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Full text: Berlin / Scheffler, Karl (Public Domain)

Bezeichnend für das eintönige Vielerlei der zwischen 1870 und 
1914 entstandenen Stadt sind auch die Straßennamen. In alten 
Städten sind die Straßennamen voll epischer Kraft; die Straßen- 
namen im Berlin der Gründerjahre sind schulmäßig ausgedacht. 
Mit dem Wort Straße wird der Name eines Fürsten, Feldherrn, 
Gelehrten, Künstlers oder der Name einer anderen Stadt ver- 
bunden. Die Bezirksvereine haben gewetteifert, Hohenzollern- 
viertel, ein Bayerisches Viertel, ein Richard-Wagner-Viertel, 
ein Kolonial-Viertel oder Straßennamen zur Verherrlichung 
siegreicher Kriege zu ersinnen. Sie haben den Eisenbahnfahr- 
plan vorgenommen, und Straßennamen danach gebildet. Wege, 
Gassen, T’wieten, Gänge, Stiegen — das gibt es nicht; es gibt nur 
Straßen. Damit. man sich dabei etwas denken kann, geben die 
Straßenschilder dann kurze Biographien der in Straßennamen 
verewigten Persönlichkeiten. Denn Berlin hält auf Bildung. 
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