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Full text: Berlin / Scheffler, Karl (Public Domain)

kunst, Schmuck usw. Allgemein betrachtet ist die Abteilung 
der Großplastik mäßig, die der Kleinplastik aber vorzüglich, 
wenn man das Künstlerische allem voranstellt. 
Besonders stolz ist das Antikenmuseum auf zwei in den letzten 
fünfzehn Jahren erworbene frühe Großplastiken: auf die Göttin 
mit dem Granatapfel aus dem sechsten Jahrhundert vor Christi 
und auf die Thronende Göttin aus dem Anfang des fünften 
Jahrhunderts vor Christi. Diese letzte sitzende Gestalt spricht 
unmittelbarer und liebenswürdiger zum Betrachter, obwohl in 
der Form viel Konventionelles ist und der Kopf überarbeitet 
erscheint. Recht fatal wirkt dagegen die stehende Göttin. Sie 
überzeugt in keiner Weise, das Werk weiß nicht spontan zu 
interessieren. Es wird eine Gedankenoperation nötig; und dabei 
erinnert man sich dann aller Zweifel, die der angeblich so alten 
Figur gegenüber ausgesprochen worden sind. Die in der Nach- 
barschaft aufgestellten Bruchstücke aus derselben Zeit wirken 
viel unmittelbarer. Interessant ist der dreileibige Dämon aus 
einem Giebel der Akropolis aus dem sechsten Jahrhundert. Es 
ist eine ganz dekorative Arbeit, etwas professionsmäßig und 
grob, aber ursprünglich und wirkungsvoll im Grotesken. Sehr 
eindrucksvoll ist-ein Kopf, das Bruchstück eines Grabreliefs 
aus Megara und ein liegender Löwe. Vor künstlerisch bedeu- 
tenden Stücken dieser Art kann man immer wieder die Er- 
fahrung. machen, daß; das Stilgewand von ihnen abfällt und 
daß sie sich ohne weiteres dem Weltbesitz an großer Kunst 
einfügen. Es ist, als ob alle Meisterwerke eine Familie bilden, 
erhaben über Raum und Zeit. Wogegen die schlechtesten Ar- 
beiten am deutlichsten die sogenannten Stilmerkmale betonen. 
Sehr bekannt ist die Grabstele eines Mädchens (fünftes Jahr- 
hundert). Am schönsten ist daran die bekrönende Palmette; 
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