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Full text: Berlin / Lindenberg, Paul (Public Domain) IssueBdch 6 Die weitere Umgebung Berlins : Potsdam und der Spreewald (Public Domain)

Die weitere Umgebung Berlins. 
dung *Aeu rn schreibt darüber folgendes: „Bis in die 
neueste * yat sic, sowey nter dem Nolke als auch bei 
wendischen Schriftstellerr dee Merchen erhalten, daß die Wen⸗ 
den, wiewohl unterdrückt und um ihre alte Freiheit und ihr 
nationale“ Recht gebracht, sowie zum Deutschen Reiche zuge— 
zogen, doch bis auf den heutigen Tag ihre eigenen Könige aus 
ihrer alten Königsfamilie beibehalten haben. Ja, hier und da 
erzählt man, daß die Niederlausitzer Wenden um Lübbenau 
herum im Spreewald bis zu dieser Stunde ihrem Könige aus 
der alten Herrscherfamilie treu anhangen. Weiter erzählt man, 
daß die Wenden jener Gegend wohl in allen äußerlichen staat— 
lichen Angelegenheiten dem deutschen Landesfürsten gehorchen, 
ihre Steuern treu und richtig zahlen und ihre Pflicht erfüllen, 
daß fie aber in ihren besonderen wendischen Angelegenheiten 
sich den Befehlen ihres besonderen wendischen Königs unter— 
werfen. Dieser Kön' »miifse, wie man sagt, ein Nachkomme 
der alten Königefan »in der einst sein Königsschloß auf 
dem Burgberge hatt“ — finden sich, wie man sagt, 
noch heutigestags Nachkont ucn jener Königsfamilie in dem 
kleinen, jetzt fast gänzlich germanisierten Dörschen Kaminchen, 
das in der Nähe des Spreewaldes liegt. Was aber ferner 
unseren wendischen König betrifft, so ist derselbe jetzt wohl 
auch in seiner äußeren Erscheinung ein Bauer wie jeder andere, 
er erhält aber, so fabeln deutsche Schriftsteller, von feinen 
Wenden königliche Ehren und zu seinem Unterhalt alljährlich 
etwas Geld von seinen Unterthanen, die eben deshalb außer 
ihren Landessteuern noch eine besondere wendische Kopfsteuer 
für ihren Köni, äührlich abzugeben haben. Krone und Scepter 
der alten Wencikönige werden von ihm aufbewahrt, und seinen 
Anordnu?? gchorchen alle Wenden in ihren nationalen An— 
gelegenheit. Doch wird die ganze Sache so heimlich gehalten, 
daß niemand, der nicht mit in dieselbe verflochten ist, mit Ge— 
wißheit erfahren kann, wie es um dieselbe in Wahrheit steht, 
und konnte ich den betreffenden König weder ausfindig machen, 
noch zu sehen bekommen.“ 
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