PLANUNGSHINWEISE ZUM BODENSCHUTZ
Leitbild und Maßnahmenkatalog
für den vorsorgenden Bodenschutz in Berlin
Mai 2021
Impressum
Herausgeberin
Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz
Öffentlichkeitsarbeit
Am Köllnischen Park 3, 10179 Berlin
www.berlin.de/sen/uvk/
Koordination
Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz
Referat II C – Bodenschutz, Boden-, Altlasten- und
Grundwassersanierung
Sabine Hilbert
Dr. Michael Thelemann
Marina Brandt
Inhalte und Bearbeitung
PLANUNGSGRUPPE CASSENS + SIEWERT
Landschaftsarchitekten ∙ Landschaftsplaner
Streitstraße 13
13587 Berlin
Telefon (030) 261 77 97
Wolfram Siewert
J. H. Gerstenberg
Fritschestraße 68
10585 Berlin
Telefon (030) 341 87 74
Titelfoto
PD Dr. Mohsen Makki
Geographisches Institut der Humboldt-Universität zu Berlin
Berlin, 05/2021
2
Planungshinweise zum Bodenschutz | Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung .....................................................................................................................5
2 Rechtlich-Planerischer Rahmen.....................................................................................9
2.1 Vorsorgepflichten nach Bodenschutzrecht...................................................................9
2.2 Bodenschutz nach Baurecht........................................................................................ 10
2.3 Bodenschutz nach Naturschutzrecht ......................................................................... 14
2.4 Sonstige Pläne, Programme und Aktivitäten des Landes Berlin im
Klima- und Bodenschutz.............................................................................................. 17
3 Methodik....................................................................................................................21
3.1 Ansätze für die Bodenbewertung................................................................................ 21
3.1.1 Bodenbewertungs- und Bodenschutzkonzepte ............................................. 21
3.1.2 Ansätze für die aggregierte Bodenbewertung ............................................... 23
3.2 Gewichtung der Bodenfunktionen im Rahmen der aggregierten
Bewertung in Berlin...................................................................................................... 24
3.2.1 Lebensraumfunktion für die Pflanzen – Standortpotenzial für
natürliche Pflanzengesellschaften................................................................... 24
3.2.2 Lebensraumfunktion für die Pflanzen – Ertragsfunktion für
Kulturpflanzen (Natürliche Bodenfruchtbarkeit)............................................ 25
3.2.3 Regelungsfunktion für den Wasserhaushalt................................................... 25
3.2.4 Puffer- und Filterfunktion.................................................................................. 26
3.2.5 Archivfunktion zur Natur- und Kulturgeschichte............................................ 26
3.3 Berücksichtigung von Vorbelastungen in Berlin........................................................ 27
3.3.1 Berücksichtigung von stofflichen Vorbelastungen......................................... 27
3.3.2 Berücksichtigung von nichtstofflichen Vorbelastungen................................ 27
3.3.3 Berücksichtigung des Versiegelungsgrades.................................................... 28
3.4 Leitbild für den vorsorgenden Bodenschutz in Berlin............................................... 29
4 Darstellung der Bodenschutzkategorien......................................................................30
4.1 Höchste Schutzwürdigkeit des Bodens....................................................................... 31
4.2 Sehr hohe Schutzwürdigkeit des Bodens................................................................... 36
4.3 Hohe Schutzwürdigkeit des Bodens............................................................................ 40
4.4 Mittlere Schutzwürdigkeit des Bodens....................................................................... 44
4.5 Geringe Schutzwürdigkeit des Bodens
(Böden ohne besondere Anforderungen)................................................................... 48
4.6 Grafiken und Statistiken zur Gesamtverteilung der
Bodenschutzkategorien................................................................................................ 52
5 Planungshinweise zum Bodenschutz...........................................................................54
5.1 Aus den Bodenschutzkategorien abgeleitete Anforderungen und Maßgaben an
die bauplanungsrechtliche Entscheidung.................................................................. 54
5.1.1 Höchste Schutzwürdigkeit des Bodens............................................................ 55
5.1.2 Sehr hohe Schutzwürdigkeit des Bodens......................................................... 56
5.1.3 Hohe Schutzwürdigkeit des Bodens ................................................................ 60
5.1.4 Mittlere Schutzwürdigkeit des Bodens............................................................. 61
5.1.5 Geringe Schutzwürdigkeit des Bodens (Böden ohne besondere
Anforderungen).................................................................................................. 63
3
5.2 Maßnahmen zur Vermeidung, Minderung und zum Ausgleich
von schädlichen Bodenveränderungen, Monitoring................................................. 64
5.2.1 Vermeidungs- und Minderungsmaßnahmen im
Bebauungsplanverfahren.................................................................................. 64
5.2.2 Ausgleichsmaßnahmen im Bebauungsplanverfahren................................... 65
5.2.3 Bau- und umsetzungsbezogene Maßnahmen................................................ 66
5.2.4 Maßnahmen zur Überwachung erheblicher Auswirkungen.......................... 69
5.3 Umweltatlaskarte und Geoportal Berlin..................................................................... 69
6 Fazit und Ausblick.......................................................................................................74
7 Verzeichnisse..............................................................................................................76
7.1 Abbildungen................................................................................................................... 76
7.2 Tabellen.......................................................................................................................... 79
7.3 Literatur und Quellen................................................................................................... 80
7.4 Gesetze und Verordnungen......................................................................................... 86
7.5 Abkürzungen................................................................................................................. 87
7.6 Foto/Abbildungsnachweis............................................................................................ 88
Anhang.............................................................................................................................89
I
4
Bewertung der Bodenfunktionen.................................................................................90
I.I Bewertung der Lebensraumfunktion für naturnahe und
seltene Pflanzengesellschaften................................................................................... 92
I.II Bewertung der Ertragsfunktion für Kulturpflanzen.................................................. 94
I.III Bewertung der Puffer- und Filterfunktion.................................................................. 96
I.IV Bewertung der Regelungsfunktion für den Wasserhaushalt................................... 98
I.V Bewertung der Archivfunktion für die Naturgeschichte........................................... 99
I.VI Planungshinweise zum Bodenschutz....................................................................... 101
Planungshinweise zum Bodenschutz | 1 Einleitung
1 Einleitung
Planungshinweise zum Bodenschutz – Aggregierte Bewertung der Schutzwürdigkeit von
Böden als Instrument des vorsorgenden Bodenschutzes
Planungsprozesse der Stadtentwicklung erfordern neben der quantitativen Betrachtung
zur Flächenneuinanspruchnahme und Versiegelung ebenso eine qualitative Betrachtung
der Böden, die beansprucht und gegebenenfalls neu versiegelt werden sollen. Ziel von
Steuerungsinstrumenten und Indikatoren zum Schutz des Bodens ist es daher insbesondere, die bauliche Entwicklung auf Flächen zu lenken, auf denen die Böden bereits durch
vorhergehende Nutzungen bebaut, versiegelt, verdichtet oder anderweitig überprägt sind
und damit unwiederbringlich zerstört wurden. Damit soll die bauliche Neubeanspruchung
von Böden mit einer höheren Schutzwürdigkeit und einer bis da-to geringen Versiegelung
gezielt minimiert und auf das notwendige Maß reduziert werden.
Dafür wurden die in Berlin vorliegenden Bewertungen der Bodenfunktionen und die Leistungsfähigkeit der Böden genutzt, um im Ergebnis einer Wichtung und Wertung fünf
Schutzwürdigkeitsstufen für die Berliner Böden abzuleiten und flächendeckend für das
ganze Stadtgebiet in einer digitalen Umweltatlaskarte darzustellen. Im vorliegenden Leitfaden wird die dafür entwickelte Berliner Methodik vorgestellt und alle Erkenntnisse und
Handlungsempfehlungen zusammengeführt, um so Böden differenziert für alle fünf
Schutzwürdigkeitsstufen bereits im Planungsprozess vor einer Inanspruchnahme zu schützen. Aus Bodenschutzsicht werden planungsrelevante Anforderungen und Maßgaben für
die einzelnen Kategorien des Bodenschutzes aufgeführt und kurz erläutert. Hierbei wird
jeweils Bezug zu den wertgebenden Bodenfunktionen genommen. Die Berliner Systematik
der Bewertung der natürlichen Bodenfunktionen sowie die Bodenschutzkategorien werden
im Anhang I zusammenfassend dargestellt. Alle bodenrelevanten Daten liegen als flächenund raumbezogene digitale Informationen im Geoportal Berlin vor.
Adressaten der Planungshinweise zum Bodenschutz sind die Mitarbeitenden in den
Bodenschutzbehörden, den Umwelt- und Stadtplanungsämtern sowie sonstige an der
räumlichen Planung beteiligte Akteure. Um eine breite Anwendung zu unterstützen, wurde
bei der Entwicklung des Verfahrens Wert darauf gelegt, fachlich gewichtetes und bewertetes Material zur Verfügung zu stellen, das sich durch Nachvollziehbarkeit und einfache
Handhabung auch für nicht bodenkundlich geschulte Akteure auszeichnet.
Der Leitfaden der Planungshinweise zum Bodenschutz und die dazugehörende Umweltatlaskarte 01.13 „Planungshinweise zum Bodenschutz“ dienen seit ihrer Einführung im
Jahr 2007 als verbindliche Grundlage für die Berücksichtigung der Belange des vorsorgenden Bodenschutzes sowohl in der räumlichen Planung als auch bei der Wertung und Wichtung von Eingriffs- und Ausgleichsmaßnahmen für das Schutzgut Boden im Land Berlin.
Beide Unterlagen werden seit 2011 im „Verfahren zur Bewertung und Bilanzierung von
Eingriffen im Land Berlin“ [52] als Bewertungsgrundlage herangezogen. Im Rahmen der
Fortschreibung des Landschaftsprogramms einschließlich Artenschutzprogramm (LaPro)
Berlin in 2015 wurden die Planungshinweise zum Bodenschutz auch in den Programmplan
Naturhaushalt/Umweltschutz integriert.
5
Nach einer mehrjährigen Anwendung der Planungshinweise zum Bodenschutz erfolgte im
Jahr 2015 eine erste grundlegende Fortschreibung und Weiterentwicklung. Dies führte im
Ergebnis zu der überarbeiteten Karte der Planungshinweise zum Bodenschutz (derzeit:
Ausgabe 2018) [57] samt neuem Begleittext.
Ebenfalls im Jahr 2015 wurde im Kontext des Projektes „Planungshinweise zum Bodenschutz“ die Arbeitshilfe „Merkblatt und Checklisten zur Berücksichtigung des vorsorgenden Bodenschutzes in der Bauleitplanung“ erarbeitet und online bereitgestellt [59]. Diese
Arbeitshilfe richtet sich an alle mit dem vorsorgenden Bodenschutz befassten Stellen und
Personen, um diesem in der Umweltprüfung im Zuge förmlicher Planungsverfahren die
notwendige Geltung zu verschaffen.
Nunmehr wurde die Notwendigkeit einer weiteren Aktualisierung festgestellt. Diese wurde
zum Anlass genommen, die zu den Planungshinweisen zum Bodenschutz vorhandenen
Materialien zu überarbeiten und zu ergänzen.
Ziele des vorsorgenden Bodenschutzes in Berlin
Bodenschutz ist eine Querschnittsaufgabe: Stadtplanung, Bodenschutz, Naturschutz und
Klimaschutz sind untrennbar miteinander verbundene Themen, die die Lebensqualität der
Menschen sowie den Erhalt der Biodiversität in der Stadtlandschaft wesentlich mitbestimmen.
Boden ist eine begrenzte Ressource und neben Wasser und Luft die wichtigste Lebensgrundlage des Menschen. Er ist Wasser- und Nährstoffspeicher, Lebensraum für Flora und
Fauna, Boden filtert und puffert Schadstoffe und er speichert weltweit und auch in Berlin
doppelt so viel Kohlenstoffdioxid (CO2) wie die globale Vegetation und die Atmosphäre zusammen. Zudem bietet er in Berlin ein komplexes Archiv der Natur- und Kulturgeschichte.
Boden ist auch in der Stadt, wenn auch räumlich begrenzt, die Produktionsgrundlage für
Nahrungs- und Futtermittel und für nachwachsende Rohstoffe.
Boden besitzt grundsätzliche Nutzungsfunktionen als Rohstofflagerstätte, als Fläche für
Siedlung und Erholung, für die Land- und Forstwirtschaft, für Verkehr, für die Ver- und
Entsorgung. Der Boden in einer Großstadt unterliegt einer stetigen Belastung und Inanspruchnahme, die zum unumkehrbaren Verlust der Bodenqualität führen. Nur wenn vorausschauend mit dem Schutzgut Boden umgegangen wird, kann die Bodenqualität und
Bodenvielfalt erhalten werden.
Mit Inkrafttreten des Bundes-Bodenschutzgesetzes (BBodSchG) 1998 wurde der Boden mit
seinen wertvollen und vielfältigen Bodenfunktionen erstmals durch bundeseinheitliche
Regelungen unter Schutz gestellt. Zweck des Gesetzes ist es, die Bodenfunktionen nachhaltig zu sichern und wiederherzustellen sowie Vorsorge gegen nachteilige Einwirkungen auf
den Boden zu treffen.
Die Flächenneuinanspruchnahme für die Entwicklung von Siedlungs- und Verkehrsflächen
führt, insbesondere durch die damit einhergehende Inanspruchnahme von Grund und
Boden, in erheblichem Ausmaß zu einem unumkehrbaren Verlust von Böden. Diese Entwicklung erkennend, hatte die Bundesregierung das Thema Flächenneuinanspruchnahme
unter den Fokus der Beobachtung gestellt und bereits im Jahr 2002 das sogenannte
„30-Hektar-Ziel“ in die Nationale Nachhaltigkeitsstrategie aufgenommen.
6
Planungshinweise zum Bodenschutz | 1 Einleitung
Ziel war es, die bundesweite Flächenneuinanspruchnahme1 für Siedlungs- und Verkehrszwecke bis zum Jahr 2020 auf 30 Hektar pro Tag zu reduzieren. In der Nationalen Nachhaltigkeitsstrategie aus dem Jahr 2016 wurde das Ziel zur Senkung der Flächenneuinanspruchnahme auf „30 Hektar minus × pro Tag bis 2030“ angepasst. Der Klimaschutzplan
der Bundesregierung von 2016 sieht ebenfalls eine Reduzierung der Flächenneuinanspruchnahme bis 2050 auf Netto-Null vor. Dies zeigt den unverändert hohen Handlungsbedarf zum Schutz der Fläche und des Bodens auf allen Planungsebenen auf.
Wesentliche Instrumente zur effektiven Steuerung der Flächenneuinanspruchnahme in
Berlin stellen die gezielte Bereitstellung von Flächenpotenzialen für die unterschiedlichen
Nutzungen sowie die Entwicklung des Baulückenmanagements dar, sodass sich das Potenzialangebot zum großen Teil aus der Innenentwicklung speist und das für Berlin abgeleitete Flächensparziel der Kommission Bodenschutz eingehalten werden kann [50]. Jedoch ist
für einen Ballungsraum wie Berlin die Flächenneuinanspruchnahme ein wenig geeigneter
Indikator für die Inanspruchnahme von Böden. Das Augenmerk sollte vielmehr auf der
Flächenversiegelung2 liegen. Denn Flächenversiegelung schreitet auch dann voran, wenn
keine neuen Flächen in Anspruch genommen werden, zum Beispiel durch die bauliche Inanspruchnahme von Kleingärten, Friedhöfen und Brachflächen sowie durch Verdichtung.
Dabei führt die Versiegelung zum unumkehrbaren Verlust von Böden und ihrer zahlreichen
Funktionen für die biologische Vielfalt, den Klima- und Umweltschutz und die Lebensqualität in der Stadt.
Bereits 2006 hatte das Berliner Abgeordnetenhaus die „Lokale Agenda 21 Berlin“ verabschiedet und darauf aufbauend die Flächenversiegelung als einen der 16 Kernindikatoren
zum Nachweis der nachhaltigen Entwicklung der Stadt definiert sowie das Ziel eines ausgeglichenen Saldos zwischen Flächenversiegelung und Entsiegelung ab 2030 formuliert.
In der aktuellen Koalitionsvereinbarung hat sich der Berliner Senat zu den nationalen
Klimaschutzzielen bekannt und das Ziel gesetzt, Berlin zu einer klimaneutralen Stadt zu
entwickeln. Berlin weist derzeit einen Versiegelungsgrad von etwa 35 Prozent auf. Die
durchschnittliche Zunahme der Flächenversiegelung im Zeitraum der Jahre 2005 bis 2015
beträgt etwa 140 Hektar pro Jahr (dies entspricht 3.800 Quadratmetern pro Tag). Seit
2005 hat sich der Anteil der versiegelten Fläche an der Gesamtfläche um etwa 1 Prozent
erhöht [1]. Betrachtet man nur diese Angaben der Versiegelung als einen Bestandteil des
Flächenverbrauchs, wurde in Berlin zwar das nationale Ziel einer reduzierten Flächeninanspruchnahme von 0,68 Hektar pro Tag (= 6.800 Quadratmeter pro Tag) für den Zeitraum 2012 bis 2015 erreicht, jedoch wird der langfristige Anspruch der Lokalen Agenda 21
eines ausgeglichenen Saldos zwischen Flächenversiegelung und Entsiegelung ab 2030
noch nicht erfüllt. Der Umgang mit Boden und Fläche wird in absehbarer Zeit im Land
Berlin an seine Grenzen stoßen. So hat sich die Einwohnerzahl der Stadt laut Amt für Statistik Berlin-Brandenburg innerhalb von 10 Jahren (im Zeitraum von 2009 bis Mitte 2019)
um 384.746 Personen auf 3.754.418 (Stand: 30. Juni 2019) erhöht. Auch für die kommenden Jahre ist weiterhin von einem anhaltenden Bevölkerungswachstum auszugehen.
Dem Wachstum der Stadt sind natürliche Grenzen gesetzt. Daher sind neue Leitbilder der
Stadtentwicklung zu verfolgen. Dazu gehört die doppelte Innenentwicklung [41]. Das heißt,
Flächenreserven im Siedlungsbestand sind nicht nur baulich, sondern gleichzeitig auch als
Freiräume für urbanes Grün zu entwickeln. Besonders in verdichteten Ballungsräumen
sind städtische Grünflächen mit naturnahen Böden von hoher Bedeutung für die wohnortnahe Erholung der Menschen und sie haben wichtige ökologische Funktionen, insbesondere für den Klimaschutz, die Aufnahme von Niederschlagswasser bei Starkregenereignissen und für die Grundwasserneubildung.
1 Unter dem Begriff „Flächenneuinanspruchnahme“ wird die Inanspruchnahme von bisher land- oder forstwirtschaftlich genutzten Fläche für die
Entwicklung als Siedlungs- und Verkehrsfläche verstanden, worunter auch
nur wenig versiegelte Flächen wie Hausgärten, Kleingärten, Parkanlagen, Verkehrsgrün und so weiter fallen. Im Umkehrschluss bedeutet das aber auch,
dass die Umwandlung von zum Beispiel
Kleingärten in Wohnungsbaufläche nicht
als Flächenneuinanspruchnahme erkannt wird. Bei Zitaten und Quellenangaben werden die Begriffe Flächenverbrauch und Flächeninanspruchnahme im
gleichen Sinne verwendet.
2 Unter Versiegelung wird die Isolierung des Bodens (Pedosphäre) von der
Atmo-, Hydro- beziehnungsweise Biosphäre durch Abdichtung, Bodenverdichtung oder Aufschüttung/Auffüllung, die
durch bauliche oder andere anthropogene Einwirkungen entstanden ist, verstanden. [36]
7
Mit dem Klimawandel sind vermehrt Wetterextreme mit Starkregenereignissen als auch
Phasen der Trockenheit und Hitzetage verbunden. Aufgrund ihrer Wasserspeicherfähigkeit
und ihrer Bodenkühlleistung leisten naturnahe Böden einen wichtigen Beitrag für ein gesundes Mikroklima in der Stadt.
Ausreichend verfügbare unversiegelte Fläche mit naturnahen Böden bietet die Voraussetzung einer vorausschauenden Regenwasserbewirtschaftung, die Spitzen zu puffern und
Zeiten des Mangels zu überbrücken hilft. In diesem Kontext haben das Land Berlin und die
Berliner Wasserbetriebe gemeinsam die Berliner Regenwasseragentur gegründet. Diese
soll das im Juli 2017 durch das Abgeordnetenhaus beschlossene Ziel unterstützen, jährlich
ein Prozent der an die Mischwasserkanalisation angeschlossenen Flächen und Gebäude
vom Abwassernetz zu entkoppeln und eine Versickerung beziehungsweise Speicherung
von Regenwasser auf den Grundstücken zu ermöglichen.
Die „Planungshinweise zum Bodenschutz“ fördern das Anliegen, Berlin zu einer klimaneutralen Stadt zu entwickeln, in bodenschutzfachlich fundierter Weise.
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Planungshinweise zum Bodenschutz | 2 Rechtlich-Planerischer Rahmen
2 Rechtlich-Planerischer Rahmen
2.1
Vorsorgepflichten nach Bodenschutzrecht
Bodenschutz ist in nahezu jeder Planungs- und Zulassungsentscheidung ein zu berücksichtigender Belang. Das Bodenschutzrecht ist ein noch vergleichsweise junges Rechtsgebiet.
Relevant sind das BBodSchG [71] und die Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung
(BBodSchV) [72]. Berlin verfügt darüber hinaus – wie andere Bundesländer – über ein eigenes Landesbodenschutzgesetz, das ergänzende Vorschriften zum Umgang mit schädlichen
Bodenveränderungen sowie mit der Novellierung in 2019 eine Ermächtigungsgrundlage
für Arbeiten des vorsorgenden Bodenschutzes enthält.
Bundes-Bodenschutzgesetz (BBodSchG)
Vorrangiger Zweck des BBodSchG ist es gemäß § 1, die Bodenfunktionen zu erhalten beziehungsweise wiederherzustellen. Hierzu sind schädliche Bodenveränderungen abzuwehren,
der Boden und Altlasten sowie hierdurch verursachte Gewässerverunreinigungen zu sanieren und Vorsorge gegen nachteilige Einwirkungen auf den Boden zu treffen. Bei Einwirkungen auf den Boden sollen Beeinträchtigungen seiner natürlichen Funktionen sowie seiner
Funktion als Archiv der Natur- und Kulturgeschichte so weit wie möglich vermieden werden. Dem Nachhaltigkeitsgedanken wird darüber hinaus im BBodSchG insbesondere im § 5
Entsiegelung, im § 7 mit den Vorsorgepflichten sowie für den landwirtschaftlichen Bereich
in § 17 Rechnung getragen [71].
Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung (BBodSchV)
Der § 6 BBodSchG stellt die Ermächtigungsgrundlage für den Erlass der BBodSchV zur Erfüllung der Anforderungen an das Auf- und Einbringen von Materialien auf oder in den
Boden dar. In der BBodSchV werden Vorsorgeanforderungen sowie konkrete Vorsorgewerte
für Metalle und für organische Stoffe sowie zulässige zusätzliche jährliche Frachten an
Schadstoffen über alle Wirkungspfade festgelegt, bei deren Überschreitung das Entstehen
schädlicher Bodenveränderungen zu besorgen ist. Des Weiteren werden die Anforderungen
an das Aufbringen und Einbringen von Materialien auf oder in den Boden geregelt [72].
Das Berliner Bodenschutzgesetz (Bln BodSchG)
Das Berliner Bodenschutzgesetz (Bln BodSchG, vom 24. Juni 2004, zuletzt geändert durch
Gesetz vom 5. September 2019 (Gesetz- und Verordnungsblatt (GVBl.) S. 554) formuliert in
§ 1 Abs. 2 den Vorsorgeauftrag: „Behörden und sonstige Einrichtungen des Landes Berlin
sowie die landesunmittelbaren Körperschaften, Anstalten und Stiftungen des öffentlichen
Rechts, die nicht am Wettbewerb teilnehmen, haben bei Planungen, Baumaßnahmen und
sonstigen eigenen Vorhaben vor der Inanspruchnahme von nicht versiegelten, baulich
nicht veränderten oder unbebauten Flächen zu prüfen, ob stattdessen eine Wiedernutzung
von ehemals genutzten oder bereits versiegelten, baulich veränderten oder bebauten Flächen möglich ist“ [75].
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Neu in das Bln BodSchG eingeführt wurde die Zuständigkeit der Senatsverwaltung, eine
Bodenschutzkonzeption (Bln BodSchK) aufzustellen und fortzuschreiben. Darin sollen der
Stand und die vorgesehene Weiterentwicklung von Maßnahmen zum Bodenschutz
medienübergreifend in den unterschiedlichen Sach- und Rechtsbereichen dargestellt sowie
Defizite und Regelungslücken benannt werden. Neu ist ebenfalls die Ermächtigung der
oberen Bodenschutzbehörde, Dauerbeobachtungsflächen einzurichten. Damit sollen Veränderungen der physikalischen, chemischen und biologischen Bodenbeschaffenheit untersucht werden [75].
Das Bodenschutzrecht bietet allerdings im Hinblick auf geplante Nutzungsänderungen
oder bauliche Inanspruchnahme von Böden keine materiell-rechtliche Handhabe. Demgegenüber umfassen das Bauplanungsrecht und zum Teil auch das Naturschutzrecht eine
Reihe einschlägiger Regelungen, denen nachfolgend besondere Beachtung zukommt.
2.2
Bodenschutz nach Baurecht
Bodenschutzklausel
Die Belange des Umweltschutzes, zu denen der Boden und die Fläche nach § 1 Abs. 6 Nr. 7a
Baugesetzbuch (BauGB) explizit gehören, sind bei der Aufstellung der Bauleitpläne zu berücksichtigen. Diese generelle Aussage wird in der sogenannten Bodenschutzklausel nach
§ 1a Abs. 2 BauGB konkretisiert. Demnach soll mit Grund und Boden sparsam und schonend umgegangen werden. Zur Verringerung der Flächeninanspruchnahme sind möglichst
die Wiedernutzbarmachung von Flächen, die Nachverdichtung und andere Maßnahmen
zur Innenentwicklung zu nutzen. Bodenversiegelungen sind auf das notwendige Maß
zu begrenzen. Somit gilt bereits in der Abwägung der Bauleitplanung ein flächenhafter
Bodenschutz [74].
Eingriffsregelung gemäß Baugesetzbuch (BauGB)
Ein wesentliches Umsetzungsinstrument stellt die Eingriffsregelung nach BauGB dar,
wenn aufgrund der Aufstellung, Änderung, Ergänzung oder Aufhebung von Bebauungsplänen (B-Plänen) oder von Satzungen nach § 34 Abs. 4 Satz 1 Nr. 3 BauGB Eingriffe in
Natur und Landschaft zu erwarten sind. So sind nach § 1a Abs. 3 BauGB die Vermeidung
und der Ausgleich voraussichtlich erheblicher Beeinträchtigungen der Leistungs- und
Funktionsfähigkeit des Naturhaushaltes in der Abwägung nach § 1 Abs. 7 BauGB zu berücksichtigen. Durch die flexibel gestalteten Regelungen für einen räumlich und zeitlich
entkoppelten Ausgleich (§ 200a BauGB), ist ein „Wegwägen“ von notwendigen Kompensationsmaßnahmen wegen Umsetzungshemmnissen in den meisten Fällen schwer begründbar. Durch die Gleichstellung von Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen, die eine
schutzgut- und funktionsübergreifende Kompensation von Eingriffen ermöglicht, wurden
jedoch Eingriffe in den Boden häufig nicht durch bodenspezifische Aufwertungsmaßnahmen ausgeglichen, sondern mit anderen (zum Beispiel biotop- oder landschaftsbildbezogenen) Maßnahmen kompensiert [74].
Seit dem Beschluss des Verwaltungsgerichts Berlin vom 24. September 2015 (sogenannter
Wannseegrabenbeschluss) ist jedoch klargestellt, dass eine Verrechnung von Eingriffen in
den Naturhaushalt einerseits und von Beeinträchtigungen des Landschaftsbildes andererseits sowie daraus abgeleiteter Ausgleichs- oder Wiederherstellungsmaßnahmen nicht
zulässig ist. Diese Klarstellung wurde ebenfalls im Berliner Leitfaden zur Bewertung und
Bilanzierung von Eingriffen (2017) unterstrichen.
10
Planungshinweise zum Bodenschutz | 2 Rechtlich-Planerischer Rahmen
Ein Ausgleich im Sinne der Eingriffsregelung ist nach § 1a Abs. 3 Satz 6 BauGB zudem nicht
erforderlich, soweit die Eingriffe bereits vor der planerischen Entscheidung aufgrund bestehender Baurechte erfolgt sind oder zulässig waren, so dass Eingriffe auf Flächen mit
bestehenden Baurechten3 häufig nicht oder nur in geringem Umfang kompensationspflichtig sind. Das Gebot der Vermeidung und Minderung von negativen Auswirkungen gilt
jedoch auch für solche nicht kompensationspflichtigen Eingriffe [74].
Als methodische Hilfe für die Anwendung der Eingriffsregelung steht der „Berliner Leitfaden zur Bewertung und Bilanzierung von Eingriffen“ [52] zur Verfügung (siehe Kapitel 2.3).
Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) und Strategische Umweltprüfung (SUP)
Die Umweltprüfung in der Bauleitplanung wurde nach Anpassung des BauGB an die Richtlinie der Europäischen Union (EU) zur Strategischen Umweltprüfung (SUP) mit der BauGBNovelle 2004 eingeführt und integriert die Anforderungen sowohl der Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) als auch der SUP, die in dem Gesetz über die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVPG) [77] verankert sind, sowie weitgehend auch die Anforderungen der
Eingriffsregelung und der Verträglichkeitsprüfung entsprechend der Fauna-Flora-HabitatRichtlinie (FFH-Richtlinie). Zum Verhältnis dieser verschiedenen Prüfinstrumente und ihrer
Koordinierung im Rahmen der Umweltprüfung wird auf den Berliner Leitfaden für die
Stadt- und Landschaftsplanung verwiesen [44]. Die Flächenneuinanspruchnahme von Vorhaben war bis zur letzten Gesetzesnovellierung 2017 bereits als Teilaspekt der Auswirkungen auf das Schutzgut „Boden“ in der UVP zu prüfen. Die erstmalige Aufnahme der „Fläche“ als eigenständiges Schutzgut in § 2 Abs. 1 Nr. 3 UVPG bewirkt, dass die Auswirkungen
eines Vorhabens auch auf die Flächeninanspruchnahme zu berücksichtigen sind. Quantitative Aspekte einer geplanten Flächeninanspruchnahme in der UVP erhalten damit hinsichtlich der Umweltauswirkungen eines Vorhabens ein stärkeres Gewicht als bisher.
Nach § 2a BauGB sind in der Begründung des Bauleitplans im Umweltbericht die in der
Umweltprüfung ermittelten und bewerteten Belange des Umweltschutzes darzulegen. Der
Umweltbericht bildet einen gesonderten Teil der Begründung und stellt somit ein wichtiges
Instrument für den vorsorgenden Bodenschutz dar. So sollte im Umweltbericht für das
jeweilige Plangebiet eine Bestandsaufnahme und Beschreibung der Bodenfunktionen anhand vorhandenen Datenmaterials vorgenommen werden. Im Ergebnis sind Maßnahmen
zur Vermeidung, Verringerung und zum Ausgleich der nachteiligen Auswirkungen zu beschreiben und zu bewerten sowie Planungsalternativen aufzuzeigen [74].
Darstellungen im Flächennutzungsplan (FNP)
Der Flächennutzungsplan (FNP) Berlin stellt den Strukturplan für die Flächenentwicklung
des Landes Berlin dar und ist das parlamentarisch legitimierte und zentrale Instrument
kommunaler Planungshoheit. Er wird seit seiner Aufstellung 1994 durch Änderungsverfahren aktualisiert und liegt derzeit in der am 5. Januar 2015 veröffentlichten Neubekanntmachung im Amtsblatt Berlin (ABl. S. 31) vor, zuletzt geändert am 31. Oktober 2019
(ABl. S. 7148). Strategische Planungsziele des Berliner FNP sind insbesondere der Vorrang
der Innenentwicklung und die integrierte Bau- und Freiflächenentwicklung. Dabei sind die
Belange des Bodenschutzes zu berücksichtigen.
3 Dies können Flächen im unbeplanten
Innenbereich nach § 34 BauGB, im Geltungsbereich festgesetzter Bebauungspläne oder auch Flächen im Bereich des
Baunutzungsplans (ehemaliger Westteil
Berlins) sein.
11
§ 5 Abs. 2 BauGB enthält einen nicht abschließenden Katalog möglicher FNP-Darstellungen. Zum Bodenschutz können dabei verschiedene Darstellungen beitragen, die die quantitative Bodennutzung einschränken. Im FNP Berlin werden insbesondere folgende Darstellungen zum Bodenschutz angewendet:
Nr. 5: Grünflächen, wie Parkanlagen, Dauerkleingärten, Sport-, Spiel-, Zelt- und Badeplätze, Friedhöfe. Diese Flächen dienen vornehmlich dem Schutz von Freiflächen in
bebauten Gebieten.
Nr. 6: Flächen für Nutzungsbeschränkungen oder Vorkehrungen zum Schutz gegen
schädliche Umwelteinwirkungen im Sinne des Bundes-Immissionsschutzgesetzes. Im
FNP Berlin sind dies die Wohnbauflächen mit landschaftlicher Prägung. Auch sie dienen vornehmlich dem Schutz von Freiflächen in bebauten Gebieten.
Nr. 9: Flächen für Landwirtschaft und Wald. Diesen Flächen kommt insbesondere Bedeutung für die Erhaltung des Bodens im Außenbereich zu [74].
Von Bedeutung für den Bodenschutz ist darüber hinaus, dass FNP und LaPro (vergleiche
Seite 15) aufeinander bezogen sind und sich ergänzen. Die aus den Entwicklungszielen
abgeleiteten und auf die vorhandenen Nutzungen bezogenen Maßnahmen des LaPro formulieren die gesamtstädtischen Grundsätze für die Abwägung der umweltschützenden
Belange im FNP gemäß § 1a BauGB [74]. Zudem stellt der FNP nachrichtlich die FFH-,
Natur- und Landschaftsschutzgebiete (LSG) dar, die mit ihren Nutzungsbeschränkungen
auch den Belangen des Bodenschutzes dienen.
Flächenmonitoring
Mit der Zustimmung des Berliner Abgeordnetenhauses zum ersten gesamtstädtischen FNP
von 1994 wurde zugleich an den Senat der Auftrag erteilt, in regelmäßigen Abständen
einen Flächenbericht vorzulegen. Vor diesem Hintergrund wurde ein geographisches Informationssystem (GIS) aufgebaut, um die Flächenentwicklung in Berlin nach Nutzungsarten
zu erfassen, stadträumlich darzustellen und fortlaufend zu aktualisieren („Flächenmonitoring“). Dabei werden Flächen in der Regel ab 1 Hektar Größe erfasst.
Das Flächenmonitoring dient sowohl als Datenbasis für das Controlling und die Fortschreibung des FNP, als auch für die verschiedenen Stadtentwicklungspläne und Planwerke der
Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen und der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz. Das Ziel ist eine nachhaltige Siedlungsflächenpolitik im
Sinne des städtebaulichen Leitbilds einer „kompakten Stadt“. Dazu gehört auch das Bekenntnis Berlins, anteilig auf der Landesebene das Ziel der Bundesregierung umzusetzen,
den Flächenverbrauch in Deutschland bis zum Jahr 2020 auf 30 Hektar pro Tag zu begrenzen. Die Ergebnisse des Flächenmonitorings zeigen, dass in Berlin das 30-Hektar-Ziel bereits erreicht wird [50].
Festsetzungen im Bebauungsplan
Der § 9 Abs. 1 BauGB enthält den Katalog der zulässigen Festsetzungen in einem B-Plan.
Die Inanspruchnahme des Bodens kann insbesondere
über die Art und das Maß der baulichen Nutzung (Nr. 1),
über die Festsetzung der überbaubaren Grundstücksflächen (Nr. 2) und
über die aus Gründen des sparsamen und schonenden Umgangs mit Grund und Boden
für Wohnbaugrundstücke festsetzbaren Höchstmaße (Nr. 3)
geregelt werden [74].
12
Planungshinweise zum Bodenschutz | 2 Rechtlich-Planerischer Rahmen
Als weitere Festsetzungsmöglichkeiten zum Schutz des Bodens oder zur Vermeidung beziehungsweise zum Ausgleich von Bodenbeeinträchtigungen kommen nach § 9 Abs. 1
BauGB in Betracht:
Nr. 9: der besondere Nutzungszweck von Flächen;
Nr. 10: die Flächen, die von der Bebauung freizuhalten sind, und ihre Nutzung;
Nr. 15: die öffentlichen und privaten Grünflächen, wie Parkanlagen, Dauerkleingärten,
Sport-, Spiel-, Zelt- und Badeplätze, Friedhöfe;
Nr. 18: die Flächen für die Landwirtschaft und Wald;
Nr. 20: die Flächen oder Maßnahmen zum Schutz, zur Pflege und zur Entwicklung von
Boden, Natur und Landschaft;
Nr. 25: für einzelne Flächen oder für ein B-Plangebiet oder Teile davon sowie für Teile
baulicher Anlagen mit Ausnahme der für landwirtschaftliche Nutzungen oder Wald
festgesetzte Flächen;
a) das Anpflanzen von Bäumen, Sträuchern und sonstigen Bepflanzungen;
b) Bindungen für Bepflanzungen und für die Erhaltung von Bäumen, Sträuchern und
sonstigen Bepflanzungen sowie von Gewässern [74].
Formulierungsvorschläge für mögliche textliche Festsetzungen nach § 9 Abs. 1 BauGB, die
dem Bodenschutz (gegebenenfalls auch mittelbar) dienen, sind dem Handbuch der verbindlichen Bauleitplanung [51] zu entnehmen.
Daneben eröffnet § 9 Abs. 4 BauGB weitere Möglichkeiten zu umweltbezogenen Festsetzungen im B-Plan. Danach können die Länder bestimmen, dass auf Landesrecht beruhende
Regelungen in den B-Plan als Festsetzungen aufgenommen werden können (sogenanntes
„Huckepack-Verfahren“). Hier kommen insbesondere Maßnahmen im Sinne des § 9 Abs. 1
Berliner Naturschutzgesetz (NatSchG Bln) in Betracht, die gemäß § 9 Abs. 2 Satz 3 NatSchG
Bln auch dann im B-Plan festgesetzt werden können, wenn ein Landschaftsplan (L-Plan)
nicht aufgestellt wird (vergleiche Kapitel 2.3 – Abschnitt Landschaftsplanung/Landschaftspläne) [76].
Öffentlich-rechtliche Verträge
Darüber hinaus steht dem Plangeber als weiteres Instrument der Städtebauliche Vertrag
nach § 11 BauGB zur Verfügung. Bereits § 1a Abs. 3 Satz 4 BauGB stellt klar, dass anstelle
von Festsetzungen auch vertragliche Vereinbarungen nach § 11 BauGB oder sonstige geeignete Maßnahmen zum Ausgleich auf von der Gemeinde bereitgestellten Flächen getroffen werden können. Es können also nach dem Verursacherprinzip umweltbezogene Regelungen getroffen werden, die auch dem Bodenschutz dienen oder auf die im Planfall
berührten Belange des Naturhaushaltes speziell zugeschnitten werden. Gleiches gilt für
den Durchführungsvertrag, wenn ein Vorhaben- und Erschließungsplan nach § 12 BauGB
aufgestellt wird [74]. Den Rahmen für vertragliche Regelungen zu B-Plänen im Land Berlin
setzt das 2014 eingeführte und 2018 fortgeschriebene Berliner Modell der kooperativen
Baulandentwicklung [60].
Sonstige Regelungen mit Bodenbezug im BauGB
Der Vollzug für Entsiegelungsmaßnahmen ist bei Vorliegen bestimmter Voraussetzungen
in § 179 BauGB geregelt. Das Rückbau- und Entsiegelungsgebot gilt für die sonstige Wiedernutzbarmachung von dauerhaft nicht mehr genutzten Flächen, bei denen der durch
Bebauung oder Versiegelung beeinträchtigte Boden in seiner Leistungsfähigkeit erhalten
oder wiederhergestellt werden soll.
13
Besonderen Schutz genießt nach § 202 BauGB der Oberboden (Schutz des Mutterbodens).
Danach ist der Mutterboden, der bei der Errichtung und Änderung baulicher Anlagen sowie
bei wesentlichen anderen Veränderungen der Erdoberfläche ausgehoben wird, in nutzbarem Zustand zu erhalten und vor Vernichtung oder Vergeudung zu schützen [74].
2.3
Bodenschutz nach Naturschutzrecht
Eingriffsregelung nach Naturschutzrecht
Gemäß den Zielen des Naturschutzes und der Landschaftspflege sind nach § 1 Abs. 3 Nr. 2
Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) zur dauerhaften Sicherung der Leistungs- und Funktionsfähigkeit des Naturhaushalts Böden so zu erhalten, dass sie ihre Funktion im Naturhaushalt erfüllen können. Daneben sind nicht mehr genutzte versiegelte Flächen zu renaturieren, oder, soweit eine Entsiegelung nicht möglich oder nicht zumutbar ist, der
natürlichen Entwicklung zu überlassen [73].
Nach § 14 Abs. 1 BNatSchG stellt die Veränderung von Gestalt und Nutzung von Grundflächen dann einen Eingriffstatbestand dar, wenn die Veränderungen die Leistungs- und
Funktionsfähigkeit des Naturhaushalts oder das Landschaftsbild erheblich beeinträchtigen
können [73]. Aus § 15 Abs. 1 und Abs. 2 BNatSchG ergibt sich für den Verursacher eines
Eingriffs in Natur und Landschaft die Verpflichtung, vermeidbare Beeinträchtigungen zu
unterlassen, unvermeidbare Beeinträchtigungen auszugleichen oder durch Ersatzmaßnahmen zu kompensieren (Verursacherprinzip). Im Gegensatz zu der Eingriffsregelung
nach dem BauGB ermöglicht die Eingriffsregelung nach Naturschutzrecht für Beeinträchtigungen, die nicht zu vermeiden oder nicht in angemessener Frist auszugleichen oder zu
ersetzen sind, die Entrichtung einer Ersatzzahlung (§ 15 Abs. 6 BNatSchG) [73].
Gesetzliche Grundlage sind in Berlin, neben den Regelungen des BNatSchG, die §§ 16 ff.
des NatSchG Bln, die unter anderem die Beispiele für Eingriffe in Natur und Landschaft
aufführen [73, 76].
Für die Bewertung und Bilanzierung von Eingriffen im Land Berlin wurde ein Verfahren
entwickelt, das im gleichnamigen Leitfaden der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und
Klimaschutz [52] beschrieben wird. Das Verfahren unterscheidet zwei Vorgehensweisen:
Das sogenannte „Ausführliche Verfahren“ und das weniger aufwendige „Verfahren zur Ermittlung von Kostenäquivalenten“.
Das ausführliche Verfahren wird vor allem für Planfeststellungsverfahren und größere
Vorhaben der Bauleitplanung empfohlen. Es benennt 10 Wertträger, mit denen die Leistungs- und Funktionsfähigkeit der einzelnen Schutzgüter getrennt abgebildet werden. Für
jeden Wertträger wird festgelegt, welche Kriterien regelmäßig als Grundlage für die Bewertung heranzuziehen sind. So soll gewährleistet werden, dass die Leistungs- und Funktionsfähigkeit von Naturhaushalt und Landschaftsbild im Bestand und in der Planungssituation
umfassend ermittelt werden und der notwendige Ausgleich qualifiziert bestimmt werden
kann.
Innerhalb des Bewertungsverfahrens wird ein planerischer Ermessensspielraum eingeräumt, um eine Anpassung an Besonderheiten des konkreten Vorhabens oder Planes beziehungsweise an die spezifischen örtlichen Gegebenheiten zu ermöglichen.
14
Planungshinweise zum Bodenschutz | 2 Rechtlich-Planerischer Rahmen
Für das Schutzgut Boden werden die natürlichen Funktionen des Bodens und die Archivfunktion für die Naturgeschichte als Wertträger bestimmt. Das Verfahren nimmt hierbei
direkt Bezug auf die aggregierte Bewertung der Umweltatlaskarte 01.13 Planungshinweise
zum Bodenschutz und ordnet die hier definierten Bodenschutzkategorien jeweils einer entsprechenden verbalen Wertstufe zu. Die vorgeschlagene Punktbewertung ist jedoch differenzierter und berücksichtigt auch die Bewertungen der jeweils relevanten Bodenfunktionen, die über die Sachdatenanzeige im Geoportal Berlin konzentriert abgefragt werden
können [56].
Lage und Umfang der im Plangebiet vorhandenen Versiegelung sollte vorzugsweise auf
Grundlage eigener Erhebungen (zum Beispiel anhand der im Rahmen der Eingriffsbewertung erstellten Biotopkartierung) ermittelt werden. Zur Berücksichtigung des Versiegelungsgrades in der Bewertung werden in dem Leitfaden die teilversiegelten Flächen nach
definierten Versiegelungsarten zwischen 0 und 2 Punkten bewertet. Vollversiegelte Bereiche werden generell der letzten Wertstufe (sehr gering) zugeordnet und erhalten keine
Punkte.
