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Rundfahrt

Full text: Spazieren in Berlin / Hessel, Franz (Public Domain)

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preußisch unerschüttert und macht Augen rechts nach dem 
lieben Gott. 
Und das Innere? Schon in dem Vorraum, der vermutlich an 
den Narthex der echten romanischen Kirchen erinnern soll, 
gehts marmorn los. Als Knabe bekommt Wilhelm vom Vater 
das marmorne Schwert gereicht, reitet als junger Kriegsprinz 
durchs Schlachtfeld von 1814 hinter lagernden Schützen. 
die marmorn nach dem Innenportal der Kirche zielen, rat: 
schlagt mit Bismarck und Moltke zwischen stilisierten Blumen 
über einer Feldzugskarte und sitzt marmorn zwischen Sohn 
und Enkel, sich huldigen zu lassen. Von den vielen‘’Kirchen: 
fenstern ist zu sagen, daß fast unter jedem der Stifter leser- 
lich verzeichnet steht. Viel Prinzen sind darunter, aber auch 
Städte und einzelne Mäzene. Deren Enkel können, bis diese 
Inschriften eines schönen Tages verlöschen oder ver“ 
schwinden, noch ein kleines Jahrhundert lang sich ärgern. 
daß Großpapa und Urgroßmama etwa einen glasgemalten 
lächerlichen Satan, der in roten Flammen neben dem ruhe“ 
vollen Heiland brennt, gestiftet haben. In der großen Fenster“ 
rose bemühen gebildete kleine Propheten sich mit ihren 
Spruchbändern um ein naiv mittelalterliches Benehmen 
und auf dem Goldgrund der Deckenmosaiken halten streb“ 
same Leute mit Heiligenschein sich so katholisch, wie es 
ihre protestierenden Gliedmaßen irgend zulassen. Und das 
alles muß unter elektrischer Beleuchtung ein Heiland segnen- 
Er hat den vornehmen Bestand aufzunehmen. Außer den 
Statuen rings ein Taufbecken aus kostbarem Material, ein® 
Ringkrone von 5’5 m Durchmesser, eine Orgel mit einem 
Rundfahrt
	        
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