ungewöhnlich verlockend aber wurden 
sie vor dem Zeughaus, wo sie überlebensgroß zu Füßen der 
Riesinnen stehen und, während die da oben nah bei ihren 
gewaltigen Brüsten Belehrendes vornehmen, sich selig an die 
Fülle der Gewandfalten schmiegen dürfen. 
Bekommt man solche Putten und Göttinnen nur selten zu 
Alter Westen 
sehen, so gibt es doch eine andere Art mythologischer Per-
	        
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