Das Verfahren zur Ermittlung von Kostenäquivalenten wird für die Anwendung bei kleinräumigen, innerstädtischen Vorhaben im Rahmen der Bauleitplanung empfohlen, wenn
das ausführliche Verfahren aus Gründen der Verhältnismäßigkeit nicht angemessen wäre.
Das Verfahren stellt fiktive Wiederherstellungskosten stellvertretend für die Funktionen
und Werte des Arten- und Biotopschutzes als Bemessungsgrundlage in die Bewertung ein.
Bäume, die unter die Baumschutzverordnung (BaumSchVO) fallen, werden gemäß den
Regelungen der BaumSchVO bilanziert [70]. Für den Ausgleich von Beeinträchtigungen der
abiotischen Schutzgüter (Boden, Wasser, Klima) werden zur Berechnung des Kostenäquivalentes pro Quadratmeter Neuversiegelung 35 Euro bestimmt. Dabei handelt es sich um
eine Setzung, bei der anteilig die Höhe der durchschnittlichen Entsiegelungskosten als
auch Kosten für die Wiederherstellung von Bodenfunktionen angesetzt wird.
Da sehr enge Bezüge zwischen der Eingriffsregelung und der baulichen Inanspruchnahme
von Waldflächen bestehen, wurde im Kontext des Verfahrens zur Bewertung und Bilanzierung von Eingriffen im Land Berlin im Juli 2019 der Leitfaden zur Waldumwandlung und zum
Waldausgleich (Band 2) vollständig überarbeitet [61]. Beide Leitfäden sind nun methodisch
eng aufeinander abgestimmt. Boden ist hierbei unter dem Kriterium „Erosionsschutz“
Bestandteil der Waldbewertung sowie als sogenanntes Schnittstellenkriterium beider Leitfäden anteilig den Bewertungskriterien „Natürliche Bodenfunktionen und Archivfunktion
für die Naturgeschichte“ zugeordnet.
Landschaftsplanung
Gemäß § 9 Abs. 5 BNatSchG sind die Inhalte der Landschaftsplanung in Planungen und
Verwaltungsverfahren im Rahmen der Abwägung zu berücksichtigen. Die gilt sowohl für
das Landschaftsrahmenprogramm auf gesamtstädtischer Ebene als auch für die L-Pläne
auf örtlicher Ebene [73].
Bereits 1994 wurde das LaPro für Berlin verabschiedet. Aufgabe des LaPro ist es, die Ziele
des Naturschutzes und der Landschaftspflege in den gesamtstädtischen Wachstums- und
Veränderungsprozess zu integrieren und eine zukunftsorientierte Entwicklung der Stadt
zu sichern. Das LaPro in der Fassung der Bekanntmachung vom 8. Juni 2016 (ABl. Nr. 24,
Seite 1314) umfasst fünf Teilpläne. Der Boden wird im Programmplan „Naturhaushalt/
Umweltschutz“ berücksichtigt.
15
Hier wurde methodisch die detaillierte Schutzwürdigkeitsbewertung der Böden aus der
Umweltatlaskarte Planungshinweise zum Bodenschutz (01.13) in das LaPro integriert und
damit die Einbeziehung des Bodens in den planerischen Abwägungsprozess gestärkt. Das
im Programmplan „Naturhaushalt/Umweltschutz“ dargestellte Vorsorgegebiet Boden beinhaltet alle Flächen, deren Versiegelungsgrad bis 5 Prozent beträgt und die zu einer der
obersten drei Schutzwürdigkeitskategorien der Planungshinweiskarte gehören. Das Vorsorgegebiet Boden umfasst knapp 20 Prozent der Landesfläche und bezieht sich ausschließlich auf Flächen, die im FNP nicht als Baugebiete ausgewiesen sind.
Eine Neuerung ist die Darstellung von Entwicklungszielen und Maßnahmen für sonstige
Böden mit besonderer Leistungsfähigkeit. Die Darstellung umfasst Böden
mit einem niedrigen Versiegelungsgrad bis 5 Prozent mit geringer Schutzwürdigkeit;
mit einem mäßigen Versiegelungsgrad von über 5 bis unter 30 Prozent in allen Kategorien der Schutzwürdigkeit, die unterschiedlich genutzt werden;
mit einem hohen Versiegelungsgrad von 30 bis 100 Prozent und hoher oder sehr hoher
Schutzwürdigkeit sowie
Böden unterschiedlicher Schutzwürdigkeit, die der FNP als Bauflächen ausweist.
Der Plan liefert damit Hinweise, wo das Schutzgut Boden besonderen Wert hat. Werden
solche Flächen in Anspruch genommen, sollten Vermeidungs-, Minderungs- und Ausgleichsmaßnahmen für den Boden und spezifische Schutzmaßnahmen bei der Bauausführung ergriffen werden. Als Ausgleich eignet sich laut LaPro besonders die Entsiegelung von
Böden. Es verweist auf die in Berlin vorhandenen Entsiegelungspotenziale und benennt
dazu die Karte 01.16 Entsiegelungspotenziale im Umweltatlas Berlin [64].
Gemäß den Richtlinien der Regierungspolitik von 2016 bis 2021 erarbeitet die Koalition ein
Berliner Ökokonto. Das Ökokonto basiert auf der Rechtsgrundlage der §§ 16 und 18 des
BNatSchG (und auf § 18 des NatSchG Bln) sowie in Verbindung mit den §§ 1a und 200a des
BauGB. Für gesamtstädtisch bedeutsame Bauvorhaben sollen die erforderlichen Kompensationsmaßnahmen durch das Land Berlin vorgezogen umgesetzt und auf ein sogenanntes Bauleitplanerisches Ökokonto eingebucht werden. Wird der B-Plan anschließend umgesetzt, werden die Kosten den Vorhabenträgern auferlegt und die entsprechenden
Wertpunkte vom Ökokonto abgebucht. Hierdurch kann zur Beschleunigung der neu geplanten Stadtquartiere beigetragen werden. Vor allem aber sollen unvermeidbare Eingriffe
in Natur und Landschaft ausgeglichen und nicht zuletzt durch vorausschauende und integrative Planung Mehrwerte für Mensch und Natur geschaffen werden.
Gemäß § 9 Abs. 1 NatSchG Bln können in einem L-Plan, aufbauend auf den Darstellungen
des LaPro, die für die örtliche Ebene konkretisierten Ziele, Erfordernisse und Maßnahmen
des Naturschutzes und der Landschaftspflege festgesetzt werden. Die Festsetzungen eines
L-Plans dürfen dabei denen eines B-Plans nicht widersprechen. Nach § 9 Abs. 2 Satz 3
NatSchG Bln können Maßnahmen im Sinne des § 9 Abs. 1 NatSchG Bln auch dann im B-Plan
festgesetzt werden, wenn ein L-Plan nicht aufgestellt wird (vergleiche „sogenanntes
Huckepack-Verfahren“ gemäß § 9 Abs. 4 BauGB) [76].
16
Planungshinweise zum Bodenschutz | 2 Rechtlich-Planerischer Rahmen
Zu den Maßnahmen im Sinne des § 9 Abs. 1 NatSchG Bln zählen beispielsweise:
die Anpflanzung, Entwicklung oder Sicherung von Vegetation, zum Beispiel auf Grünflächen, Abgrabungsflächen, Deponien oder anderen geschädigten Grundstücken;
die Ausgestaltung und Erschließung von Uferbereichen;
die Begrünung und Erschließung der innerstädtischen Kanal- und Flussuferbereiche;
die Anlage, Entwicklung oder Sicherung von Grün- und Erholungsflächen;
Maßnahmen zum Schutz und zur Pflege der Lebensgemeinschaften und Biotope der
Tiere und Pflanzen wildlebender Arten, insbesondere der besonders geschützten Arten;
Maßnahmen zur Sicherung und Entwicklung des Biotopverbunds;
Mindestanteil von für den Naturhaushalt wirksamer Maßnahmen im bebauten Bereich
(Biotopflächenfaktor (BFF)).
Eine Besonderheit stellen L-Pläne dar, die sich auf die Festsetzung eines BFF beschränken.
Der BFF benennt das Verhältnis naturhaushaltwirksamer Flächen zur gesamten Grundstücksfläche. Der BFF wurde entwickelt, um insbesondere in städtischen Siedlungsbereichen unter Berücksichtigung des bestehenden Baurechts die Funktionen des Naturhaushalts zu verbessern und die Lebensqualität zu erhalten. Es handelt sich somit um
grundstücksbezogene Vorgaben, die bei Bauvorhaben in bebauten Gebieten zur Verwirklichung der Ziele des Naturschutzes und der Landschaftspflege umzusetzen sind.
Bei der Berechnung des BFF werden den einzelnen Teilflächen eines Grundstückes je nach
ihrer „ökologischen Wertigkeit“ Anrechnungsfaktoren zugeordnet. Die Methodik hierfür
sowie Berechnungsbeispiele können der Internetseite „BFF – Biotopflächenfaktor“ [46] der
Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz entnommen werden. So werden
beispielsweise Vegetationsflächen mit Bodenanschluss voll angerechnet (Faktor 1,0), während Vegetationsflächen ohne Bodenanschluss in Abhängigkeit von der Mächtigkeit des
Bodenauftrags mit einem Faktor von 0,5 oder 0,7 angerechnet werden.
2.4
Sonstige Pläne, Programme und Aktivitäten des Landes Berlin im
Klima- und Bodenschutz
Das Land Berlin engagiert sich auf verschiedenen Ebenen im Bereich des Klimaschutzes.
Klimaschutz ist eine Querschnittsaufgabe, das heißt nahezu alle Sektoren des Gemeinwesens sind betroffen. Viele Aspekte berühren hierbei auch den Bodenschutz, denn insbesondere unversiegelte Flächen und im besten Fall intakte, naturnahe Böden können Funktionen für den Klimaschutz erfüllen. Im Folgenden werden verschiedene Instrumente im Land
Berlin mit ihren Bezügen zum Bodenschutz kurz beschrieben.
Berliner Energie- und Klimaschutzprogramm 2030 (BEK 2030)
Das Berliner Energie- und Klimaschutzprogramm 2030 (BEK 2030) geht auf eine Beschlussfassung des Berliner Abgeordnetenhauses vom 25. Januar 2018 zurück. Der Umsetzungszeitraum des BEK 2030 umfasst die Jahre 2017 bis 2021 [58]. Der bisherige politische Rahmen der Berliner Klimaschutzpolitik war durch das Berliner Energiespargesetz EWG Bln aus
dem Jahr 1990 geprägt. Auf dieser Basis war das Landesenergieprogramm erstellt worden.
Nach dessen Auslaufen im Jahr 2010 wurde die Einführung eines Nachfolgeprogramms
erforderlich. Mit der Beschlussfassung des Berliner Energiewendegesetzes (EWG Bln) am
22. März 2016 wurden die Voraussetzungen geschaffen, dass Berlin das Klimaneutralitätsziel bis 2050 erreichen kann.
17
Fachlich liegt dem BEK 2030 im Wesentlichen das Konzept zur „Anpassung an die Folgen
des Klimawandels in Berlin (AFOK)“ zu Grunde, das am 19. Juli 2016 durch das PotsdamInstitut für Klimafolgenforschung vorgelegt wurde [45]. Dem vorausgehend war bereits
2014 die „Machbarkeitsstudie klimaneutrales Berlin 2050“ veröffentlicht worden. Entsprechend des sektoral übergreifenden Ansatzes gliedert sich das BEK 2030 in zahlreiche Handlungsfelder [58].
Im Handlungsfeld „Gebäude, Stadtentwicklung, Grün- und Freiflächen“ (GSGF) werden folgende Maßnahmen benannt:
Sicherung klimatischer Entlastungsräume,
Schaffung von Grün- und Freiflächen,
Steigerung der Resilienz (Widerstandsfähigkeit) des Stadtgrüns,
klimatische Entkoppelung von Neubauvorhaben sowie
klimatische Qualifizierung der Stadtoberfläche.
Das Handlungsfeld Umwelt und Natur (UN) umreißt folgende Maßnahmen:
Berücksichtigung der Belange des vorsorgenden Bodenschutzes in der räumlichen Planung,
Einrichtung von innerstädtischen Bodendauerbeobachtungsflächen und einer digitalen Bodenpunktdatenbank,
naturnaher Waldumbau sowie
forstliches Umweltmonitoring.
Dem BEK 2030 ist ein Förderprogramm angekoppelt. Dadurch werden die bestehenden Fördermöglichkeiten im Rahmen des Berliner Programms für Nachhaltige Entwicklung (BENE)
ergänzt und erweitert. Das BEK 2030 gilt – im Gegensatz zu BENE – im gesamten Stadtgebiet, jedoch vorrangig in der Innenstadt [58].
Förderfähig sind im Kontext mit den oben genannten Maßnahmen zum Beispiel:
die Entsiegelung von Brachflächen und die Anlage begrünter naturnaher Lebens- und
Erholungsräume;
der Umbau, die Erweiterung und die Vernetzung bezirklicher Grünanlagen;
die Renaturierung oder naturnahe Gestaltung von Uferflächen;
die Anlage von Pocket-Parks;
technische Maßnahmen zur Pflege des Stadtgrüns;
Maßnahmen zur Regenwasserbewirtschaftung;
die Kombination von Maßnahmen zur Regenwasserbewirtschaftung mit der Gestaltung von Grünanlagen sowie
die Etablierung eines innovativen Wassermanagements in den Grünanlagen und angrenzenden Straßenräumen.
Stadtentwicklungsplan (StEP) Klima
Der Stadtentwicklungsplan (StEP) Klima behandelt die räumlichen und stadtplanerischen
Aspekte des Klimas in Berlin. Er rückt dabei die Anpassung an den Klimawandel in den Mittelpunkt, ergänzt aber auch die Anstrengungen im Klimaschutz. Beide Aufgaben hängen
ursächlich zusammen. Der StEP Klima, den der Senat von Berlin am 31. Mai 2011 beschlossen
hat, ist der erste zentrale Baustein, um die Stadt in diesem Sinne zukunftsfähig zu machen.
Mit ihm legte Berlin erstmals einen räumlichen Orientierungsrahmen für die gesamtstädtische Planung zur Anpassung an den Klimawandel vor. Im Mittelpunkt dieses Anpassungsprozesses stehen Strategien des Umbaus, der Verbesserung und des Erhalts bestehender
18
Planungshinweise zum Bodenschutz | 2 Rechtlich-Planerischer Rahmen
Strukturen. Ausgangspunkt ist die gebaute Stadt samt ihrer Grün- und Freiflächen.
Der StEP Klima definiert in mehreren Handlungsfeldern eine abgestufte, räumlich differenzierte Kulisse für den Klimaschutz und die Anpassung an den Klimawandel in Berlin:
Bioklima im Siedlungsraum,
Grün- und Freiflächen,
Gewässerqualität und Starkregen sowie
Klimaschutz.
Aus diesen Handlungsfeldern wurde eine Vielzahl von umsetzungsbezogenen Maßnahmen
abgeleitet. So zum Beispiel der Ansatz, wonach Berlin den Oberflächenabfluss verringern
muss, um die Kanalisation zu entlasten, Überschwemmungen zu verhindern und lokale
Klimafunktionen zu verbessern. Dazu ist es unter anderem nötig,
Entsiegelungspotenziale zu nutzen,
die Verdunstung vor Ort zu intensivieren sowie
die dezentrale Regenwasserbewirtschaftung und die örtliche Versickerung auszuweiten.
Weitere bodenschutzrelevante Ziele und Maßnahmen Berlins bestehen darin, dass Berlin
seine natürlichen Treibhausgasspeicher erhalten und stärken muss. Dazu zählen:
Moore und Feuchtgebiete so bewirtschaften oder renaturieren, dass keine Treibhausgase freigesetzt werden;
eine ausreichende Wasserversorgung der Vegetation sicherstellen;
die naturgemäße Waldbewirtschaftung und den Waldumbau der Kieferbestände zu
naturnahen Mischwäldern fortsetzen sowie
Grünflächen im Siedlungsbereich erhalten und, wenn möglich, qualitativ verbessern.
Stadtentwicklungsplan (StEP) Klima KONKRET
Der StEP Klima KONKRET – Klimaanpassung in der Wachsenden Stadt – [62] ergänzt den
StEP Klima von 2011. Der im Juni 2016 von der damaligen Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt veröffentlichte Plan vertieft und profiliert die Inhalte des StEP Klima
und liefert Handreichungen für die Praxis. Dabei flossen Erkenntnisse aus Forschung und
Pilotprojekten zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels ein.
Ausgehend vom Leitbild der kompakten Stadt ist es die Zielsetzung im Zuge der Berliner
Stadtentwicklung, das Wachsen der Stadt von negativen Folgen zu entkoppeln. Vor diesem
Hintergrund zielen die vorgeschlagenen Maßnahmen – viele mit unmittelbarem Bodenbezug – gegen die Hauptrisiken urbane Hitze und urbane Überflutung. Als Schlüsselstrategien gegen die urbane Hitze gelten: durchlüften, verschatten, Rückstrahlung erhöhen,
durch Verdunstung kühlen.
Vor allem ist es Ziel, die kühlende Verdunstung zu intensivieren. Diese Aufgabe übernehmen Bäume und neue, sogenannte „Urban Wetlands“ (städtische Feuchtgebiete). Dazu
müssen Vegetation und Böden ausreichend mit Wasser versorgt sein. Dies ist nicht auf die
öffentlichen und privaten Freiflächen beschränkt, sondern Dächer und Fassaden spielen
eine ebenso wichtige Rolle. Im Straßenraum können Verdunstungsbeete oder entsiegelte
Seitenstreifen die Kühlung unterstützen.
Die Schlüsselstrategien der wassersensiblen Stadtentwicklung lauten: versickern, verdunsten, speichern, zurückhalten und über Notwasserwege ableiten. Das entlastet auch die
Mischwasserkanalisation, verhindert Überläufe und kommt so auch den Gewässern zugute.
19
Als Kernziel wird formuliert, die Oberfläche der Stadt umzubauen. Gebäude, Höfe, Straßen,
Plätze und Grünflächen sollen nach dem Prinzip der Schwammstadt auch starke Niederschläge aufnehmen. Notwasserwege sollen Überschüsse aus Wohn- und Gewerbequartieren auf weniger sensible Flächen leiten. Von dort fließen sie verzögert ab. Dächer und
„Urban Wetlands“ sollen Wasser länger speichern, um insbesondere für sommerliche Trockenperioden gewappnet zu sein.
Schließlich wird auf eine Bündelung der Maßnahmen und deren Synergie gedrungen. Die
vorgeschlagenen Maßnahmen greifen am besten dort, wo sie systemisch zusammenwirken und auf den Ort abgestimmt sind. Deshalb hat der StEP Klima KONKRET [62] Maßnahmen- und Strategiebündel für sieben in Berlin gängige Baustruktur- und Flächentypen entwickelt, zum Beispiel verdichtete Blockrandbebauung, Geschosswohnungsneubau sowie
Straßen und Plätze.
20
Planungshinweise zum Bodenschutz | 3 Methodik
3 Methodik
Der Boden erfüllt zahlreiche wichtige Funktionen (§ 2 Abs. 2 BBodSchG):
Funktionen als Lebensgrundlage und Lebensraum für Menschen, Tiere, Pflanzen und
Bodenorganismen;
Funktionen als Bestandteil des Naturhaushalts, insbesondere mit seinen Wasser- und
Nährstoffkreisläufen;
Funktionen als Abbau-, Ausgleichs- und Aufbaumedium für stoffliche Einwirkungen
aufgrund der Filter-, Puffer- und Stoffumwandlungseigenschaften, insbesondere auch
zum Schutz des Grundwassers sowie
Funktionen als Archiv der Natur- und Kulturgeschichte [71].
Der Umweltatlas Berlin enthält seit der Ausgabe 2002 Bewertungen dieser Bodenfunktionen aufbauend auf den Basisdaten der Bodendatenbank. Wie die natürlichen Bodenfunktionen und die Archivfunktion für die Natur- und Kulturgeschichte in Berlin operationalisiert
werden, wird ausführlich in der Dokumentation der Bodendatenbank Berlin [15] dargelegt.
Im Anhang ist eine auf dieser Dokumentation basierende Zusammenfassung der Berliner
Bewertungsmethodik enthalten.
Ein generelles Problem bei der Gesamtbewertung der Bodenfunktionen besteht darin, dass
bei den einzelnen Bodenfunktionen gleiche Bodeneigenschaften manchmal ähnlich4, zum
Teil aber auch gegensätzlich5 bewertet werden, sodass die Anwendung einfacher rechnerischer Verknüpfungsmethoden nicht unbedingt zu sinnvollen Ergebnissen führt (vergleiche
Kapitel 3.1.2). Mit den Planungshinweisen zum Bodenschutz wurde daher ein Konzept entwickelt, das eine gewichtete Bewertung der Bodenfunktionen enthält und helfen soll, bei
der Umweltprüfung einen raschen Überblick hinsichtlich der Ziele und Maßgaben des
Bodenschutzes zu gewinnen sowie die Bewertung der Schutzwürdigkeit und Empfindlichkeit der Böden stadtweit zu vereinheitlichen.
Bevor in Kapitel 3.2 auf die dazu vorgenommene Bewertung und Gewichtung der einzelnen
Bodenfunktionen in Berlin eingegangen wird, soll im Kapitel 3.1 zunächst ein Überblick
über die Recherchen gegeben werden, die im Rahmen der konzeptionellen Erarbeitung der
Planungshinweise zum Bodenschutz durchgeführt worden waren.
3.1
Ansätze für die Bodenbewertung
3.1.1
Bodenbewertungs- und Bodenschutzkonzepte
Im Jahr 2007 war die Konzeption für die Planungshinweise für den Bodenschutz erstellt
und in dem Leitbild und Maßnahmenkatalog für einen fachgerechten Bodenschutz in Berlin (2007) [12] dokumentiert worden. In diesem Zusammenhang wurden verschiedene Vorgehensweisen und Verfahren für die Bewertung der natürlichen Bodenfunktionen sowie
zum Umgang mit dem Schutzgut Boden in der Bauleitplanung in anderen Bundesländern
und Gemeinden recherchiert und zusammenfassend diskutiert, um daraus unter Berücksichtigung der speziellen Gegebenheiten und vorhandenen Datengrundlagen in Berlin
(Stadtbodenkarte mit Ausweisung von Bodengesellschaften unter Einbeziehung der Nutzung, Bodendatenbank) einen plausiblen und praktikablen Ansatz zur aggregierten Bewertung der Bodenfunktionen abzuleiten.
4 Zum Beispiel zeigen die Bewertungskarten der Regelungsfunktion für den
Wasserhaushalt und der Puffer- und
Filterfunktion eine hohe Korrelation.
