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Full text: Berlin / Scheffler, Karl (Public Domain)

akademischer. An Gewissenhaftigkeit und Formenklarheit steht 
er hinter dem Älteren nicht zurück. Beide Künstler zusammen 
repräsentieren die Berliner Skulptur um 1800; mit verschieden- 
artigem Temperament drücken sie das Formgefühl ihrer Zeit 
und ihrer Vaterstadt aus, Rauch wurde der Liebling des Hofes, 
des Publikums und der Frauen: er verstand zu schmeicheln, ohne 
unwahr zu werden. Zudem schwankte er wenig; er hielt immer 
sein Niveau. Wenige Bildhauer haben von vornherein so großen 
Erfolg gehabt, und wenigen ist der Erfolg so treu geblieben. 
Mit dem idealisierenden und stilisierenden Naturalismus seiner 
Feldherrnstatuen und Grabfiguren waren die fürstlichen Be- 
Steller sowohl wie das Publikum einverstanden. Und die Nach- 
welt bestätigt das Urteil der Mitwelt im wesentlichen. Aus dem 
Berliner Straßenbild sind Rauchs Denkmale am Friedrichs- 
forum von Blücher, Gneisenau, Scharnhorst, Bülow und von 
Friedrich dem Großen nicht wegzudenken. Sie sind mit der 
Neuen Wache Schinkels wie verwachsen. Wie Schadow das 
friderizianische Zeitalter, so hat Rauch die Freiheitskriege ver- 
herrlicht; dabei kommt in den strengen Ernst ein Lächeln, 
der Klassizismus nimmt Formen des Eleganten auf. Das am 
Populärsten gewordene Werk Rauchs ist das Grabmal für 
das Mausoleum der Königin Luise; es hat diese Popularität 
hicht durch gemeine Mittel erkauft. Die Königin ist dargestellt, 
Wie sie in der Erinnerung der Preußen weiterleben sollte, wie 
Sie aber auch wirklich lebendig weiterlebte. Dennoch ist etwas 
Leeres in der Gestalt; es ist als läge der deutsche Idealismus 
allegorisch auf einem schönen Paradebett, Nach dem Erfolg 
dieser Arbeit wurde Rauch mit Porträtaufträgen überhäuft. 
Auch wurden ihm jetzt die Statuen der berühmten Generale 
bestellt. Bei der Gestaltung dieser Denkmale ist Rauch dem 
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