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Full text: Berlin / Scheffler, Karl (Public Domain)

Der bedeutendste Repräsentant der Berliner und dadurch dann 
auch der preußischen und deutschen Kunst ist Adolph Menzel 
geworden. Seine Kunst hat Züge, die das Berlinertum des in 
Schlesien Geborenen gleichnishaft erscheinen lassen. Menzels 
Kunst weist auf ein Talent größten Ausmaßes, das durch zu 
strenge Selbstzucht an der letzten Freiheit verhindert worden 
ist, auf ein Genie, das dem Fleiß untertan geworden ist. Die 
starre preußische Pflicht hat das Talent tyrannisiert, das 
Verantwortlichkeitsgefühl ist dem Spiel, das mit aller Kunst 
verbunden ist, gefährlich geworden und hat es gemacht, daß 
sich einer großen Anlage die Pedanterie paarte. Ein echter 
Preußencharakter steht hinter dem gewaltigen Lebenswerk: 
sehnig, unermüdlich, eigensinnig, arbeitsam, großartig und 
unliebenswürdig in einem. Menzel war einer der größten 
Könner des Jahrhunderts. Er konnte alles und er tat alles. Er 
zeichnete wo er ging und stand. Allein die Berliner National- 
galerie besitzt etwa zehntausend Zeichnungen von ihm. Alles 
ist nach der Natur gezeichnet und der zufälligen Umgebung 
entnommen; alles ist aber auch verklärt von Geist. Bezeich- 
nend ist, daß uns heute die Arbeiten als die besten erschei- 
nen, die Menzel selbst für Nebenarbeiten hielt, daß die Ge- 
legenheitsstudien uns viel mehr zu sagen haben, als die 
übergenau ausgeführten „Hauptwerke“. Der junge Menzel hat 
seinem Vater früh schon beim Lithographieren geholfen. Der 
Vater starb dann kurz nach der Übersiedelung nach Berlin und 
der Siebzehnjährige übernahm die Sorge für Mutter und Ge- 
schwister, Die Tagesarbeit bestand in lithographischen Ar- 
beiten. Bekannt wurde Menzel durch Zeichnungen zu Goethes 
Gedicht „Künstlers Erdenwallen‘, Daneben entstanden Ge- 
denkblätter, Diplome, Randzeichnungen, Titelblätter, Gesellen- 
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