5 Zum Beispiel ist die Bewertung des
Standortpotenzials für natürliche und
seltene Pflanzengesellschaften häufig
gegenläufig zum Ertragspotenzial für
Kulturpflanzen.
21
Die damals recherchierten Ansätze werden hier nicht nochmals dargestellt; es wird an dieser Stelle auf das Dokument aus dem Jahr 2007 verwiesen. Im Folgenden werden die damals ausgewerteten Bodenbewertungs- beziehungsweise Bodenschutzkonzepte aufgelistet und auf inzwischen aktualisierte oder ergänzte Stände hingewiesen:
Baden-Württemberg – „Bewertung von Böden nach ihrer Leistungsfähigkeit“ (1995)
[69]. Dieser Leitfaden liegt inzwischen in einer völlig überarbeiteten Neuauflage aus
dem Jahr 2010 vor [30] [Online]. Ergänzt wird der Methodenleitfaden zur Bewertung
der Bodenfunktionen durch die Arbeitshilfe „Das Schutzgut Boden in der naturschutzrechtlichen Eingriffsregelung“ (2006) [31]. Auch diese Arbeitshilfe liegt inzwischen in
überarbeiteter Auflage aus dem Jahr 2012 vor [32] [Online].
Bayern – „Das Schutzgut Boden in der Planung“ (2003) [3].
Brandenburg – „Anforderungen des Bodenschutzes bei Planungs- und Zulassungsverfahren im Land Brandenburg“ (2003) [33] [Online]. Zu dieser Handlungsanleitung liegt
seit 2011 eine Aktualisierung der Rechts-, Fach- und der Datengrundlagen vor [26]
[Online]. Des Weiteren liegen Fachbeiträge zum Thema Archivfunktion aus dem Jahr
2005 (Bewertungsmethodik) [34] [Online] sowie aus dem Jahr 2013 (Einrichtung eines
Schutzflächensystems) [27] [Online] vor.
Dortmund – „Bodenbezogene ökologische Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen“ (2004)
[67] [Online].
Hamburg – „Großmaßstäbige Bodenfunktionsbewertung für Hamburger Böden“ (2003)
[4] [Online].
Hessen – „Bodenschutz in der Bauleitplanung“ (2001) [18] [Online]. Das Hessische Umweltministerium hat die Internetseite „Bodenschutz in der Bauleitplanung“ [23] eingerichtet, auf der der aktuelle Stand der Arbeitshilfen zum Download bereitsteht:
„Arbeitshilfe zur Berücksichtigung von Bodenschutzbelangen in der Abwägung und
der Umweltprüfung nach BauGB in Hessen“ (2011) [20] [Online] und
„Kommentierte Prüfkataloge der Arbeitshilfe“ (2011) [21] [Online].
Niedersachsen – „Schutzwürdige und schutzbedürftige Böden in Niedersachsen“ (2003)
[40]. Dieser Leitfaden wurde im Jahr 2008 aktualisiert [16] [Online] und ist im Jahr 2013
durch eine weitere Publikation ergänzt worden, die Hinweise zur zusammenfassenden
Bodenfunktionsbewertung auf regionaler Ebene enthält [39]. 2014 ist außerdem ein
Leitfaden zum Bodenschutz beim Bauen erschienen [17] [Online].
Nordrhein-Westfalen – „Leitfaden zur Ausweisung von Bodenschutzgebieten“ (2004)
[36] [Online] und „Schutzwürdige Böden in NRW“ (2007) [37] [Online].
Rheinland-Pfalz – „Schutzwürdige und schutzbedürftige Böden in Rheinland-Pfalz“
(2005) [35] [Online]. Diese Publikation wurde 2016 durch das Buch „Bodenfunktionsbewertung in der Planungspraxis“ [24] [Online] ergänzt.
Sachsen-Anhalt – „Bodenschutz in der räumlichen Planung“ (1998) [29] [Online]. Im
Jahr 2013 wurde das Bodenbewertungsverfahren in der Handlungsempfehlung zur Anwendung des Bodenfunktionsbewertungsverfahrens [28] [Online] aktualisiert und
durch Prüflisten und Hinweise zu Vermeidungs-, Minderungs- und Kompensationsmaßnahmen ergänzt.
Schleswig-Holstein – Das Landesamt für Landwirtschaft und Umwelt stellt aus seiner
Internetseite „Bodenbewertung – Das Schutzgut Boden in Planungs- und Zulassungsverfahren“ [25] [Online] Informationen zum Thema Bodenbewertung zur Verfügung.
Die Seite verlinkt auf einen Begleittext , in dem die Bewertungsmethodik näher erläutert wird, sowie auf den Umweltatlas mit den entsprechenden Kartendarstellungen.
22
Planungshinweise zum Bodenschutz | 3 Methodik
Stuttgart – „Bodenschutzkonzept Stuttgart“ (BOKS) (2006) [2]. Aktuelle Informationen
zum BOKS können unter http://www.stuttgart.de/bodenschutzkonzept abgerufen
werden.
LABO – „Bodenschutz in der Umweltprüfung nach Baugesetzbuch“ (2009) [8] [Online].
Der Leitfaden wurde von der Umweltministerkonferenz mit Beschluss Nr. 6/2009 für
die Anwendung in den Ländern empfohlen und von einigen Bundesländern explizit
als Anwendungshilfe eingeführt (zum Beispiel Hamburg [Online], Rheinland-Pfalz
[Online]).
3.1.2
Ansätze für die aggregierte Bodenbewertung
Im Folgenden werden die Vorüberlegungen zusammengefasst, die zu der Anwendung eines
Gesamtbewertungsansatzes führten, der auf der Priorisierung bestimmter Bodenfunktionen beruht.
FELDWISCH ET AL. [6] stellen in ihrer Arbeit verschiedene Bewertungsansätze vergleichend
vor. Sie haben folgende Grundtypen unterschieden:
das Maximalwertprinzip,
das Mittelwertprinzip,
das Summenwertprinzip und
die Priorisierung von Bodenfunktionen anhand von Leitbildern und Umweltqualitätszielen.
Beim Maximalwertprinzip bestimmt der höchste Funktionswert der Einzelfunktion den Gesamtwert. Als Problem wird bei diesem Bewertungsansatz angesehen, dass der Flächenanteil der in der Gesamtbewertung als hoch bewerteten Böden sehr hoch werden kann. Das
Mittelwertprinzip führt dagegen im Ergebnis meist dazu, dass sich gegenläufige Bewertungsergebnisse der einzelnen Bodenfunktionen gegenseitig ausgleichen und ein Großteil
der Böden in eine mittlere Bewertungskategorie fallen, während Extremwerte kaum erreicht werden. Dagegen besteht beim Summenwertprinzip die Gefahr, dass die Summenbildung bei inhaltlich abhängigen Bodenfunktionen zu einer überproportionalen Gewichtung der zugrundeliegenden Bodeneigenschaften führt. Daher können nur unabhängige
Bodenfunktionen in dieser Weise verknüpft werden.
Da sowohl das Mittelwertprinzip als auch das Maximalwertprinzip zu einer Nivellierung des
Gesamtergebnisses führen, werden diese Bewertungsprinzipien in der Bodenschutzpraxis
mit weiteren Bewertungskriterien/Gewichtungen ergänzt. Bei der Priorisierung geeigneter
Bodenfunktionen, die auf den regionalen Besonderheiten und den konkreten Zielen des
Bodenschutzes basiert, haben sich in der Praxis das Standortpotenzial für natürliche Pflanzengesellschaften, die natürliche Bodenfruchtbarkeit sowie die Archivfunktion als besonders relevante Bodenfunktionen herausgestellt. Bei der Anwendung einer Priorisierung ist
die eindeutige Dokumentation der Auswahlkriterien essentiell. Auf der Grundlage der Priorisierung können regionale oder auf den Untersuchungsraum bezogene Schwerpunkte des
Bodenschutzes umgesetzt werden, da mit ihrer Hilfe Flächen identifiziert werden können,
die für bodenbelastende Nutzungen grundsätzlich nicht in Anspruch genommen werden
sollten, zum Beispiel, wenn ein Funktionsverlust irreversibel ist.
Für den Schutz der Flächen vor einem Totalverlust können alle Bodenfunktionen für die
Bewertung wichtig sein. Aufgrund der Konkurrenz zu anderen Nutzungsansprüchen hat es
Vorteile, die Bodenbelange in einer Bewertung zu bündeln. Es wird jedoch darauf hingewiesen, dass die Bedeutung einzelner Bodenfunktionen dadurch gegebenenfalls verschleiert
werden kann.
23
Die Eignung einer zusammenfassenden Bodenfunktionsbewertung hängt somit auch von
der Fragestellung ab. So kann die Bewertung einer speziellen Nutzungseignung anhand der
Bewertung von Einzelfunktionen sinnvoll sein; zum Beispiel Bewertung der Eignung einer
Fläche für landwirtschaftliche Nutzungen anhand der Ertragsfunktion.
Generell werden Böden mit geringer Funktionsbewertung als geeignet für bodenverbrauchende Nutzungen wie Siedlung und Verkehr angesehen. Auch die Darstellung von Vorbelastungen, die die Bodenfunktionen einschränken, kann dazu dienen, die bauliche Inanspruchnahme vorrangig auf vorbelastete Böden zu lenken.
3.2
Gewichtung der Bodenfunktionen im Rahmen der aggregierten
Bewertung in Berlin
3.2.1 Lebensraumfunktion für die Pflanzen – Standortpotenzial für
natürliche Pflanzengesellschaften
Umweltatlaskarte 01.12.1 Lebensraumfunktion für naturnahe und seltene Pflanzengesellschaften
In Berlin werden bei dieser Bodenfunktion sowohl Extremstandorte des Nährstoff- und
Wasserhaushalts (Sonderstandorte trocken und nährstoffarm, feucht oder selten) als auch
deren Naturnähe erfasst. Die Bewertung erfolgt in drei Stufen (hoch, mittel, gering) [13].
Die nassen und feuchten Standorte werden abhängig von ihrer Naturnähe als hoch bis
gering bewertet. Die Böden dieser wassergeprägten Standorte (Auen, Gleye, Moore) haben
sich in langer Entwicklungszeit gebildet, sind praktisch nicht wiederherstellbar und daher
an unzerstörte Standortbedingungen gebunden.
Die trockenen und nährstoffarmen Extremstandorte werden unabhängig von ihrer Naturnähe als mittel bewertet, da sie trotz anthropogener Überprägung wertvolle Standorte für
seltene Pflanzengesellschaften darstellen können. Diese Standorte sind im Berliner Raum
relativ häufig anzutreffen.
Böden, die keine Extremstandorte darstellen, werden abhängig von ihrer Naturnähe als
mittel bis gering bewertet.
Gewichtung im Rahmen der aggregierten Bewertung
Bei der Gesamtbewertung ist zu beachten, dass die Bewertung des Standortpotenzials für
naturnahe und seltene Vegetation häufig gegenläufig zum natürlichen Ertragspotenzial
ist. FELDWISCH ET AL. [6] empfehlen hier eine Abwägung und Beurteilung im Einzelfall, was
bei Aussagen zu Planungsvorhaben einen hohen Beurteilungsaufwand voraussetzt.
Für die Bewertung in Berlin wird das Standortpotenzial für naturnahe und seltene Pflanzengesellschaften gegenüber der Ertragsfunktion für Kulturpflanzen generell höher gewichtet, da landwirtschaftliche Nutzungen im Stadtgebiet nur eine untergeordnete Bedeutung besitzen (siehe auch folgendes Kapitel 3.2.2). Aus diesem Grund wurde dieser
Funktion in der Gesamtbewertung eine sehr hohe Schutzpriorität zugeordnet.
24
Planungshinweise zum Bodenschutz | 3 Methodik
3.2.2 Lebensraumfunktion für die Pflanzen – Ertragsfunktion für
Kulturpflanzen (Natürliche Bodenfruchtbarkeit)
Umweltatlaskarte 01.12.2 Ertragsfunktion für Kulturpflanzen
Die Bewertung als Lebensraum für Kulturpflanzen ergibt sich aus der für den Standort ermittelten Wasserversorgung und der Nährstoffversorgung des Oberbodens. Die Bewertung
erfolgt in drei Stufen (hoch, mittel, gering) [13].
Gewichtung im Rahmen der aggregierten Bewertung
Die natürliche Bodenfruchtbarkeit ist auf landwirtschaftlich genutzten Flächen (Acker,
Grünland, Gartenbau oder Baumschule) von Bedeutung. Wälder dienen in Berlin nicht primär dem forstlichen Ertrag, sondern sind gemäß § 10 Landeswaldgesetz Berlin (LWaldG
Bln) flächendeckend vor allem als Schutz- und Erholungswald deklariert. Der Ertragsfunktion wird auf diesen Flächen daher keine besondere Bedeutung zugemessen.
Im Ergebnis wird der Ertragsfunktion für Kulturpflanzen nur auf landwirtschaftlich genutzten Flächen eine hohe Schutzpriorität beigemessen.
3.2.3
Regelungsfunktion für den Wasserhaushalt
Umweltatlaskarte 01.12.4 Regelungsfunktion für den Wasserhaushalt
In Berlin wird bei der Regelungsfunktion für den Wasserhaushalt die Austauschhäufigkeit
des Bodenwassers als Verhältnis zwischen der Versickerung und der nutzbaren Feldkapazität (nFK) des effektiven Wurzelraumes ermittelt. Die Bewertung erfolgt in drei Stufen
(hoch, mittel, gering) [13].
Von den Flächen mit hoher und mittlerer Leistungsfähigkeit der Regelungsfunktion für den
Wasserhaushalt haben etwa drei Viertel der Flächen zusätzlich eine hohe Leistungsfähigkeit der Puffer- und Filterfunktion [11]. Diese positive Korrelation der Bodenfunktionen
Wasserhaushalt, guter Nährstoffhaushalt und hohe Puffer- und Filterleistung wird für alle
Verfahren auch von FELDWISCH ET AL. [6] beschrieben, da mit steigendem Ton- und
Humusgehalt die Wasserspeicherfähigkeit, die Nährstoffverfügbarkeit und die Fähigkeit
Nähr- und Schadstoffe zu binden, zunimmt.
Gewichtung im Rahmen der aggregierten Bewertung
Die Regelungsfunktion für den Wasserhaushalt zeigt für 80 Prozent der Flächen von Berlin
eine hohe oder mittlere Leistungsbewertung. Diese Funktion hat eine besondere Bedeutung für die Stadt, da in Berlin das Trinkwasser im Stadtgebiet gewonnen wird.
Eine hohe Funktionserfüllung ist jedoch nicht an lange Entwicklungszeiten natürlicher
Böden gebunden, da auch junge, anthropogene Böden diese Funktion bereits erfüllen können oder die Bodenfunktion durch technische Mittel ersetzt werden kann. Die Funktion
kann somit bei Eingriffen in den Boden oftmals ausgeglichen werden und erhält daher eine
niedrigere Schutzpriorität als die Funktionen, die an weitgehend ungestörte Bodenverhältnisse gebunden sind (siehe Kapitel 3.2.1 und Kapitel 3.2.5).
25
Zudem werden die sogenannten Ausschluss-Bodengesellschaften, die aufgrund realer oder
potenzieller stofflicher Belastungen in ihrer Regelungsfunktion für den Wasserhaushalt
eingeschränkt sind, von der Einstufung in höhere Bodenschutzkategorien ausgenommen
und automatisch der niedrigsten Kategorie zugeordnet. Es handelt sich um Trümmerböden, Müllböden, Rieselfeldböden und Gleisanlagen (sogenannte Ausschluss-Bodengesellschaften, vergleiche Kapitel 3.3.1 und [13]).
3.2.4
Puffer- und Filterfunktion
Umweltatlaskarte 01.12.3 Puffer- und Filterfunktion
In Berlin wird die Puffer- und Filterfunktion anhand der Bindungsstärke für Schwermetalle,
dem Nährstoffspeicher- und Schadstoffbindungsvermögen, dem Puffervermögen für den
Kohlenstoffhaushalt, der Wasserdurchlässigkeit und der Filterstrecke bis zum Grundwasser aggregiert bewertet. Die Bewertung erfolgt in drei Stufen [13].
Rund zwei Drittel der Fläche erreichen eine hohe oder mittlere Funktionserfüllung, was
zum einen den lehmigen Böden der Hochflächen mit hoher Kationenaustauschkapazität
und zum anderen den langen Filterstrecken von grundwasserfernen feinsandigen Bodengesellschaften geschuldet ist. Mit Ausnahme der sandigen grundwasserbeeinflussten
Böden des Urstromtals korreliert diese Funktionsbewertung mit der Leistung der Regelungsfunktion für den Wasserhaushalt.
Gewichtung im Rahmen der aggregierten Bewertung
Wie die Regelungsfunktion für den Wasserhaushalt hat auch diese Funktion wegen der
Trinkwassergewinnung im Stadtgebiet eine besondere Bedeutung, ist jedoch nicht unbedingt an ungestörte Bodenverhältnisse gebunden und erhält daher eine niedrigere Schutzpriorität als das Standortpotenzial für natürliche Pflanzengesellschaften (Kapitel 3.2.1)
und die Archivfunktion (Kapitel 3.2.5).
Wie bei der Regelungsfunktion für den Wasserhaushalt werden Bodengesellschaften, die
aufgrund realer oder potenzieller stofflicher Belastungen in ihrer Eigenschaft und Funktion
für den vorsorgenden Bodenschutz ungeeignet sind, automatisch der niedrigsten Bodenschutzkategorie zugeordnet (sogenannte Ausschluss-Bodengesellschaften, vergleiche
Kapitel 3.3.1 und [13]).
3.2.5
Archivfunktion zur Natur- und Kulturgeschichte
Umweltatlaskarte 01.12.5 Archivfunktion für die Naturgeschichte
In Berlin wird nur die Archivfunktion zur Naturgeschichte, vor allem als Zeugnis der glazialen und holozänen Landschaftsgeschichte, erhoben. Sie wird aus der naturräumlichen
Eigenart des Gebietes (zum Beispiel Toteissenken, Stauch- und Endmoränen) und der regionalen Seltenheit von Bodengesellschaften abgeleitet. Die höchste Bewertung erhalten
sehr seltene und geomorphologisch herausragende Böden und beschränkt sich auf naturnahe Böden, die sich meist in den Außenbereichen der Stadt befinden. Da sich eine zerstörte Archivfunktion nicht wiederherstellen lässt, wird dieser Funktion eine besonders hohe
Bedeutung beigemessen.
Die Archivfunktion für die Kulturgeschichte ist nur wenig ausgeprägt und in der Regel
durch das Denkmalschutzgesetz (DSchG) effektiver als über den Bodenschutz gesichert
(siehe [47] – Bodendenkmale).
26
Planungshinweise zum Bodenschutz | 3 Methodik
Gewichtung im Rahmen der aggregierten Bewertung
Die Archivfunktion ist an unzerstörte Standortbedingungen gebunden und Eingriffe in den
Boden gehen in der Regel mit einer unwiderruflichen Zerstörung der Archivfunktion einher.
Deshalb wird ihr eine sehr hohe Schutzpriorität zugeordnet.
3.3
Berücksichtigung von Vorbelastungen in Berlin
3.3.1
Berücksichtigung von stofflichen Vorbelastungen
Flächen mit schädlichen Bodenveränderungen und Flächen mit dem Verdacht auf schädliche Bodenveränderungen sind in Berlin im Bodenbelastungskataster (BBK) der Senatsverwaltung erfasst. Die Daten werden anhand von Untersuchungen, Neuaufnahmen und
Sanierungen durch die jeweils zuständige Bodenschutzbehörde ständig aktualisiert.
Im Rahmen der aggregierten Bodenbewertung ist eine Berücksichtigung der im BBK registrierten Bodenbelastungen durch Verschneidung der Flächendaten nicht praktikabel. Vor
allem bestehen rechtliche Bedenken gegenüber einer Veröffentlichung von Informationen
aus dem BBK, sodass von einer Integration von Informationen aus dem BBK in die Bodenbewertungskarte abgesehen wurde.
Stattdessen wurde entschieden, bestimmte Bodengesellschaften, die aufgrund realer oder
potenzieller stofflicher Belastungen in ihrer Eigenschaft und Funktion für den vorsorgenden Bodenschutz ungeeignet sind, von der Eingruppierung in höhere Bodenschutzkategorien auszunehmen. Es handelt sich um Bodengesellschaften, für die flächenhafte relevante
Bodenbelastungen aufgrund ehemaliger Nutzungen, wie Rieselfelder, schadstoffhaltige
Auffüllungen mit Abfall und Trümmerschutt sowie Eisenbahnflächen (sogenannte Ausschluss-Bodengesellschaften [13]), anzunehmen sind. Diese stark anthropogen überprägten Böden wirken sich eher ungünstig auf das Grundwasser aus, da vorhandene Schadstoffe gelöst und in das Grundwasser transportiert werden können. Die Filter- und Puffereigenschaften können durch die vorhandene Schadstoffbelastung bereits stark reduziert und in
ihrer Kapazität eingeschränkt sein, so dass sie möglicherweise nicht mehr als Schadstoffsenke, sondern als Schadstoffquelle wirken. Diese Regelung betrifft neben der Bewertung
der Filter- und Pufferfunktion auch die Regelungsfunktion für den Wasserhaushalt.
Der Umgang mit schädlichen Bodenveränderungen muss immer einzelfallbezogen und unabhängig von den hier dargestellten Schutzkategorien bewertet werden.
3.3.2
Berücksichtigung von nichtstofflichen Vorbelastungen
Erosion
Die topografischen und klimatischen Bedingungen in der Berliner Region mit geringem
Relief, sandigen Böden und geringen Niederschlägen bedingen im Prinzip vor allem die
Gefahr der Winderosion, die jedoch wegen der weitgehend bedeckten Böden nur kleinräumig relevant ist. An Dünenstandorten wie in Wilhelmshagen und im Tegeler Forst gehören
südwestexponierte vegetationsarme bis vegetationsfreie Hänge mit erosionsbedingten
Kolluvien am Hangfuß zum Landschaftsbild. Bodenabtrag durch Wasser oder Trittbelastung an Hängen kann kleinräumig ebenso auftreten, wie Erosion an den Ufern von Spree,
Havel, Erpe und Wuhle; dieser kann über Uferschutz beziehungsweise den Schutz von
Auenböden minimiert werden. Aufgrund der geringen Relevanz findet im Land Berlin keine
bodenkundliche Erfassung von Erosionserscheinungen statt.
27
Verdichtung
Bodenverdichtungen sind in der Stadt häufig anzutreffen. Sie werden jedoch, wie die anderen nichtstofflichen Belastungen, durch den Bodentyp beziehungsweise Bodengesellschaft
nicht abgebildet, da sie dort nicht erfasst wurden.
