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Full text: Berlin / Lindenberg, Paul (Public Domain) Ausgabe Bdch 6 Die weitere Umgebung Berlins : Potsdam und der Spreewald (Public Domain)

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Die weitere Umgebung BVerlins. 
und eine nor so durze Fahrt durch den Spreewald zeigt uns, 
daß diese Vorliebe bis heute nicht nachgelassen hat. Der oben 
schon erwähnte aufmerkfame Schilderer des Wendenvolkes, 
F. Chr. Franz, erzählt von seinem am Ende des vergangenen 
Jahrhunderts dem Spreewalde abgestatteten Befuche: „Durch 
eine gute Behandlung und eine geschickte Samenvermischung 
mancherlei Gattungen nutzet man ein Stück Grabeland das 
Jahr durch wohl vier- bis sechsfach. Überhaupt zeichnen sich 
die Spreewaldbewohner im Feldbaue vorzüglich aus. Sie 
nutzen ganz gewiß ein Stück Acker so viele Thaler, als es 
auf dem ersten Lande nur kaum Groschen genutzt werden kann. 
Hierzu rechne ich besonders auch die Lübbenauer, welche vom 
Erbau der schönsten Gartengewächse, Sämereien ꝛc. größten— 
teils leben und alle Städte und Ortschaften in der Gegend 
und sogar Berlin und Dresden mit dieser selbst im Auslande 
bekannten Ware versorgen, wozu der von ihrer stark unter⸗ 
haltenen Viehzucht genommene Dünger, sowie der eigene Fleiß 
und ihre Betriebsamkeit alles Erforderliche dazu beitragen. 
Wie in Gärten — so auf den Feldern, wo man sich auch 
jedes Fleckchen zu nutze macht.“ 
Die in den Gärten des gefamten Spreewaldgebietes ge— 
zogene Hauptfrucht ist die Gurke; da findet man in der vor⸗ 
gerückteren Sommerzeit kein Haus, an dessen äußeren Wänden 
nicht mächtige Tonnen stehen mit vielen hunderten eingelegter 
Gurken, die sich einen Ruf auf dem Weltmarkte errungen 
haben und oft weite überseeische Fahrten antreten. Ähnlich 
bedeutend ist der Meerrettichbau, dessen Umfang schon daraus 
— D 
Meerrettichmärkten in Lübbenau ein- bis zweihundert mit dieser 
Frucht beladene Kähne einfinden. Ein anderes, allerdings 
lebendes Produkt des Spreewaldes — der Krebs — hatte 
früher dieselbe große Verbreitung und denselben Ruf erlangt, 
bis vor einigen Jahren ganz plötzlich in den Spreegewässern 
die Krebspest auftrat und in furchtbarer Weise unter den viel⸗ 
begehrten Schaltieren aufräumte. Neuerdings sind verschiedent⸗
	        
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