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Erstes Buch. Das historische Berlin Berlin unter den Hohenzollern

Full text: Berlin / Scheffler, Karl (Public Domain)

Armee, ja als Gründer des preußischen Heerwesens. Er baute 
Schulen, ordnete das Post- und Münzwesen und gab der Stadt 
ine Ordnung, die ein neues Stadtregiment überhaupt erst er- 
Möglichte, 
Man hat die nationale Gesinnung dieses Fürsten verdächtigt 
ünd seine Abhängigkeit von Ludwig dem Vierzehnten, von 
dem er auf Grund des Paktes von St. Germain eine Apanage 
für politische Unterstützung bezog, als Landesverrat gedeutet. 
Wer so urteilt, benutzt Maßstäbe eines Nationalgefühls, das 
“Ist zwei Jahrhunderte später entstanden ist und entstehen 
konnte, Friedrich Wilhelm mußte zusehen, wie er sein Land 
überhaupt erhalten konnte. Ihm war das Hemd in Wahrheit 
näher als der Rock. Daß er ein Gefühl für großdeutsche Fragen 
totzdem gehabt hat, beweist sein weitschauender, gegen die 
Übermacht Österreichs gerichteter Plan eines evangelischen 
Staatenbundes. Zunächst mußte er aber immer der Forderung 
der Stunde genügen. Ein Patriotismus, wie ungeschichtlich 
Denkende ihn heute beim Großen Kurfürsten vermissen, hätte 
Dotwendig zu nationalistischen Vorurteilen geführt; und diese 
hätten Berlin um einen der folgenschwersten Entschlüsse kolo- 
Aisatorischer Politik gebracht. Denn es war eine sehr wichtige 
Entschließung für Berlin, als der Kurfürst im Jahre 1685 das 
Edikt von Potsdam erließ, wonach französische Protestanten, 
die durch die Aufhebung des Edikts von Nantes landflüchtig 
SWorden waren, eingeladen wurden, in Brandenburg Zuflucht 
%U suchen, Frankreich spürt noch heute die Folgen einer Politik, 
die einen Teil seiner besten Bürger auswies; und Berlin spürt 
Noch heute die Vorteile, die ihm die französischen Refugies ge- 
bracht haben, Was Berlin, was die ganze Mark brauchte, waren 
Menschen, Nun kamen gleich etwa dreizehntausend in die 
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