Mangels flächendeckender Datengrundlage können diese Gefährdungen zwar nicht in die
Bodenschutzkategorien einbezogen werden, finden jedoch für lokale Ansätze zur Vermeidung und zur Reduktion von Bodenbeeinträchtigungen Berücksichtigung im Maßnahmenkatalog (vergleiche Kapitel 5).
3.3.3
Berücksichtigung des Versiegelungsgrades
Bei der Klassifizierung der Bodengesellschaften wird bei einem hohen Versiegelungsgrad
von mehr als 30 Prozent davon ausgegangen, dass in der Regel keine natürlichen, sondern
anthropogene Bodengesellschaften vorliegen. Ausgenommen sind davon nur Kleingartenanlagen und Baumschulen. Bei der Erfassung der Leistungsfähigkeit der Bodenfunktionen
wird generell nur der nicht versiegelte Boden bewertet. Die Berliner Systematik der Bodenbewertung trennt demnach zwischen dem quantitativen (Versiegelung) und dem qualitativen Aspekt (Funktionsbewertung) und das wurde auch bei der aggregierten Bewertung so
beibehalten.
In der Realität kann die Versiegelung sehr unterschiedlich auf den unterschiedlichen Blockflächen verteilt sein. So können auf einer Blockfläche auch größere zusammenhängende
Areale völlig unversiegelt sein, selbst wenn der Block im Mittel relativ stark versiegelt ist:
zum Beispiel ist das Sportforum Hohenschönhausen zwar zu 43 Prozent versiegelt, bei
insgesamt 41 Hektar Fläche weist es aber 23 Hektar unversiegelten Boden auf, auf den die
Bodenschutzeinstufung prinzipiell zutrifft.
In der praktischen Bewertung einer Fläche oder bei einer Standortsauswahl stellt sich daher immer die Frage nach dem unversiegelten Flächenanteil, auf den sich die dargestellte
Bewertung bezieht, so dass entschieden wurde, den Versiegelungsgrad in der Kartendarstellung der Bodenschutzkategorien mit abzubilden. Dazu wurde eine dreistufige Klassifizierung gewählt, die sich kartographisch gut lesbar darstellen lässt. Der Versiegelungsgrad
von bis zu 5 Prozent wurde dabei als gering versiegelt, mehr als 5 Prozent und weniger als
30 Prozent als mäßig versiegelt und ab 30 Prozent als stark versiegelt definiert.
Die einzelnen Schutzkategorien werden in der Kartendarstellung entsprechend ihrer unterschiedlichen Versiegelungsstufen durch eine abgestufte Farbskala visualisiert. Die Bewertungen der Bodenfunktionen sowie die Hinweise zu den Planungsanforderungen gelten
immer nur für den unversiegelten Teil der Fläche. Im Einzelfall ist immer eine Abschätzung
erforderlich, ob die Bewertungen im Umweltatlas für die konkret betroffenen (Teil-)Flächen plausibel sind.
28
Planungshinweise zum Bodenschutz | 3 Methodik
3.4
Leitbild für den vorsorgenden Bodenschutz in Berlin
Ziel des vorsorgenden Bodenschutzes ist, Boden in seiner Vielfalt und Menge mit seinen
natürlichen Funktionen und seiner Archivfunktion zu erhalten. In Berlin betrifft das insbesondere folgende Böden:
Böden, die seltene Zeugen für die holozäne Landschaftsgeschichte sind, und Böden,
die Standortpotenziale für naturnahe und seltene Pflanzengesellschaften darstellen,
sind wegen ihrer Unwiederbringlichkeit überaus schützenswert.
Berlin ist eine Großstadt mit eigener Trinkwasserversorgung aus dem Stadtgebiet –
eine Besonderheit im weltweiten Vergleich ähnlich großer Metropolen. Die Regelungsfunktion für den Wasserhaushalt sowie die Puffer- und Filterfunktion sind daher generell sehr schützenswert und die Bedeutung dieser Bodenfunktionen dort besonders
hoch, wenn beide Funktionen zusammen in hoher Leistungsfähigkeit auftreten.
Böden, die eine hohe landwirtschaftliche Ertragsfunktion aufweisen, sind auf landwirtschaftlich genutzten Flächen zu erhalten. Auf anderen Flächen im Stadtgebiet spielt
diese Funktion nur eine untergeordnete Rolle.
Bestimmte Bodengesellschaften, für die relevante Bodenbelastungen aufgrund ehemaliger
Nutzungen, wie Rieselfelder, schadstoffhaltige Auffüllungen mit Abfall und Trümmerschutt
sowie Eisenbahnflächen (sogenannte Ausschluss-Bodengesellschaften [13]) anzunehmen
sind, werden von der Eingruppierung in höhere Bodenschutzkategorien ausgenommen.
Der Umgang mit schädlichen Bodenveränderungen muss jedoch auch immer einzelfallbezogen und unabhängig von den Schutzkategorien behandelt werden.
Die im Umweltatlas dargestellten Bewertungen der Bodenfunktionen sowie die Hinweise
zu den Planungsanforderungen gelten immer nur für den unversiegelten Teil der Fläche.
29
4 Darstellung der Bodenschutzkategorien
Aufbauend auf den etablierten Bewertungen der Bodenfunktionen, der in Kapitel 3 dargestellten Methodik und dem daraus abgeleiteten Leitbild (Kapitel 3.4) wurden fünf Bodenschutzkategorien gebildet. Diese zeigen eine Staffelung vom höchsten bis zum geringen
Schutzstatus, woraus Konsequenzen für Handlungshinweise und -empfehlungen bei
Eingriffen in den Boden durch Planungen und Bauvorhaben abgeleitet werden (vergleiche
Kapitel 5.1).
Die Schutzkategorien werden differenziert in:
höchste Schutzwürdigkeit des Bodens,
sehr hohe Schutzwürdigkeit des Bodens,
hohe Schutzwürdigkeit des Bodens,
mittlere Schutzwürdigkeit des Bodens und
geringe Schutzwürdigkeit des Bodens (Böden ohne besondere Anforderungen).
Die Schutzkategorien haben generell keine (planungs-)rechtliche Dimension, sondern sollen die unterschiedlichen Bedeutungen dieser Flächen aus fachlicher Sicht des Bodenschutzes unterstreichen.
Die in den nachfolgenden Unterkapiteln benannten Flächenanteile beziehen sich jeweils
nur auf die bewerteten Blockflächen. Von der Bewertung ausgenommen sind Straßen und
Gewässer, die zusammen 15.074 Hektar Fläche beziehungsweise 17 Prozent der Gesamtfläche Berlins einnehmen (vergleiche Umweltatlaskarten 06.01/06.02 Realnutzung). Die
Gesamtfläche Berlins beträgt 89.112 Hektar; eine Bewertung der Bodenfunktionen erfolgt
demnach auf 74.038 Hektar Fläche.
Die Grafiken geben dabei den Datenstand der Umweltatlas-Ausgabe 2018 wieder.
30
Planungshinweise zum Bodenschutz | 4 Darstellung der Bodenschutzkategorien
4.1
Höchste Schutzwürdigkeit des Bodens
Ableitung der Schutzkategorie
Die höchste Schutzwürdigkeit leitet sich aus den folgenden Bodenfunktionsbewertungen
ab:
Fallgruppe 1: Lebensraumfunktion für naturnahe und seltene Pflanzengesellschaften = hoch,
Fallgruppe 2: Archivfunktion für die Naturgeschichte = hoch.
Mit Blick auf mögliche Planungen bestehen besondere Anforderungen an die Prüfung von
Standortalternativen und die Vermeidung von Eingriffen, da die Lebensraumfunktion für
naturnahe und seltene Pflanzenarten kaum und die Archivfunktion für die Naturgeschichte gar nicht wiederherstellbar sind (vergleiche Kapitel 3.2.1 und 3.2.5).
55,7
0
10
20
26,2
30
Fallgruppe 1
40
50
Fallgruppe 2
60
70
18,1
80
90
100
Fallgruppe 1 und 2
Abbildung 1: Flächenanteile (in Prozent) der verschiedenen Fallgruppen an der höchsten Schutzwürdigkeitskategorie
Flächenanteile und Versiegelungsgrad
Diese Kategorie weist den höchsten Schutzstatus auf. Sie umfasst lediglich 3.412 Hektar
Fläche, was etwa 5 Prozent der bewerteten Fläche entspricht.
Erwartungsgemäß dominieren innerhalb dieser Schutzkategorie die niedrigen Versiegelungsgrade bis 5 Prozent mit einem Anteil von etwas über 88 Prozent. Der Anteil von
Flächen mit einem mäßigen Versiegelungsgrad von mehr als 5 Prozent und weniger als
30 Prozent ist klein und beträgt 9 Prozent. Flächen mit hohen Versiegelungsgraden ab
30 Prozent versiegeltem Flächenanteil sind in dieser Kategorie mit etwas über 3 Prozent
der Fläche vertreten. Insgesamt sind in dieser Schutzkategorie 3.318 Hektar unversiegelt,
was einem Anteil von 97 Prozent entspricht.
88,1
0
10
20
30
40
8,7
50
60
70
80
90
3,3
100
Versiegelungsgrad 0 bis 5 %
Versiegelungsgrad > 5 bis < 30 %
Versiegelungsgrad 30 bis 100 %
Abbildung 2: Flächenanteile der Versiegelungsklassen an der höchsten Schutzwürdigkeitskategorie
31
Nutzungsklassen
Bei den Flächen handelt es sich zu über drei Vierteln um Wald und sonstige Nutzungen. Des
Weiteren haben auch landwirtschaftliche Flächen aus Weide- und Ackerflächen, Grünanlagen/Friedhöfe und Siedlungsgebiete relativ hohe Flächenanteile in dieser Schutzkategorie.
Die meisten Flächen unterliegen bereits einem Schutzstatus anderer Rechtsgebiete. Die
höchste Schutzwirkung entfaltet hierbei das Naturschutzrecht mit der Ausweisung förmlicher Schutzgebiete, daneben können die Flächen auch dem Waldgesetz, dem Gesetz zum
Schutz von Grünanlagen oder dem Bundeskleingartengesetz unterliegen.
Wald | 67,6 %
Wiese/Weide | 3,3 %
Acker | 4,3 %
Kleingarten | 3,1 %
Grünanlage/Friedhof | 6,7 %
sonstige Freiflächen | 0,1 %
Siedlungsgebiet | 6,2 %
Industrie/Verkehr | 0,02 %
sonstige Nutzungen | 8,7 %
Abbildung 3: Flächenanteile der Nutzungsklassen an der höchsten Schutzwürdigkeitskategorie
2.500
2.307
Fläche in Hektar
2.000
1.500
1.000
500
228
111
146
107
Wiese/
Weide
Acker
Kleingarten/
Wochenendhausgebiete
5
0
Wald
Grünanlage/
Friedhof
sonstige SiedlungsFreiflächen gebiete
Nutzungsklasse
Abbildung 4: Flächen der Nutzungsklassen der höchsten Schutzwürdigkeitskategorie
32
295
213
1
Industrie/ sonstige
Verkehr Nutzungen
Planungshinweise zum Bodenschutz | 4 Darstellung der Bodenschutzkategorien
Bodengesellschaften
Die in dieser Schutzkategorie vertretenen Bodengesellschaften sind alle naturnah. Anthropogen geprägten Bodengesellschaften sind nicht vertreten. Auffällig oft treten reine MoorBodengesellschaften, Bodengesellschaften mit Moor-Bodentypen und Gley-Bodentypen
auf.
Fahlerde – Sandkeilrostbraunerde – Rostbraunerde (1080)
205
Rostbraunerde – Hanggley – Kalkhangmoor (1180)
167
Parabraunerde – Sandkeilrostbraunerde (zeitweilig grundwasserbeeinflusst) (1130)
99
Rostbraunerde – Podsol-Gley – oligotrophes Übergangsmoor (1200)
458
Rostbraunerde – vergleyte Rostbraunerde – Gley-Rostbraunerde (1210)
81
Gley-Braunerde – kalkhaltige Gley-Braunerde – Kalkgley-Braunerde (1150)
136
vergleyte Braunerde – Gley – vererdetes Niedermoor (1164)
241
Braunerde-Gley – kalkhaltiger Braunerde-Gley – kalkhaltiger Gley (1220)
59
Gley-Braunerde – Gley – Niedermoor (1231)
401
vergleyte Rostbraunerde – Kalkgley – vererdetes Nierdermoor (1240)
119
Rostbraunerde-Gley –Anmoorgley – mesotrophes Niedermoor (1250)
49
vererdetes (Auen-)Niedermoor (1260)
361
vererdetes (Auen-)Niedermoor –vererdeter Anmoorgley – Gley (1270)
229
eutrophes Auenniedermoor – Auenanmoorgley – Gley-Rostbraunerde (1280)
45
Rostbraunerde –Kolluvium/fossiler Gley – vererdetes Niedermoor (1290)
243
Rostbraunerde – Naßgley/Niedermoor – vererdetes Übergangsmoor (1300)
122
Auengley – Auenniedermoor (3030)
68
Auengley – Auennassgley – eutrophes Auenniedermoor (1320)
120
Pararendzina –Gley-Pararendzina – Pararendzina-Gley (1310)
42
Gyttja – Auengley (3040)
43
10 andere Bodengesellschaften mit einem Flächenanteil unter 1 Prozent
127
0
100
200
300
400
500
Fläche in Hektar
Abbildung 5: Flächen der Bodengesellschaften der höchsten Schutzwürdigkeitskategorie
(zu den Nummern der Bodengesellschaften siehe Umweltatlas Karte 01.01 [54])
0
3.413
0
500
anthropogen
1.000
1.500
2.000
Fläche in Hektar
2.500
3.000
3.500
4.000
naturnah
Abbildung 6: Flächen der naturnahen und anthropogen geprägten Bodengesellschaften der höchsten
Schutzwürdigkeitskategorie
Bodengesellschaften können je nach Nutzung unterschiedliche Eigenschaften aufweisen.
Deswegen treten die meisten Bodengesellschaften nicht nur in einer Schutzkategorie auf.
Zum Beispiel tritt die in dieser Schutzkategorie stark vertretene Bodengesellschaft GleyBraunerde – Gley – Niedermoor (1231) auch in zwei weiteren Schutzkategorien auf (Abbildung 7).
Die Flächenanteile der bei dieser Bodengesellschaft auftretenden 12 Nutzungen reichen
von 0,2 bis 36,7 Prozent (Abbildung 8).
33
Bodengesellschaft Gley-Braunerde – Gley –
Niedermoor (1231)
höchste Schutzwürdigkeit | 38,3 %
sehr hohe Schutzwürdigkeit | 57,0 %
hohe Schutzwürdigkeit | 4,6 %
Abbildung 7: Flächenanteile der Schutzwürdigkeitskategorien bei einer ausgewählten Bodengesellschaft
Bodengesellschaft Gley-Braunerde – Gley – Niedermoor (1231) und Flächenanteile der Nutzungen
37,6
30
20,1
12,8
10
12,4
7,7
Brachfläche, wiesenartiger
Vegetationsbestand
Kleingartenanlage
0,3
Park/Grünfläche
Grünland
Wald
Wochenendhaus- und kleingärtnerische Nutzung
Gemeinbedarfs- und
Sondernutzung
Wohnnutzung
0
Ackerland
1,0
0,2
2,8
0,2
0,8
Baumschule/Gartenbau
4,0
Sportnutzung
20
Brachfläche, Mischbestand
aus Wiesen, Gebüsch und
Bäumen
Flächenanteil in Prozent
40
Nutzung
Abbildung 8: Flächenanteile der Nutzungen bei einer ausgewählten Bodengesellschaft (für alle Schutzkategorien)
Verteilung im Stadtgebiet
Die Flächen der höchsten Schutzkategorie konzentrieren sich aufgrund der Beschränkung
auf naturnahe Gebiete mit Eignung für seltene Pflanzengesellschaften oder herausragende Zeitzeugnisse der Eiszeit in den Außenbereichen der Stadt.
Zusammenhängende Flächen dieser Schutzkategorie liegen im Spandauer Forst auf Talsand mit mesotrophem/vererdetem Niedermoor und oligotrophem Übergangsmoor. Diese
Grundwasserstandorte sind vergesellschaftet mit Kalkgley-Braunerden, Gleyen, Gley-Rostbraunerden und kalkhaltigen Gleyen. Die Bodengesellschaft mit dem größten Flächenanteil in dieser Kategorie tritt auch in Schmöckwitzwerder (Schwarze Berge) im Südosten
Berlins auf.
34
Planungshinweise zum Bodenschutz | 4 Darstellung der Bodenschutzkategorien
Weitere grundwassernahe Standorte mit höchster Schutzwürdigkeit liegen im Tegeler
Fließ mit seltenen Hanggleyen, Kalkhangmooren und eutrophen Auenniedermooren, im
Bucher Forst mit vergleyter Braunerde – Gley – vererdetem Niedermoor auf Talsandflächen
sowie in Müggelheim in den Gosener und Müggelheimer Wiesen mit vererdeten Niedermooren in einer Talsandniederung. Im Südwesten von Berlin, in Kladow, erhalten im
Bereich des Groß Glienicker Sees vererdete Niedermoore mit fossilen Gleyen und Rostbraunerden in einer Schmelzwasserrinne diesen hohen Schutzstatus. Weitere Flächen liegen am Rand der Grunewaldseenkette, am Pechsee und am Teufelssee (Grunewald) mit
vererdeten Übergangsmooren und Niedermooren, Nassgleyen, fossilen Gleyen und Rostbraunerden und im Flughafengelände Tegel und in der Jungfernheide mit Auenböden. Eine
Besonderheit sind auch die entwässerten Auenböden mit mächtiger Kalkmudde in Teerofen.
Kleinere Flächen mit Niedermooren und Gleyböden liegen an Rändern von Gewässern wie
der Krummen Lake in Grünau und Schmöckwitz, dem Neuen Wiesengraben in Köpenick,
der Krummen Laake in Müggelheim, dem Fredersdorfer Mühlenfließ im Rahnsdorfer Forst,
dem Lietzen- und Seegraben in Buch und der Wuhle in Marzahn-Hellersdorf. Zu nennen
sind noch die grundwassergeprägten Bodengesellschaften in der Havelniederung in
Tiefenwerder, in der Königsheide in Johannisthal und die Auenböden am Heiligensee.
Beispiele von Flächen für eine höchste Schutzkategorie mit Schwerpunkt der Archivfunktion sind vor allem die eiszeitlich geprägten Sandkeilrostbraunerden, vergesellschaftet mit
Fahlerden im Frohnauer Forst, und die Sandkeilrostbraunerden, vergesellschaftet mit
Parabraunerden unter Ackernutzung in Gatow.
Landes- und Bezirksgrenzen
Versiegelungsgrad in Prozent
0 bis 5
> 5 bis < 30
30 bis 100
Gewässer
Abbildung 9: Verteilung der höchsten Schutzwürdigkeitskategorie im Stadtgebiet
35
4.2
Sehr hohe Schutzwürdigkeit des Bodens
Ableitung der Schutzkategorie
Die sehr hohe Schutzwürdigkeit leitet sich aus den folgenden Bodenfunktionsbewertungen
ab:
Fallgruppe 1: Lebensraumfunktion für naturnahe und seltene Pflanzengesellschaften = mittel und Archivfunktion für die Naturgeschichte = mittel,
Fallgruppe 2: Ertragsfunktion für Kulturpflanzen ist hoch (auf Flächen mit landwirtschaftlicher Nutzung),
Fallgruppe 3: Regelungsfunktion für den Wasserhaushalt = hoch und Puffer- und Filterfunktion = hoch.
Ausgeschlossen von dieser Schutzkategorie sind Flächen auf Trümmerböden, Müllböden,
Rieselfeldböden und Gleisanlagen (sogenannte Ausschluss-Bodengesellschaften, vergleiche Kapitel 3.3.1 und [13]). Die Einordnung in diese Schutzkategorie erfolgt vorwiegend
wegen der Lebensraum- und Archivfunktion (Fallgruppe 1), dann wegen der Regelungs-/
Puffer- und Filterfunktion (Fallgruppe 3). Die Ertragsfunktion für Kulturpflanzen (Fallgruppe 2) sowie Fallgruppenkombinationen (Flächen, die die Bedingungen für mehrere Fallgruppen erfüllen) spielen kaum eine Rolle.
42,7
51,7
0
10
20
30
Fallgruppe 1
40
50
60
Fallgruppe 2 = 0,1
70
80
90
100
Fallgruppe 3
Fallgruppe 1 und 2 = 2,3
Fallgruppe 1 und 3 = 2,3
Fallgruppe 2 und 3 = 0,7
Fallgruppe 1, 2 und 3 = 0,2
Abbildung 10: Flächenanteile (in Prozent) der verschiedenen Fallgruppen an der sehr hohen Schutzwürdigkeitskategorie
Flächenanteile und Versiegelungsgrad
Die zweithöchste Schutzkategorie nimmt 12.352 Hektar ein und umfasst somit rund
17 Prozent der bewerteten Fläche.
Der Anteil von Flächen mit einem niedrigen Versiegelungsgrad bis 5 Prozent beträgt
48 Prozent, der Anteil von Flächen mit einem mäßigen Versiegelungsgrad von mehr als
5 Prozent und weniger als 30 Prozent etwa 33 Prozent. Hohe Versiegelungsgrade von
30 Prozent und mehr treten in dieser Schutzkategorie mit etwa 20 Prozent Flächenanteil
auf. Insgesamt sind in dieser Schutzkategorie 10.701 Hektar unversiegelt, was einem Anteil von 87 Prozent entspricht.
47,6
0
10
20
32,6
30
40
50
60
19,8
70
80
Versiegelungsgrad 0 bis 5 %
Versiegelungsgrad > 5 bis < 30 %
Versiegelungsgrad 30 bis 100 %
Abbildung 11: Flächenanteile der Versiegelungsklassen an der sehr hohen Schutzwürdigkeitskategorie
36
90
100
Planungshinweise zum Bodenschutz | 4 Darstellung der Bodenschutzkategorien
Nutzungsklassen
Bei den Flächen dieser Schutzkategorie handelt es sich zu über einem Drittel um Wald und
Mischbestände sonstiger Nutzungen sowie zu über einem Viertel um Siedlungsgebiete. Des
Weiteren sind unter den gegenwärtigen Nutzungen Kleingärten und Grünanlagen mit
jeweils über 15 Prozent Flächenanteil weit verbreitet.
