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Erstes Buch. Das historische Berlin Berlin unter den Hohenzollern

Full text: Berlin / Scheffler, Karl (Public Domain)

rung lernte eben erst höhere Lebensbedürfnisse kennen und 
fordern. Immer noch lag Berlin weit ab. Doch war ein ununter- 
drückbarer Wille nach oben vorhanden. Nachdem Menschen 
bis jetzt fast mit Zwang herbeigeschafft worden waren, begann 
die Stadt leise von sich aus eine Anziehungskraft auszuüben. 
Um so mehr, als die Mark im gleichen Tempo besiedelt, ge- 
rodet, entwässert und angebaut wurde, und als der Landadel 
vom Fürsten angehalten wurde, es ihm im kleinen nachzutun 
im Führen eines patriarchalisch tüchtigen Regiments. 
In der Kunst entbehrte das sich mühsam heraufquälende Berlin 
noch fast alles. In dieses östliche Vorwerk des Deutschtums 
war nahezu nichts gedrungen von einer schon vielhundert- 
jährigen Blüte der bildenden Künste. Kein Meistersingerlied 
war erklungen, keine Volkslegende großer Art gedichtet. Dürer, 
Cranach, Holbein, Grünewald, die Donaumeister und die Maler 
vom Rhein, die Bildhauer von Straßburg, Bamberg, Naumburg 
und selbst von dem nahen Magdeburg hatten für Berlin gar 
Nicht gelebt. Die großen Menschheitssymbole, die Heroen der 
Geschichte gingen wie in weiter Ferne vorüber. In Berlin re- 
gierte noch die Not. Nur im Unterbewußtsein der aus einer 
schlechten Kinderstube eben Entlassenen arbeitete eine Idee. 
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Die Könige 
Ein Element der Kunst brachte Friedrich der Dritte, der sich 
als glücklicher Erbe väterlicher Erfolge die Krone aufsetzte und 
sich als König von Preußen Friedrich der Erste nannte (1688 
bis 1713). Dieser prunkliebende Fürst importierte das Barock; 
doch bediente er sich in erster Linie eines so begabten Künstlers: 
wie Andreas Schlüter und ging damit über nur repräsentative 
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