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Full text: Berlin / Lindenberg, Paul (Public Domain) Ausgabe Bdch 6 Die weitere Umgebung Berlins : Potsdam und der Spreewald (Public Domain)

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Die weitere Umgebung Berlins 
und bei wescheen verschiedene hervorragende Musiker, wie 
Quandt der junge Bach u saw. runn rr Abendtafel 
fanden sich wiederum die bevorzugten Treunde des großen 
Königs ein und wie beim Mittag blieb man längere Zeit, 
oft bis zum Morgengrauen, in wechselndstem Geplauder bei 
einander. Je älter der König wurde, desto mehr ließen die 
Geselligkeiten nach, und in seinen letzten Lebensjahren waren 
die prunwollen Gemächer und Säle vereinsamt und verödet. 
Am 9. Sente— 1786 erschienen sie in düsterer Trauer— 
gewandung *cchhwarzem Tuch ausgeschlagen, die gold⸗ 
blitzenden Berrt ringen mit schwarzem Krepp verhüllt, be— 
leuchtet von den Jackernden Kerzen der Kronenleuchter, sahen 
sie die trauernde Hofgesellschaft, in ihrer Mitte der Nachfolger 
Friedrichs, Friedrich Wilhelm II. In der Paradekammer stand 
auf einer schwarz ausgeschlagenen Erhöhtec der mit einem 
vergoldeten Ritterhelm gekrönte Sarg, welcher von Taburetts, 
auf denen die Reichsinsignien lagen, umgeben war. Von hier 
aus setzte fich unter dem Geläute aller Glocken der Trauer— 
zug um zehn Uhr vormittags nach der Garnisonkirche zu in 
Bewegung, die sterblichen Reste des großen Königs wurden 
dort in der Gruft beigesetzt. 
Seitdem ist nur wenig an der Einrichtung des Schlosses 
geändert worden, da die übrigen Bewohner — vor allem 
Friedrich Wilhelm I11. und seine hohe Gemahlin — bestrebt 
waren, die Räume so zu lassen, wie sie Friedrich II. gestaltet 
hatte. Zum längeren Aufenthalt eines Mitgliedes der könig— 
lichen Familie diente das Schloß von nun an selten, und 
auch Kaiser Wilhelm J. hielt sich nur vorübergehend in ihm 
auf. Fröhliches Leben dagegen entfaltete sich, als Prinz Wil— 
helm, unser jetziger jugendlicher Herrscher, mit seiner Familie 
Einzug in einen Flügel des Schlosses hielt. Freilich nur 
so lange, bis ihn ernstere Pflichten auf den Thron seiner 
Väter riefen. 
Zu einer Wanderung durch das Schloß nehmen wir vom 
Schloßhofe aus durch das Fortunaportal unferen Eingang.
	        
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