Wald | 30,2 %
Wiese/Weide | 3,5 %
Acker | 1,0 %
Kleingarten | 15,7 %
Grünanlage/Friedhof | 17,1 %
sonstige Freiflächen | 0,9 %
Siedlungsgebiet | 26,5 %
Industrie/Verkehr | 0,02 %
sonstige Nutzungen | 5,0 %
Abbildung 12: Flächenanteile der Nutzungsklassen an der sehr hohen Schutzwürdigkeitskategorie
4.000
3.726
3.279
Fläche in Hektar
3.000
1.943
2.000
2.108
1.000
619
435
125
0
Wald
Wiese/
Weide
Acker
116
Kleingarten/
Wochenendhausgebiete
Grünanlage/
Friedhof
sonstige SiedlungsFreiflächen gebiete
3
Industrie/ sonstige
Verkehr Nutzungen
Nutzungsklasse
Abbildung 13: Flächen der Nutzungsklassen der sehr hohen Schutzwürdigkeitskategorie
37
Bodengesellschaften
In dieser Schutzkategorie treten fast 10 Prozent anthropogen geprägte Bodengesellschaften auf. Es handelt sich dabei weitgehend um Bodengesellschaften der Friedhöfe.
Parabraunerde – Sandkeilbraunerde (1010)
4.411
Rostbraunerde – Parabraunerde – vererdetes Niedermoor (1022)
163
Rostbraunerde – kolluviale Braunerde (1030)
391
Rostbraunerde – kolluviale Braunerde (1072)
186
Rostbraunerde – Regosol-Braunerde – kolluviale Braunerde (1040)
1.097
Rostbraunerde – Regosol – kolluviale Braunerde /Gley (1060)
710
Rostbraunerde – Ockerbraunerde – kolluviale Braunerde (1050)
314
Podsol-Braunerde – Podsol – kolluviale Rostbraunerde (1090)
690
Podsol-Braunerde – Rostbraunerde – kolluviale Rostbraunerde (1100)
381
vergleyte Braunerde – Gley – vererdetes Nierdermoor (1164)
526
Gley-Braunerde –Gley – Niedermoor (1231)
597
vererdetes (Auen-)Niedermoor (1260)
954
eutrophes Auenniedermoor – Auenanmoorgley – Gley-Rostbraunerde (1280)
253
kolluviale Braunerde – eutrophes Auenniedermoor – Gyttja (1330)
168
Nekrosol + Parabraunerde-Hortisol + Parabraunerde (2390)
448
Nekrosol + Braunerde-Hortisol + Podsol-Braunerde (2410)
151
Nekrosol + Gley-Braunerde-Hortisol + Gley (2420)
264
21 andere Bodengesellschaften mit einem Flächenanteil unter 1 Prozent
648
0
1.000
2.000
3.000
Fläche in Hektar
Abbildung 14: Flächen der Bodengesellschaften der sehr hohen Schutzwürdigkeitskategorie
(zu den Nummern der Bodengesellschaften siehe Umweltatlas Karte 01.01 [54])
1.174
11.179
0
2.000
anthropogen
4.000
6.000
Fläche in Hektar
8.000
10.000
12.000
naturnah
Abbildung 15: Flächen der naturnahen und anthropogen geprägten Bodengesellschaften der sehr hohen Schutzwürdigkeitskategorie
Verteilung im Stadtgebiet
Größere zusammenhängende Flächen dieser Kategorie, unversiegelt oder kaum versiegelt,
liegen auf End- beziehungsweise Stauchmoränen mit einer Bodengesellschaft aus Rostbraunerde – Regosol-Braunerde – kolluviale Braunerde im Grunewald, auf dem Schäferund Seddinberg, den Müggelbergen und in der Gatower Heide. An den Hängen dieser
Moränen ist eine Bodengesellschaft aus Rostbraunerde – Regosol – kolluviale Braunerde/
Gley an der Havel, dem Griebnitzsee und in den Müggelbergen zu finden.
Die den Grunewald durchziehenden glazifluvialen Schmelzwasserrinnen weisen eine
Bodengesellschaft aus Rostbraunerde – Ockerbraunerde – kolluvialer Braunerde auf. Zwei
typische Bodengesellschaften mit besonders schützenswerten Böden sind die Bodengesellschaften aus Dünensand mit Podsol-Braunerde – Podsol/Rostbraunerde – kolluviale Rostbraunerde im Tegeler Forst, Rahnsdorf, Frohnau, Düppel und Müggelheim. An letzterem
Standort sind diese Böden teilweise mit den genannten Gesellschaften der End- und
Stauchmoränen verzahnt.
38
4.000
5.000
Planungshinweise zum Bodenschutz | 4 Darstellung der Bodenschutzkategorien
Weitere Flächen liegen im Tegeler Fließ mit eutrophem Auenniedermoor – Auenanmoorgley – Gley-Rostbraunerde und in den Gosener Wiesen mit vererdetem (Auen-)Niedermoor.
Vereinzelte kleine Flächen sind auf der Barnimhochfläche mit sandigen Beckenfüllungen
unter anderem in Malchow und Wartenberg zu finden. Die vorkommenden Bodengesellschaften bestehen aus Rostbraunerde – kolluvialer Braunerde und Rostbraunerde – Parabraunerde – vererdetem Niedermoor. Weitere Vorkommen von schützenswerten Bodengesellschaften der Beckenfüllung befinden sich im Bezirk Spandau.
Flächen dieser Bewertung bei einem mäßigen Versiegelungsgrad von mehr als 5 Prozent
und weniger als 30 Prozent konzentrieren sich auf die Hochflächen Barnim und Teltow mit
Geschiebelehm beziehungsweise Geschiebemergel. Die ausgewiesenen Standorte sind
eher kleinteilig und liegen in den Außenbereichen von offenen Einfamilienhaussiedlungen
oder Park- und Kleingartenanlagen, wie zum Beispiel in Lichterfelde, Britz, Rudow, Bohnsdorf, Mahlsdorf und Kaulsdorf. Einen Flächenanteil von etwa 50 Prozent hat die Bodengesellschaft aus Parabraunerde – Sandkeilbraunerde.
Landes- und Bezirksgrenzen
Versiegelungsgrad in Prozent
0 bis 5
> 5 bis < 30
30 bis 100
Gewässer
Abbildung 16: Verteilung der sehr hohen Schutzwürdigkeitskategorie im Stadtgebiet
39
4.3
Hohe Schutzwürdigkeit des Bodens
Ableitung der Schutzkategorie
Die hohe Schutzwürdigkeit leitet sich aus den folgenden Bodenfunktionsbewertungen ab:
Entweder Regelungsfunktion für den Wasserhaushalt = hoch oder Puffer- und Filterfunktion = hoch (nur eine Funktion darf vorliegen).
Ausgeschlossen von dieser Schutzkategorie sind Flächen auf Trümmerböden, Müllböden,
Rieselfeldböden und Gleisanlagen (sogenannte Ausschluss-Bodengesellschaften, vergleiche Kapitel 3.3.1 und [13]).
Die Abschwächung des Schutzstatus im Vergleich zu den Flächen mit sehr hoher Schutzwürdigkeit ergibt sich durch eine deutlich geringere Anzahl betroffener Bodenfunktionen.
Es reicht, dass nur ein Kriterium (entweder Regelungsfunktion für den Wasserhaushalt
oder Puffer- und Filterfunktion) als hoch bewertet wird.
Flächenanteile und Versiegelungsgrad
Diese Kategorie nimmt 13.658 Hektar ein und umfasst somit einen Flächenanteil von etwa
18 Prozent der bewerteten Fläche. Sie hat also einen ähnlichen Flächenanteil wie die Böden
mit sehr hoher Schutzwürdigkeit.
Den größten Flächenanteil innerhalb dieser Kategorie bilden die niedrigen Versiegelungsgrade bis 5 Prozent mit etwa 63 Prozent. Der Anteil von Flächen mit einem mäßigen Versiegelungsgrad von mehr als 5 Prozent und weniger als 30 Prozent beträgt etwa 20 Prozent, der Anteil der Flächen mit hohen Versiegelungsgraden von 30 Prozent und mehr ist
gering und nimmt etwa 17 Prozent ein. Insgesamt sind in dieser Schutzkategorie 12.207
Hektar unversiegelt, was einem Anteil von 89 Prozent entspricht.
62,6
0
10
20
30
20,1
40
50
60
70
Versiegelungsgrad 0 bis 5 %
Versiegelungsgrad > 5 bis < 30 %
Versiegelungsgrad 30 bis 100 %
Abbildung 17: Flächenanteile der Versiegelungsklassen an der hohen Schutzwürdigkeitskategorie
40
17,2
80
90
100
Planungshinweise zum Bodenschutz | 4 Darstellung der Bodenschutzkategorien
Nutzungsklassen
Über die Hälfte der Flächen dieser Schutzkategorie bilden Böden unter Wald- und sonstiger
Nutzung, gefolgt von über einem Fünftel Siedlungsgebiet sowie jeweils fast einem Zehntel
Grünanlagen und Kleingärten.
Wald | 51,6 %
Wiese/Weide | 1,2 %
Acker | 4,1 %
Kleingarten | 9,2 %
Grünanlage/Friedhof | 10,0 %
sonstige Freiflächen | 0,8 %
Siedlungsgebiet | 21,1 %
Industrie/Verkehr | 0,03 %
sonstige Nutzungen | 2,0 %
Abbildung 18: Flächenanteile der Nutzungsklassen an der hohen Schutzwürdigkeitskategorie
8.000
7.050
Fläche in Hektar
6.000
4.000
2.876
2.000
1.255
160
0
Wald
Wiese/
Weide
1.363
563
Acker
114
Kleingarten/
Wochenendhausgebiete
Grünanlage/
Friedhof
sonstige SiedlungsFreiflächen gebiete
4
272
Industrie/ sonstige
Verkehr Nutzungen
Nutzungsklasse
Abbildung 19: Flächen der Nutzungsklassen der hohen Schutzwürdigkeitskategorie
41
Bodengesellschaften
In dieser Schutzkategorie treten ebenfalls fast 10 Prozent anthropogen geprägte Bodengesellschaften auf. Den mit Abstand größten Anteil hat die natürliche Bodengesellschaft
Rostbraunerde – vergleyte Braunerde – Gley-Braunerde (1160), Talsandfläche aus Mittelund Feinsand.
Parabraunerde – Sandkeilbraunerde (1010)
883
Rostbraunerde – kolluviale Braunerde (1070)
207
Podsol-Braunerde – vergleyte Rostbraunerde (1190)
1.341
Rostbraunerde – vergleyte Braunerde – Gley-Braunerde (1160)
9.541
Regosol + Pararendzina + Hortisol (2483)
313
Regosol + Pararendzina + Hortisol (2485)
183
Humusregosol/Gley-Braunerde + Hortisol/Gley + Pararendzina/Auenboden (2550)
155
27 andere Bodengesellschaften mit einem Flächenanteil unter 1 Prozent
1.036
0
2.000
4.000
6.000
Fläche in Hektar
Abbildung 20: Flächen der Bodengesellschaften der hohen Schutzwürdigkeitskategorie
(zu den Nummern der Bodengesellschaften siehe Umweltatlas Karte 01.01 [54])
1.230
12.428
0
2.000
anthropogen
4.000
6.000
8.000
Fläche in Hektar
10.000
12.000
14.000
naturnah
Abbildung 21: Flächen der naturnahen und anthropogen geprägten Bodengesellschaften der hohen Schutzwürdigkeitskategorie
Verteilung im Stadtgebiet
Auffällig ist ein großer unversiegelter Komplex am Müggelsee, an der Dahme, am Seddinund Crossinsee, wobei die gesamte Waldfläche auf Talsand mit Rostbraunerde – vergleyter
Braunerde – Gley-Braunerde die genannten Kriterien erfüllt. Dazu kommen kleinere Bereiche mit einer sauren Bodengesellschaft aus Flugsand mit Podsol-Braunerde – vergleyte
Rostbraunerde. Diese beiden schützenswerten Dünensand- und Talsandbodengesellschaften sind auch im Tegeler Forst und in der Jungfernheide zu finden. Kleinere unversiegelte
Flächen liegen vor allem im Norden, Süden und Westen von Berlin auf den Hochflächen
Teltow und Barnim. Die typische Bodengesellschaft ist Parabraunerde – Sandkeilbraunerde
aus Geschiebemergel.
Die mäßig versiegelten Flächen mit einem Versiegelungsgrad von mehr als 5 Prozent und
weniger als 30 Prozent dieser Kategorie sind meist kleinteilig und verstreut. Dominierend
ist mit etwa 70 Prozent Flächenanteil die das Urstromtal durchziehende Mittel- und Feinsandbodengesellschaft aus Rostbraunerde – vergleyter Braunerde – Gley-Braunerde. Ebenso erfüllen Böden aus geschiebehaltigen Sanden auf Moränenflächen mit Rostbraunerde –
kolluvialer Braunerde in Charlottenburg unter der Nutzung Kleingarten diese Kriterien.
Weitere Bodengesellschaften sind Flugsandfelder aus Podsol-Braunerde – vergleyter Rostbraunerde in Schmöckwitzwerder, im Wedding und in Heiligensee und Grundmoränen mit
Parabraunerde – Sandkeilbraunerde aus Geschiebemergel in Bohnsdorf, Britz und Hermsdorf.
42
8.000
10.000
Planungshinweise zum Bodenschutz | 4 Darstellung der Bodenschutzkategorien
Schutzwürdige Böden mit einem hohen Versiegelungsgrad von mehr als 30 Prozent beschränken sich auf kleinteilige Flächen, vor allem in Gebieten mit Wohnnutzung, Kleingartenanlagen und Wochenendhäusern. Es handelt sich neben der auch hier dominierenden
Bodengesellschaft (Rostbraunerde – vergleyter Braunerde – Gley-Braunerde) vor allem um
Aufschüttungsböden mit den Bodentypen Regosol + Pararendzina + Hortisol. Ausgewiesene Flächen sind zum Beispiel der Zoologische Garten, Kleingartenanlagen in Britz und
Französisch Buchholz und Siedlungsbereiche in Hermsdorf, Heiligensee, Biesdorf und
Mahlsdorf.
Landes- und Bezirksgrenzen
Versiegelungsgrad in Prozent
0 bis 5
> 5 bis < 30
30 bis 100
Gewässer
Abbildung 22: Verteilung der hohen Schutzwürdigkeitskategorie im Stadtgebiet
43
4.4
Mittlere Schutzwürdigkeit des Bodens
Ableitung der Schutzkategorie
Die mittlere Schutzwürdigkeit leitet sich aus den folgenden Bodenfunktionsbewertungen
ab:
Regelungsfunktion für den Wasserhaushalt = mittel und Puffer- und Filterfunktion =
mittel.
Ausgeschlossen von dieser Schutzkategorie sind Flächen auf Trümmerböden, Müllböden,
Rieselfeldböden und Gleisanlagen (sogenannte Ausschluss-Bodengesellschaften, vergleiche Kapitel 3.3.1 und [13]).
Flächenanteile und Versiegelungsgrad
Diese Kategorie hat mit 23 Prozent der bewerteten Gesamtfläche den zweitgrößten Flächenteil unter den Schutzkategorien. Ihre Fläche beträgt insgesamt 17.318 Hektar.
Haben in den vorstehenden Schutzkategorien noch die Flächen mit einem niedrigen bis
mäßigen Versiegelungsgrad unter 30 Prozent dominiert, so wird diese Klasse vor allem
durch Flächen mit einem hohen Versiegelungsgrad ab 30 Prozent geprägt. Diese haben
einen Flächenanteil von etwa 62 Prozent. Flächen mit geringer Versiegelung von bis zu
5 Prozent nehmen nur 17 Prozent ein; der Flächenanteil mit einem mäßigen Versiegelungsgrad von mehr als 5 Prozent und weniger als 30 Prozent beträgt etwa 21 Prozent.
Insgesamt sind in dieser Schutzkategorie 11.479 Hektar unversiegelt, was einem Anteil von
etwas über 66 Prozent entspricht.
17,2
0
10
20,7
20
30
62,1
40
50
60
70
Versiegelungsgrad 0 bis 5 %
Versiegelungsgrad > 5 bis < 30 %
Versiegelungsgrad 30 bis 100 %
Abbildung 23: Flächenanteile der Versiegelungsklassen an der mittleren Schutzwürdigkeitskategorie
44
80
90
100
Planungshinweise zum Bodenschutz | 4 Darstellung der Bodenschutzkategorien
Nutzungsklassen
Die Böden der mittleren Schutzkategorie befinden sich zu über zwei Dritteln in Siedlungsgebieten, gefolgt von rund einem Zehntel Böden unter Wald- sowie Grünanlagen-/Friedhofsnutzung.
Wald | 12,0 %
Wiese/Weide | 0,2 %
Acker | 0,2 %
Kleingarten | 1,5 %
Grünanlage/Friedhof | 9,5 %
sonstige Freiflächen | 4,2 %
Siedlungsgebiet | 69,5 %
Industrie/Verkehr | 0,6 %
sonstige Nutzungen | 2,3 %
Abbildung 24: Flächenanteile der Nutzungsklassen an der mittleren Schutzwürdigkeitskategorie
14.000
12.031
Fläche in Hektar
12.000
10.000
8.000
6.000
4.000
2.000
2.072
0
Wald
1.649
722
41
31
261
Wiese/
Weide
Acker
Kleingarten/
Wochenendhausgebiete
Grünanlage/
Friedhof
sonstige SiedlungsFreiflächen gebiete
112
398
Industrie/ sonstige
Verkehr Nutzungen
Nutzungsklasse
Abbildung 25: Flächen der Nutzungsklassen der mittleren Schutzwürdigkeitskategorie
45
Bodengesellschaften
In dieser Schutzkategorie sind naturnahe Bodengesellschaften nur noch mit weniger als
30 Prozent vertreten. Den mit Abstand größten Anteil haben Bodengesellschaften der Siedlungsflächen, zum Teil auf Aufschüttung.
Rostbraunerde – Parabraunerde –kolluviale Braunerde (1020)
1.084
Rostbraunerde – kolluviale Braunerde (1030)
355
Rostbraunerde – kolluviale Braunerde (1070)
2.678
Rostbraunerde – Regosol-Braunerde – kolluviale Braunerde (1040)
202
Podsol-Braunerde – Rostbraunerde – kolluviale Rostbraunerde (1100)
248
Nekrosol + Braunerde-Hortisol + Rostbraunerde (2400)
206
Regosol + Pararendzin + Hortisol (2483)
918
Regosol + Pararendzin + Hortisol (2484)
810
Regosol + Pararendzin + Hortisol (2485)
3.236
Pararendzina + Lockersyrosem + Regosol (2487)
611
Pararendzina + Lockersyrosem + Regosol (2488)
565
Pararendzina + Lockersyrosem + Regosol (2489)
3.599
Lockersyrosem + Humusregosol + Pararendzina (2490)
1.686
Lockersyrosem + Regosol + Pararendzina (2540)
227
Humusregosol/Gley-Braunerde + Hortisol/Gley + Pararendzina/Auenboden (2550)
253
14 andere Bodengesellschaften mit einem Flächenanteil unter 1 Prozent
639
0
1.000
2.000
Fläche in Hektar
Abbildung 26: Flächen der Bodengesellschaften der mittleren Schutzwürdigkeitskategorie
(zu den Nummern der Bodengesellschaften siehe Umweltatlas Karte 01.01 [54])
12.377
4.942
0
2.000
anthropogen
4.000
6.000
8.000
Fläche in Hektar
10.000
12.000
14.000
naturnah
Abbildung 27: Flächen der naturnahen und anthropogen geprägten Bodengesellschaften der mittleren Schutzwürdigkeitskategorie
Verteilung im Stadtgebiet
Der gering versiegelte Anteil von bis zu 5 Prozent dieser Kategorie besteht überwiegend
aus einer großen zusammenhängenden Fläche, dem Forst Grunewald, dem Forst Düppel
und der Pfaueninsel. Als Bodengesellschaft dominieren dort saure Rostbraunerden mit
kolluvialen Braunerden aus gut wasserdurchlässigen geschiebehaltigen Sanden. Einzelflächen aus geschiebehaltigen Sanden, aber über Mergel, liegen ebenfalls in diesen Forsten
und in der Gatower Heide mit Rostbraunerde – Parabraunerde – kolluviale Braunerde. Die
Böden des ehemaligen Flugplatzes Tempelhof auf Geschiebemergel mit Pararendzina +
Lockersyrosem + Regosol gehören auch zu dieser Schutzkategorie.
Der Anteil von Böden mit einem mäßigen Versiegelungsgrad von mehr als 5 Prozent und
weniger als 30 Prozent besteht weitgehend aus kleinen Flächen. In einem Band von Wannsee, über Nikolassee, Zehlendorf bis Westend ist die häufigste Bodengesellschaft aus Rostbraunerde – kolluvialer Braunerde verbreitet. Auch in der Hasenheide, dem Viktoriapark
und im Landschaftspark Rudow-Altglienicke tritt diese Bodengesellschaft auf. In den locker
bebauten Bereichen in Kladow und Gatow liegen Rostbraunerde – Parabraunerde – kollu-
46
3.000
4.000
Planungshinweise zum Bodenschutz | 4 Darstellung der Bodenschutzkategorien
viale Braunerde und in Dahlem Rostbraunerde – kolluviale Braunerde vor. Siedlungsbereiche auf den Hochflächen Teltow und Barnim, zum Teil auf Aufschüttung, mit Böden aus
Regosol + Pararendzina + Hortisol und Pararendzina + Lockersyrosem + Regosol nehmen
einen großen Teil dieser Kategorie ein.
Die stark versiegelten Flächen von mehr als 30 Prozent nehmen den größten Teil dieser
Schutzkategorie ein. Sie sind auf die Hochflächen Barnim und Teltow, im Süden und Norden
der Stadt konzentriert. Die Standorte haben ihren Schwerpunkt in den dichter bebauten
Bereichen wie Steglitz, Gropiusstadt in Neukölln, Prenzlauer Berg, Marzahn, Pankow, Lichtenberg oder Märkisches Viertel in Reinickendorf. Die Bodengesellschaften sind anthropogen geprägt und haben häufig sandige Aufschüttungen als Ausgangsmaterial zur Bodenbildung. Als Bodentypen dominieren daher gering entwickelte A-C-Böden, wie Lockersyrosem,
Regosol, Pararendzina und Humusregosol.
Landes- und Bezirksgrenzen
Versiegelungsgrad in Prozent
0 bis 5
> 5 bis < 30
30 bis 100
Gewässer
Abbildung 28: Verteilung der mittleren Schutzwürdigkeitskategorie im Stadtgebiet
47
4.5
Geringe Schutzwürdigkeit des Bodens
(Böden ohne besondere Anforderungen)
Ableitung der Schutzkategorie
Alle restlichen Böden werden der Kategorie „geringe Schutzwürdigkeit“ zugeordnet. Dabei
handelt sich nicht nur um Böden mit insgesamt relativ geringer Wertigkeit für die einzelnen Bodenfunktionen, sondern auch um alle Flächen, auf denen die sogenannten Ausschluss-Bodengesellschaften (vergleiche Kapitel 3.3.1 und [13]) auftreten. Eine hohe Ertragsfunktion für Kulturpflanzen wird nur auf tatsächlich landwirtschaftlich genutzten
Flächen als wertgebend betrachtet (vergleiche Kapitel 3.2.2 und [13]). Daraus ergeben sich
folgende Fallgruppen:
Fallgruppe 1: Boden mit schützenswerten Bodenfunktionen auf Trümmerböden,
Fallgruppe 2: Boden mit schützenswerten Bodenfunktionen auf Müllböden,
Fallgruppe 3: Boden mit schützenswerten Bodenfunktionen auf Rieselfeldböden,
Fallgruppe 4: Boden mit schützenswerten Bodenfunktionen auf Gleisanlagen,
Fallgruppe 5: keine besonders schützenswerten Bodenfunktionen vorhanden.
2,4
12,5
0
10
83,5
20
30
Fallgruppe 1
Fallgruppe 4 = 0,7
40
50
Fallgruppe 2 = 0,8
60
70
80
90
100
Fallgruppe 3
Fallgruppe 5
Abbildung 29: Flächenanteile (in Prozent) der verschiedenen Fallgruppen an der geringen Schutzwürdigkeitskategorie
Die folgende Tabelle gibt die verschiedenen Funktionsbewertungskombinationen der Fallgruppe 5 wieder. Die Ertragsfunktion für Kulturpflanzen wurde dabei nicht berücksichtigt.
In den meisten Fällen wird wenigstens eine der betrachteten Bodenfunktionen als „mittel“
bewertet.
Anzahl Flächen
35
48
69
89
360
2.418
2.490
3.321
Tabelle 1:
Regelungsfunktion
gering
gering
gering
mittel
mittel
gering
gering
mittel
Lebensraumfunktion
mittel
gering
mittel
gering
mittel
gering
gering
gering
Puffer- und
Filterfunktion
mittel
mittel
gering
gering
gering
mittel
gering
gering
Archivfunktion
gering
mittel
gering
mittel
gering
gering
gering
gering
Funktionsbewertungskombinationen der Fallgruppe 5 der geringen Schutzwürdigkeitskategorie
Für Böden dieser Kategorie werden keine besonderen Anforderungen an den Bodenschutz
formuliert. Es gelten jedoch die allgemeinen gesetzlichen Anforderungen des Bodenschutzes (BBodSchG 1998, BBodSchV 1999, Bln BodSchG 2004, BauGB 2004).
48
Planungshinweise zum Bodenschutz | 4 Darstellung der Bodenschutzkategorien
Flächenanteile und Versiegelungsgrad
Diese Kategorie bildet mit rund 27.297 Hektar beziehungsweise einem Flächenanteil von
rund 37 Prozent den Hauptteil der in Berlin vorkommenden Böden ab. Dabei weist 71 Prozent der Fläche einen hohen Versiegelungsgrad ab 30 Prozent auf. Rund 10 Prozent der
Fläche hat einen mäßigen Versiegelungsgrad von mehr als 5 Prozent und weniger als
30 Prozent und etwa 19 Prozent einen niedrigen Versiegelungsgrad bis 5 Prozent. In dieser
Kategorie sind 15.126 Hektar unversiegelte Böden enthalten, was einem Anteil von etwas
über 55 Prozent entspricht.
18,9
0
10
71,0
10,1
20
30
40
50
60
70
80
90
100
Versiegelungsgrad 0 bis 5 %
Versiegelungsgrad > 5 bis < 30 %
Versiegelungsgrad 30 bis 100 %
Abbildung 30: Flächenanteile der Versiegelungsklassen an der geringen Schutzwürdigkeitskategorie
Nutzungsklassen
Die Böden mit geringer Schutzwürdigkeit sind zu fast zwei Dritteln in Wohn- und Industriegebieten sowie zu über einem Zehntel auf Flächen sonstiger Nutzungen zu finden. Der
relativ hohe Anteil an gering bewerteten Ackerflächen ist auf eine verbreitete ehemalige
Rieselfeldnutzung zurückzuführen. Aufgrund der vorhandenen Schadstoffbelastung sind
diese von einer Einordnung in eine höhere Schutzkategorie ausgeschlossen.
Wald | 3,6 %
Wiese/Weide | 2,3 %
Acker | 5,0 %
Kleingarten | 1,8 %
Grünanlage/Friedhof | 6,8 %
sonstige Freiflächen | 3,7 %
Siedlungsgebiet | 42,0 %
Industrie/Verkehr | 23,0 %
sonstige Nutzungen | 11,8 %
Abbildung 31: Flächenanteile der Nutzungsklassen an der geringen Schutzwürdigkeitskategorie
49
14.000
11.456
Fläche in Hektar
12.000
10.000
8.000
6.277
6.000
4.000
2.000
3.225
975
1.870
1.363
634
489
0
Wald
Wiese/
Weide
Acker
Kleingarten/
Wochenendhausgebiete
Grünanlage/
Friedhof
1.008
sonstige SiedlungsFreiflächen gebiete
Industrie/ sonstige
Verkehr Nutzungen
Nutzungsklasse
Abbildung 32: Flächen der Nutzungsklassen der geringen Schutzwürdigkeitskategorie
Bodengesellschaften
In dieser Schutzkategorie sind naturnahe Bodengesellschaften nur noch mit weniger als
3 Prozent vertreten. Typisch sind Bodengesellschaften mit Industrienutzung, der Trümmerberge und der ehemaligen Rieselfelder.
Rostbraunerde – vergleyte Braunerde – Gley-Braunerde (1160)
377
Regosol + Rostbraunerde-Regosol + Gley-Regosol (2560)
773
Regosol + Parabraunerde-Regosol (2580)
1.436
Regosol + Rostbraunerde-Regosol + Gley-Regosol (2590)
979
Syrosem + Kalkregosol + Pararendzina (2470)
2.127
Regosol + Pararendzin + Hortisol (2483)
2.480
Pararendzina + Lockersyrosem + Regosol (2487)
2.943
Pararendzina + Lockersyrosem + Regosol (2488)
285
Pararendzina + Lockersyrosem + Regosol (2482)
1.019
Lockersyrosem + Humusregosol + Pararendzina (2490)
1.786
Lockersyrosem + Regosol + Pararendzina (2500)
3.539
Pararendzina + Kalkregosol + Lockersyrosem (2510)
861
Reduktosol + Lockersyrosem + Regosol (2530)
388
Lockersyrosem + Regosol + Pararendzina (2540)
7.119
24 andere Bodengesellschaften mit einem Flächenanteil unter 1 Prozent
1.184
0
2.000
4.000
Fläche in Hektar
Abbildung 33: Flächen der Bodengesellschaften der geringen Schutzwürdigkeitskategorie
(zu den Nummern der Bodengesellschaften siehe Umweltatlas Karte 01.01 [54])
26.522
775
0
5.000
anthropogen
10.000
15.000
Fläche in Hektar
20.000
25.000
naturnah
Abbildung 34: Flächen der naturnahen und anthropogen geprägten Bodengesellschaften der geringen Schutzwürdigkeitskategorie
50
30.000
6.000
8.000
Planungshinweise zum Bodenschutz | 4 Darstellung der Bodenschutzkategorien
Verteilung im Stadtgebiet
Diese Böden bilden häufig größere zusammenliegende Komplexe. Hierbei handelt es sich
vor allem um Flächen mit dichter Bebauung und starker Versiegelung, vorzugsweise in der
Innenstadt. Dazu kommen Industriestandorte an der Spree in Treptow und an der Spree
und Havel in Spandau, sowie in Lichtenberg, Neukölln, Tempelhof und Reinickendorf. Die
dazugehörigen Bodengesellschaften sind überwiegend anthropogen geprägt und haben
sich aus meist sandigen Aufschüttungen entwickelt. Gemeinsam ist diesen Böden eine kurze Entwicklungszeit mit schwach ausgeprägter A-C-Horizontierung. Diese setzen sich vor
allem zusammen aus Lockersyrosemen, Regosolen und Pararendzinen.
Gering versiegelte Flächen dieser Kategorie sind zum großen Teil ehemalige Rieselfelder
aus Regosolen, Parabraunerde-, Rostbraunerde- und Gley-Regosolen im Nordosten Berlins
sowie kleinflächig in Gatow. Hinzu kommen Trümmerberge, Mülldeponien, ehemalige
Industriestandorte und Gleisanlagen. Diese Flächen haben überwiegend aufgrund ihrer potentiellen oder realen Schadstoffgehalte keinen besonderen Schutzstatus erhalten.
Landes- und Bezirksgrenzen
Versiegelungsgrad in Prozent
0 bis 5
> 5 bis < 30
30 bis 100
Gewässer
Abbildung 35: Verteilung der geringen Schutzwürdigkeitskategorie im Stadtgebiet
51
4.6
Grafiken und Statistiken zur Gesamtverteilung der
Bodenschutzkategorien
5
17
0
10
18
20
30
23
40
50
37
60
höchste Schutzwürdigkeit
mittlere Schtzwürdigkeit
sehr hohe Schutzwürdigkeit
geringe Schutzwürdigkeit
70
80
90
100
hohe Schutzwürdigkeit
Abbildung 36: Flächenanteile der Bodenschutzkategorien (ohne Straßen/Gewässer)
Flächenanteil in Prozent
40
30
20
10
0
höchste
Schutzwürdigkeit
sehr hohe
Schutzwürdigkeit
hohe
Schutzwürdigkeit
mittlere
Schutzwürdigkeit
geringe
Schutzwürdigkeit
Versiegelungsgrad 0 bis 5 %
Versiegelungsgrad > 5 bis < 30 %
Versiegelungsgrad 30 bis 100 %
Abbildung 37: Flächenanteile der Bodenschutzkategorien, differenziert nach Versiegelungsklassen (ohne Straßen/Gewässer) [15]
Flächenanteil in Prozent
100
80
60
40
20
0
Wald
Wiese/
Weide
Acker
Kleingarten
Grünanlage/
Friedhof
höchste Schutzwürdigkeit
mittlere Schtzwürdigkeit
sehr hohe Schutzwürdigkeit
geringe Schutzwürdigkeit
sonstige
Freiflächen
Siedlungsgebiete
Industrie/
Verkehr
hohe Schutzwürdigkeit
Abbildung 38: Flächenanteil der Bodenschutzkategorien je Nutzungsklasse (ohne Straßen/Gewässer, nicht alle Nutzungen
dargestellt) [15]
52
Planungshinweise zum Bodenschutz | 4 Darstellung der Bodenschutzkategorien
Flächenanteil in Prozent
100
80
60
40
20
0
höchste
Schutzwürdigkeit
sehr hohe
Schutzwürdigkeit
hohe
Schutzwürdigkeit
mittlere
Schutzwürdigkeit
geringe
Schutzwürdigkeit
Wald
Kleingarten
Siedlungsgebiet
Wiese/Weide
Grünanlage/Friedhof
Industrie/Verkehr
Acker
sonstige Freiflächen
sonstige Nutzungen
Abbildung 39: Flächenanteil der Nutzungsklassen je Bodenschutzkategorie (ohne Straßen/Gewässer) [15]
30.000
27.297
Flächein Hektar
25.000
20.000
17.318
15.000
12.353
13.658
10.702
15.126
12.208
11.480
10.000
5.000
3.413
3.318
0
höchste
Schutzwürdigkeit
Gesamtfläche
sehr hohe
Schutzwürdigkeit
hohe
Schutzwürdigkeit
mittlere
Schutzwürdigkeit
geringe
Schutzwürdigkeit
unversiegelte Fläche
Abbildung 40: Gesamtfläche und unversiegelte Fläche der Bodenschutzkategorien (ohne Straßen/Gewässer) [15]
53
5 Planungshinweise zum Bodenschutz
Mit den Planungshinweisen zum Bodenschutz soll ein Handlungs- und Argumentationsgerüst vorgelegt werden, das dazu dient, die Belange des vorsorgenden Bodenschutzes zu
stärken und die fachlich Beteiligten in Planungsentscheidungen und Planungsabläufen zu
unterstützen.
Dazu wird hier einleitend ein Abriss über die planungsrechtlichen Grundlagen des vorsorgenden Bodenschutzes vorangestellt. In Kapitel 5.1 werden den in Kapitel 4 beschriebenen
Bodenschutzkategorien Anforderungen und Maßnahmenvorschläge zugeordnet. Abschließend werden in Kapitel 5.2 konkrete Maßnahmen zum Schutz vor sowie zum Ausgleich von
Beeinträchtigungen der Bodenfunktionen zusammengestellt, die einen fachgerechten und
sorgsamen Umgang mit dem Boden sowohl im Rahmen der Bauleitplanung als auch im
Zuge konkreter Baudurchführungen und Bauabwicklungen unterstützen sollen.
5.1
Aus den Bodenschutzkategorien abgeleitete Anforderungen und
Maßgaben an die bauplanungsrechtliche Entscheidung
In diesem Kapitel werden die Bodenschutzkategorien mit konkreten Anforderungen und
Handlungsmaßgaben bei der Aufstellung von B-Plänen in Beziehung gesetzt. Diese Anforderungen und Maßgaben sind Inhalt der Umweltatlaskarte 01.13 Planungshinweise zum
Bodenschutz und können über die Sachdatenanzeige des Geoportals Berlin online abgerufen werden.
Diese Handlungsmaßgaben beziehen sich auf die Ebene der verbindlichen Bauleitplanung,
da diese den häufigsten Anwendungsbereich für entsprechende Stellungnahmen der
Bodenschutzbehörden einnimmt. Die Anforderungen lassen sich inhaltlich sinngemäß
übertragen auf Vorhaben nach § 30, § 33 und § 34 BauGB, auf Vorhaben nach Fachplanungsrecht, die einer Plangenehmigung oder Planfeststellung bedürfen sowie auf Vorhaben, die einer behördlichen Bewilligung oder Erlaubnis bedürfen [74].
Ziel des Maßnahmenkataloges ist es einerseits, dem Plangeber einen raschen Überblick
hinsichtlich der Ziele und Maßgaben des Bodenschutzes zu geben. Dies soll eine fachlich
verbesserte und transparentere Entscheidungsfindung im Abwägungsprozess des jeweiligen Planverfahrens unterstützen. Für die zuständige Bodenschutzbehörde sollen sich andererseits eine zügige Einordnung und Bewertung des Planungsfalls und eine Ableitung
gegebenenfalls erforderlicher Maßgaben ergeben.
Im Folgenden werden die aus Bodenschutzsicht planungsrelevanten Anforderungen und
Maßgaben für die einzelnen Kategorien des Bodenschutzes aufgeführt und kurz erläutert.
Hierbei wird jeweils Bezug zu den wertgebenden Bodenfunktionen genommen. Zu betonen
ist in diesem Zusammenhang, dass sich die bewerteten Bodenfunktionen ausschließlich
auf die unversiegelten Anteile der Blockflächen beziehen.
Da die wertgebenden Bodenfunktionen innerhalb der Schutzkategorien (mit unterschiedlicher Wertsetzung) wiederkehren, wiederholen sich zum Teil auch die entsprechenden Anforderungen und Maßgaben.
54
Planungshinweise zum Bodenschutz | 5 Planungshinweise zum Bodenschutz
5.1.1
Höchste Schutzwürdigkeit des Bodens
In dieser Kategorie befinden sich Flächen, die in Bezug auf ihre Leistungsfähigkeit für die
Lebensraumfunktion für naturnahe und seltene Pflanzenarten und/oder die Archivfunktion für die Naturgeschichte als hoch bewertet wurden. Beide Funktionen sind nicht oder nur
sehr langfristig wiederherstellbar. Daher sollten diese Flächen aus Sicht des Bodenschutzes
generell von baulichen Entwicklungen ausgenommen werden und intensiv nach Standortalternativen gesucht werden. Eingriffe in diese Böden bedürfen einer besonderen Begründung.
Sollte hier doch die Aufstellung von B-Plänen vorgesehen werden, gilt es, das Vorgehen im
Einvernehmen mit der zuständigen Bodenschutzbehörde festzulegen und den Eingriff auf
das absolut notwendige Maß zu reduzieren (vergleiche Maßnahmen in Kapitel 5.2).
Wegen der sehr langen Wiederherstellungszeiträume (Lebensraumfunktion) beziehungsweise der Nicht-Wiederherstellbarkeit von Funktionen (Archivfunktion) ist ein direkter
funktionsbezogener Ausgleich nicht darstellbar. Zur Kompensation von Eingriffen käme
bei einem unvermeidbaren Eingriff daher nur eine Aufwertung von Bodenfunktionen gegebenenfalls auch an anderer Stelle als am Eingriffsort in Frage.
Eine ausführliche Beschreibung dieser Schutzkategorie befindet sich in Kapitel 4.1.
Höchste Schutzwürdigkeit des Bodens
Schutzziel und Planungsbeurtei- Eingriffe in den Boden grundsätzlich nicht zulassen (Funktionen des Bodens nicht auslung
gleichbar). Standortalternative vorrangig.
Lebensraumfunktion für naturnahe und seltene PflanzengesellBewertungskriterien
Fallgruppe 1
schaften = hoch
(betroffene Bodenfunktionen)
Vermeidungs- und Minderungs- Standortalternative suchen und prüfen.
maßnahmen
funktionsbezogener Ausgleich
Wegen sehr langer Wiederherstellungszeiträume nicht ausgleichbar.
(im B-Plan festsetzbar, gegebenenfalls auch an anderer Stelle
als am Eingriffsort)
Maßnahmen
–
(in der Regel nicht nach BauGB
festsetzbar, gegebenenfalls im
Rahmen städtebaulicher Verträge regelbar)
sonstige Hinweise
Bei Ausnahmen Einvernehmen mit zuständiger Bodenschutzbehörde herstellen.
Tabelle 2:
Anforderungen und Maßgaben der höchsten Schutzwürdigkeitskategorie (Fallgruppe 1)
55
Höchste Schutzwürdigkeit des Bodens
Schutzziel und Planungsbeurtei- Eingriffe in den Boden grundsätzlich nicht zulassen (Funktionen des Bodens nicht auslung
gleichbar). Standortalternative vorrangig.
Archivfunktion für die Naturgeschichte = hoch
Bewertungskriterien
Fallgruppe 2
(betroffene Bodenfunktionen)
Vermeidungs- und Minderungs- Standortalternative suchen und prüfen.
maßnahmen
funktionsbezogener Ausgleich
Wegen Nicht-Wiederherstellbarkeit nicht ausgleichbar.
(im B-Plan festsetzbar, gegebenenfalls auch an anderer Stelle
als am Eingriffsort)
Maßnahmen
–
(in der Regel nicht nach BauGB
festsetzbar, gegebenenfalls im
Rahmen städtebaulicher Verträge regelbar)
sonstige Hinweise
Bei Ausnahmen Einvernehmen mit zuständiger Bodenschutzbehörde herstellen.
Tabelle 3:
5.1.2
Anforderungen und Maßgaben der höchsten Schutzwürdigkeitskategorie (Fallgruppe 2)
Sehr hohe Schutzwürdigkeit des Bodens
Für Flächen, deren Böden mit sehr hoher Schutzwürdigkeit bewertet wurden, gilt es, geplante Eingriffe prioritär zu vermeiden beziehungsweise in Vereinbarkeit mit anderen Anforderungen geeignete Standortalternativen zu suchen. Unter Zuhilfenahme des bestehenden Schutzstatus anderer Rechtsbereiche sollte dies für die meisten Flächen umsetzbar
sein.
Ein weiteres Ziel ist, keinen Nettoverlust an unversiegeltem Boden und an Funktionen zuzulassen. Dies bedeutet, dass im Fall einer Flächeninanspruchnahme durch geeignete Ausgleichsmaßnahmen sowohl eine ausgeglichene Flächenbilanz (zum Beispiel durch Entsiegelung) und eine ausgeglichene Bilanz der beeinträchtigten Bodenfunktionen (vergleiche
Maßnahmen in Tabelle 4 bis 6) erlangt werden sollte.
Die sehr hohe Schutzkategorie unterteilt sich hinsichtlich ihrer wertgebenden Kriterien in
drei Fallgruppen, aus denen sich insgesamt sieben mögliche Fallgruppenkombinationen
(das heißt, Flächen, die die Kriterien mehrerer Fallgruppen erfüllen) ergeben. Nachfolgend
werden Besonderheiten der drei Fallgruppen differenziert behandelt und abschließend
tabellarisch zusammengefasst. Für Fallgruppenkombinationen sind die Maßgaben der jeweils beteiligten Fallgruppen entsprechend anzuwenden.
Eine ausführliche Beschreibung dieser Schutzkategorie befindet sich in Kapitel 4.2.
Fallgruppe 1
In dieser Fallgruppe befinden sich Flächen, die in Bezug auf ihre Leistungsfähigkeit sowohl
für die Lebensraumfunktion für naturnahe und seltene Pflanzenarten als auch für die
Archivfunktion für die Naturgeschichte als mittel bewertet werden.
Eine mittlere Archivfunktion [13] bedeutet, dass entweder seltene bis sehr seltene Böden
(weniger als 0,4 Prozent der Landesfläche) oder mäßig seltene bis sehr häufige Böden mit
besonderer naturräumlicher Eigenart betroffen sind.
56
Planungshinweise zum Bodenschutz | 5 Planungshinweise zum Bodenschutz
Bei Böden mit einer mittleren Funktion als Standortpotenzial für naturnahe und seltene
Pflanzenarten [13] handelt es sich um,
Böden mit einer hohen Naturnähe (das heißt, aufgrund ihrer aktuellen oder einer früheren Nutzung als wenig verändert eingestuft),
seltene Böden mit mittlerer Naturnähe (das heißt, als mäßig verändert eingestuft),
nasse Sonderstandorte mit mittlerer Naturnähe oder
trockene und nährstoffarme Sonderstandorte.
Im Vordergrund steht das Ziel, Eingriffe prioritär zu vermeiden. Dies erfordert eine Prüfung
von Standortvarianten mit dem Ziel, einen verträglicheren Standort zu finden oder durch
eine veränderte Ausweisung von Baugebieten oder Erschließungsflächen innerhalb des
Geltungsbereichs die Nutzung von Böden geringerer Schutzwürdigkeit zu erreichen. Sollten diese Schritte nicht zu Abwendung von Eingriffen am Standort führen, greifen die Ansätze zur Vermeidung und Minderung erheblicher Beeinträchtigungen des Bodens.
Sind hydromorphe Böden von der Planung betroffen, sollten als zusätzliche Beeinträchtigungen Eingriffe in Fließ- und sonstige Oberflächengewässer vermieden werden. Es sollte
die Minimierung von Grundwasserabsenkungen (zum Beispiel durch Verzicht auf Unterbauung oder durch alternative, grundwasserschonende Bauweisen) angestrebt werden.
Die Ausgleichbarkeit der Lebensraumfunktion mit mittlerer Funktionsausprägung wird bedingt als möglich angesehen.
Ausgleichsmaßnahmen im Sinne des Bodenschutzes beziehen sich ausschließlich auf nasse
beziehungsweise zu vernässende Standorte. Maßnahmen zu (Wieder-)Herstellung trockener und nährstoffarmer Standorte auf im Bestand unversiegelten Flächen kommen allein
aus Bodenschutzsicht kaum in Betracht, da hiermit in der Regel selbst Eingriffe in den Boden
verursacht werden würden. Denkbar sind Bodenschutzmaßnahmen, die im Zusammenhang
mit Maßnahmen des Naturschutzes umgesetzt werden. Diese stehen hier aber nicht im
Vordergrund.
Fallgruppe 2
Bei dieser Fallgruppe handelt es sich um landwirtschaftliche Flächen mit hohem Ertragspotenzial für Kulturpflanzen.
Ein funktionsbezogener Ausgleich kann bei dieser Fallgruppe die Extensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung, zum Beispiel durch geringeren Düngemittel- und Maschineneinsatz oder durch eine Nutzungsänderung von Acker zu Grünland, erreicht werden. Auch das
Erhöhen des Humusgehalts durch Aufbringen von ordnungsgemäß erstelltem organischem
Material der Kompostwirtschaft kann hier eine sinnvolle Maßnahme darstellen.
Fallgruppe 3
In dieser Fallgruppe befinden sich Flächen, die sowohl eine hohe Regelungsfunktion für den
Wasserhaushalt als auch eine hohe Filter- und Pufferfunktion besitzen.
Diese Fallgruppe umfasst zu einem höheren Anteil Siedlungsflächen, insbesondere auf den
Geschiebehochflächen des Barnim und des Teltow. Bauleitpläne werden in diesem Kontext
oft zur Überplanung von Gebieten mit bestehenden Baurechten aufgestellt. Deshalb liegt
hier der Fokus auf der Lenkungswirkung des Bodenschutzes in (teils bereits bebauten) Bestandsgebieten.
57
Hohe Priorität hat sowohl in der Bestandsentwicklung als auch bei der Neuausweisung von
Baugebieten die Minimierung der (zusätzlichen) Versiegelung. Im Bestand ist die Wiedernutzung bereits versiegelter/überformter oder sanierter Teilflächen zu priorisieren. Eine
reduzierte Flächeninanspruchnahme ist durch flächensparendes Bauen, die Verkürzung
von Trassen (reduzierte Ausweisung von Straßen und Stellplätzen) und eine optimierte
Erschließung (optimierte = straßennahe Lage von Garagen und baulichen Nebenanlagen)
erreichbar.
Auch die Ausweisung von Baufenstern kann zu einer kompakten Bebauung beitragen, um
zumindest einen Anteil schützenswerter Flächen zu sichern. Diese können als Grünflächen,
als nicht überbaubare Grundstücksflächen oder als Flächen oder Maßnahmen zum Schutz,
zur Pflege und zur Entwicklung von Boden, Natur und Landschaft festgesetzt werden. Eine
bodenschonende Planung beinhaltet zudem den Ausschluss flächenintensiver Gebäudetypen wie eingeschossige Gebäude oder Einzelhäuser. In Gebieten mit bewegter Geländeoberfläche hat eine Anpassung des Projekts an das Relief zur Minimierung von Erdmassenbewegungen zu erfolgen.
Weitere Festsetzungen können die Verwendung möglichst durchlässiger Befestigungsarten (in Abhängigkeit der Nutzung) und den Ausschluss von Stellplätzen und Nebenanlagen außerhalb der überbaubaren Grundstücksflächen umfassen.
In bebauten Gebieten dieser Fallgruppe mit bestehenden Baurechten sollte der Schutz der
unversiegelten (also funktionsfähigen Böden) durch Begrenzung der baulichen Entwicklung geschützt werden. Als Richtwert sollte für diese Gebiete ein maximaler Versiegelungsgrad von 30 Prozent angestrebt werden. Das entspricht einer maximalen Grundflächenzahl
(GRZmax) inklusive der Flächen für Nebenanlagen (wie Garagen und Stellplätze, Zufahrten,
Terrassen, Nebenanlagen und so weiter) im Sinne von § 19 Abs. 4 Baunutzungsverordnung
(BauNVO) [78] von GRZmax 0,3. Dieser Richtwert zur GRZmax ist ein Vorschlag des Bodenschutzes und stellt keine baurechtliche Vorgabe dar. Er bezieht sich lediglich auf solche
Gebiete, deren Versiegelung im Bestand noch unterhalb des vorgeschlagenen Wertes liegt.
Ein Rückbaugebot für bereits höher versiegelte Flächen lässt sich hieraus nicht ableiten.
58
Planungshinweise zum Bodenschutz | 5 Planungshinweise zum Bodenschutz
Sehr hohe Schutzwürdigkeit des Bodens
Schutzziel und Planungsbeurtei- Eingriffe prioritär vermeiden. Standortalternative vorrangig oder Planung optimieren.
lung
Nettoverlust an unversiegeltem Boden und Funktionen vorrangig vermeiden.
Lebensraumfunktion für naturnahe und seltene PflanzengesellBewertungskriterien
Fallgruppe 1
schaften = mittel UND Archivfunktion für die Naturgeschichte =
(betroffene Bodenfunktionen)
mittel
Vermeidungs- und Minderungs- Standortalternative suchen, Nutzung von Böden geringerer Schutzwürdigkeit.
maßnahmen
Für die Lebensraumfunktion auf nassen Sonderstandorten:
keine Eingriffe in Fließ- und sonstige Oberflächengewässer,
Minimierung von Grundwasserabsenkungen (zum Beispiel durch Verzicht auf Unterbauung, Tiefgaragen) oder durch alternative = grundwasserschonende Bauweisen.
funktionsbezogener Ausgleich
Archivfunktion, seltene Böden und Böden mit hoher Naturnähe nicht wiederherstellbar.
(im B-Plan festsetzbar, gegebe- Für die Lebensraumfunktion auf trockenen und nährstoffarmen Sonderstandorten:
nenfalls auch an anderer Stelle Bodenentsiegelung/Teilentsiegelung von Flächen ansonsten gleicher Wertigkeit
als am Eingriffsort)
Für die Lebensraumfunktion auf nassen Sonderstandorten:
Neuanlage vergleichbarer Sonderstandorte
Renaturierung von Sonderstandorten, zum Beispiel Gestaltung naturnaher Uferbereiche mit Entwicklung von Auenböden (aktuell verbaute Ufer)
Wiedervernässung von Standorten (hydromorphe Böden)
Renaturierung/Rekultivierung anthropogener Rohböden
Maßnahmen
(in der Regel nicht nach BauGB Rekultivierung der Eingriffsfläche (abhängig vom Eingriffstyp)
festsetzbar, gegebenenfalls im Überdecken von baulichen Anlagen (sofern deren Beseitigung unverhältnismäßig)
Rahmen städtebaulicher Verträ- Abtrag von Aufschüttungen und Verfüllungen aus technogenen Substraten
Erosionsschutz durch waldbauliche/ingenieurbiologische Maßnahmen an Steilhängen
ge regelbar)
sonstige Hinweise
Benehmen mit zuständiger Bodenschutzbehörde herstellen.
Tabelle 4:
Anforderungen und Maßgaben der sehr hohen Schutzwürdigkeitskategorie (Fallgruppe 1)
Sehr hohe Schutzwürdigkeit des Bodens
Schutzziel und Planungsbeurtei- Eingriffe prioritär vermeiden. Standortalternative vorrangig oder Planung optimieren.
lung
Nettoverlust an unversiegeltem Boden und Funktionen vorrangig vermeiden.
Ertragsfunktion für Kulturpflanzen = hoch UND FlächennutBewertungskriterien
Fallgruppe 2
zung Acker oder Grünland oder Baumschule/Gartenbau
(betroffene Bodenfunktionen)
Vermeidungs- und Minderungs- Standortalternative suchen, Nutzung von landwirtschaftlichen Flächen geringerer
maßnahmen
Wertigkeit
Ausweisung von Baufenstern
Ausschluss von Stellplätzen und Garagen nach § 12 der BauNVO außerhalb der
überbaubaren Grundstücksflächen
Ausschluss von Nebenanlagen im Sinne von § 14 BauNVO außerhalb der überbaubaren Grundstücksflächen
funktionsbezogener Ausgleich
Nutzungsextensivierung durch Nutzungsänderung
(im B-Plan festsetzbar, gegebe- Erhöhen des Humusgehalts
nenfalls auch an anderer Stelle Anreichern der Landschaft mit landschaftsgliedernden Elementen wie Hecken oder
als am Eingriffsort)
Baumreihen
Maßnahmen
Kalkung, gegebenenfalls nach Gegebenheiten (in Abhängigkeit des pH-Wertes)
(in der Regel nicht nach BauGB Bodenruhe durch Anbau mehrjähriger landwirtschaftlicher Kulturen ohne mechanische Bodenbearbeitung
festsetzbar, gegebenenfalls im
Rahmen städtebaulicher Verträ- Verringerung des Betriebsmitteleinsatzes
ge regelbar)
sonstige Hinweise
Abstimmen mit zuständiger Bodenschutzbehörde.
Tabelle 5:
Anforderungen und Maßgaben der sehr hohen Schutzwürdigkeitskategorie (Fallgruppe 2)
59
Sehr hohe Schutzwürdigkeit des Bodens
Schutzziel und Planungsbeurtei- Eingriffe prioritär vermeiden. Standortalternative vorrangig oder Planung optimieren.
lung
Nettoverlust an unversiegeltem Boden und Funktionen vorrangig vermeiden.
Bewertungskriterien
Fallgruppe 2
Regelungsfunktion für den Wasserhaushalt = hoch
UND Puffer- und Filterfunktion = hoch
(betroffene Bodenfunktionen)
Vermeidungs- und Minderungs- Nutzung von Böden geringerer Schutzwürdigkeit
maßnahmen
Minimierung (zusätzlicher) Versiegelung
Nutzung bereits versiegelter/überformter oder sanierter Teilflächen
reduzierte Flächeninanspruchnahme (zum Beispiel flächensparendes Bauen, Verkürzung von Trassen, optimierte Erschließung, straßennahe Lage von Garagen und
baulichen Nebenanlagen)
Ausweisung von Baufenstern
Vermeidung flächenintensiver Gebäudetypen (eingeschossig, Einzelhäuser und so
weiter)
Anpassung des Projekts an das Relief zur Minimierung von Erdmassenbewegungen
reduzierte Ausweisung von Straßen und Stellplätzen
Verwendung möglichst durchlässiger Befestigungsarten (in Abhängigkeit der Nutzung)
Ausschluss von Stellplätzen und Garagen nach § 12 BauNVO außerhalb der überbaubaren Grundstücksflächen
Ausschluss von Nebenanlagen im Sinne von § 14 BauNVO außerhalb der überbaubaren Grundstücksflächen
in bebauten Gebieten mit bestehenden Baurechten: Schutz der unversiegelten
Böden durch Begrenzung der baulichen Entwicklung (Orientierungswert:
GRZmax 0,3 im Sinne von § 19 Abs. 4 BauNVO)
funktionsbezogener Ausgleich
Bodenentsiegelung/Teilentsiegelung
(im B-Plan festsetzbar, gegebe- Regenwasserrückhaltung, Regenwassernutzung
nenfalls auch an anderer Stelle Regenwasserversickerung (Einsatz zum Beispiel von Mulden-Rigolen- und Rigolenals am Eingriffsort)
Systemen)
Verwendung möglichst wasserdurchlässiger Befestigungsarten (in Abhängigkeit der
Nutzung)
Dachbegrünung (im Einzelfall)
Maßnahmen
Vergrößerung der durchwurzelbaren Bodenschicht bis 2 Meter Mächtigkeit
(in der Regel nicht nach BauGB Wiedervernässung ehemals grundwassergeprägter Standorte
festsetzbar, gegebenenfalls im Renaturierung/Rekultivierung anthropogener Rohböden
Rahmen städtebaulicher
Kalkung, gegebenenfalls nach Gegebenheiten (in Abhängigkeit des pH-Wertes)
Verträge regelbar)
mechanisches und biologisches Tiefenlockern, gegebenenfalls mit Untergrundmelioration
sonstige Hinweise
Abstimmen mit zuständiger Bodenschutzbehörde.
Tabelle 6:
5.1.3
Anforderungen und Maßgaben der sehr hohen Schutzwürdigkeitskategorie (Fallgruppe 3)
Hohe Schutzwürdigkeit des Bodens
In diese Schutzkategorie fallen Flächen, die entweder eine hohe Regelungsfunktion für den
Wasserhaushalt oder eine hohe Filter- und Pufferfunktion besitzen. Im Vergleich der Fallgruppe 3 der sehr hohen Schutzkategorie ist also nur eine der beiden relevanten Bodenfunktionen betroffen.
Trotz der geringeren Schutzwürdigkeit, sollte ein Nettoverlust an Flächen und Funktionen
möglichst vermieden oder ausgeglichen werden. Die entsprechenden Maßnahmen gleichen denen der bei der sehr hohen Schutzkategorie Fallgruppe 3 beschriebenen Maßnahmen, da grundsätzlich die gleichen Bodenfunktionen betroffen sind.
60
Planungshinweise zum Bodenschutz | 5 Planungshinweise zum Bodenschutz
Eine ausführliche Beschreibung dieser Schutzkategorie befindet sich in Kapitel 4.3.
Hohe Schutzwürdigkeit des Bodens
Schutzziel und Planungsbeurtei- Eingriffe vorrangig vermeiden. Planung optimieren. Nettoverlust an Fläche und Funktilung
onen vorrangig vermeiden.
Bewertungskriterien
Regelungsfunktion für den Wasserhaushalt = hoch
(betroffene Bodenfunktionen)
ODER (exklusiv)
Puffer- und Filterfunktion = hoch
Vermeidungs- und Minderungs- Minimierung (zusätzlicher) Versiegelung
maßnahmen
Nutzung von Böden geringerer Schutzwürdigkeit
Nutzung bereits versiegelter/überformter oder sanierter Teilflächen
reduzierte Flächeninanspruchnahme (zum Beispiel flächensparendes Bauen, Verkürzung von Trassen, optimierte Erschließung, straßennahe Lage von Garagen und
baulichen Nebenanlagen)
Ausweisung von Baufenstern
Vermeidung flächenintensiver Gebäudetypen (eingeschossig, Einzelhäuser und so
weiter)
Anpassen des Projekts an das Relief zur Minimierung von Erdmassenbewegungen
reduzierte Ausweisung von Straßen und Stellplätzen
Ausschluss von Stellplätzen und Garagen nach § 12 BauNVO außerhalb der überbaubaren Grundstücksflächen
Ausschluss von Nebenanlagen im Sinne von § 14 BauNVO außerhalb der überbaubaren Grundstücksflächen
in bebauten Gebieten mit bestehenden Baurechten: Schutz der unversiegelten Böden durch Begrenzung der baulichen Entwicklung (Orientierungswert:
GRZmax 0,4 im Sinne von § 19 Abs. 4 BauNVO)
funktionsbezogener Ausgleich
Bodenentsiegelung/Teilentsiegelung
(im B-Plan festsetzbar, gegebe- Regenwasserrückhaltung
nenfalls auch an anderer Stelle Regenwassernutzung (Zisternen)
als am Eingriffsort)
Regenwasserversickerung (Einsatz zum Beispiel von Mulden-Rigolen- und RigolenSystemen)
Verwendung möglichst wasserdurchlässiger Befestigungsarten (in Abhängigkeit der
Nutzung)
Dachbegrünung (im Einzelfall)
Maßnahmen
Vergrößerung der durchwurzelbaren Bodenschicht bis 2 Meter Mächtigkeit
(in der Regel nicht nach BauGB Wiedervernässung ehemals grundwassergeprägter Standorte
festsetzbar, gegebenenfalls im Renaturierung/Rekultivierung anthropogener Rohböden
Rahmen städtebaulicher
Kalkung, gegebenenfalls nach Gegebenheiten (in Abhängigkeit des pH-Wertes)
Verträge regelbar)
sonstige Hinweise
Benehmen mit zuständiger Bodenschutzbehörde herstellen.
Tabelle 7:
Anforderungen und Maßgaben der hohen Schutzwürdigkeitskategorie
5.1.4
Mittlere Schutzwürdigkeit des Bodens
In diese Schutzkategorie fallen Flächen, die sowohl eine mittlere Regelungsfunktion für
den Wasserhaushalt als auch eine mittlere Filter- und Pufferfunktion besitzen.
Die Klasse stellt mit 23 Prozent den größten Flächenteil. Haben in den vorstehenden
Schutzkategorien noch die Flächen mit einem niedrigen bis mäßigen Versiegelungsgrad
unter 30 Prozent dominiert, so wird diese Klasse vor allem durch Flächen mit einem hohen
Versiegelungsgrad von mehr als 30 Prozent geprägt.
61
Diese erstrecken sich insbesondere auf den Siedlungsbereich der Hochflächen, zum Teil
auch innerhalb des S-Bahn-Ringes. Wegen der hier anzutreffenden intensiven Bau- und
Planungstätigkeit erscheint es auf der gegenwärtigen rechtlichen und instrumentellen
Grundlage unrealistisch, einen Nettoverlust an Fläche dieser Schutzkategorie zu vermeiden. Daher ist hier der Fokus darauf, einen Nettoverlust an Funktionen zu vermeiden und
den Nettoverlust an Flächen so gering wie möglich zu halten.
Die Maßnahmen zur Vermeidung und zum Ausgleich gleichen denen im vorigen Abschnitt,
da grundsätzlich die gleichen Bodenfunktionen betroffen sind.
Eine ausführliche Beschreibung dieser Schutzkategorie befindet sich in Kapitel 4.4.
Mittlere Schutzwürdigkeit des Bodens
Schutzziel und Planungsbeurtei- Eingriffe vermeiden oder ausgleichen. Planung optimieren. Nettoverlust an Fläche und
lung
Funktionen weitgehend vermeiden oder ausgleichen.
Bewertungskriterien
Regelungsfunktion für den Wasserhaushalt = mittel
UND Puffer- und Filterfunktion = mittel
(betroffene Bodenfunktionen)
Vermeidungs- und Minderungs- Nutzung von Böden mit geringer Schutzwürdigkeit
maßnahmen
Nutzung bereits versiegelter/überformter oder sanierter Teilflächen
reduzierte Flächeninanspruchnahme (zum Beispiel flächensparendes Bauen, Verkürzung von Trassen, optimierte Erschließung, straßennahe Lage von Garagen und
baulichen Nebenanlagen
Ausweisung von Baufenstern
Vermeidung flächenintensiver Gebäudetypen (eingeschossig, Einzelhäuser und so
weiter)
Anpassen des Projekts an das Relief zur Minimierung von Erdmassenbewegungen
reduzierte Ausweisung von Straßen und Stellplätzen
Optimierung von Abstandsflächen (Unterschreitungsmöglichkeiten des Bau- und
Bauordnungsrechts prüfen)
in bebauten Gebieten mit bestehenden Baurechten: Schutz der unversiegelten
Böden durch Begrenzung der baulichen Entwicklung (Orientierungswert:
GRZmax 0,5 im Sinne von § 19 Abs. 4 BauNVO)
funktionsbezogener Ausgleich
Bodenentsiegelung/Teilentsiegelung
(im B-Plan festsetzbar, gegebe- Regenwasserrückhaltung
nenfalls auch an anderer Stelle Regenwassernutzung (Zisternen)
als am Eingriffsort)
Regenwasserversickerung (Einsatz zum Beispiel von Mulden-Rigolen- und RigolenSystemen)
Verwendung möglichst wasserdurchlässiger Befestigungsarten (in Abhängigkeit der
Nutzung)
Dachbegrünung (im Einzelfall)
Maßnahmen
Vergrößerung der durchwurzelbaren Bodenschicht bis 2 Meter Mächtigkeit
(in der Regel nicht nach BauGB Wiedervernässung ehemals grundwassergeprägter Standorte
festsetzbar, gegebenenfalls im Renaturierung/Rekultivierung anthropogener Rohböden
Rahmen städtebaulicher
Kalkung, gegebenenfalls nach Gegebenheiten (in Abhängigkeit des pH-Wertes)
Verträge regelbar)
sonstige Hinweise
Benehmen mit zuständiger Bodenschutzbehörde herstellen.
Tabelle 8:
62
Anforderungen und Maßgaben der mittleren Schutzwürdigkeitskategorie
Planungshinweise zum Bodenschutz | 5 Planungshinweise zum Bodenschutz
5.1.5 Geringe Schutzwürdigkeit des Bodens (Böden ohne besondere
Anforderungen)
Die Böden mit geringer Schutzwürdigkeit setzen sich aus fünf Fallgruppen zusammen. Die
ersten vier Fallgruppen umfassen Flächen, die zwar teilweise über eine hohe Funktionsfähigkeit verfügen, aufgrund von bestehenden oder potenziellen Schadstoffbelastungen jedoch keiner höheren Schutzkategorie zugeordnet werden (zum Beispiel Puffer- und Filterfunktion der Rieselfelder oder Trümmerschuttböden). Diese Fallgruppen werden anhand
der sogenannten Ausschluss-Bodengesellschaften (Trümmerböden, Müllböden, Rieselfeldböden und Gleisanlagen (vergleiche Kapitel 3.3.1 und [13]) differenziert. Fallgruppe 5 deckt
abschließend solche Böden ab, deren Bodenfunktionen keine besondere Leistungsfähigkeit
aufweisen.
Für diese Fallgruppen gelten keine besonderen Auflagen oder Schutzanforderungen. Bei
der Bauleitplanung sind die allgemeinen gesetzlichen Anforderungen des Bodenschutzes
und – insbesondere bei den Fallgruppen 1 bis 4 – mögliche Gefährdungen durch Schadstoffbelastungen zu beachten. Allgemein sollte es Ziel sein, auf diesen Flächen die Bodenfunktionen zu verbessern und gegebenenfalls wiederherzustellen.
Eine ausführliche Beschreibung dieser Schutzkategorie befindet sich in Kapitel 4.5.
Geringe Schutzwürdigkeit des Bodens (Böden ohne besondere Anforderungen)
Schutzziel und Planungsbeurtei- Es gelten die allgemeinen gesetzlichen Anforderungen des Bodenschutzes.
lung
(Wieder-)Nutzung dieser Flächen anstreben. Bodenfunktionen verbessern beziehungsweise wiederherstellen.
Eingriffsbeurteilung
keine besonderen Auflagen oder Schutzanforderungen
Bewertungskriterien
Fallgruppe 1
Boden mit schützenswerten Bodenfunktionen
(betroffene Bodenfunktionen)
auf Trümmerböden
Fallgruppe 2
Boden mit schützenswerten Bodenfunktionen
auf Müllböden
Fallgruppe 3
Boden mit schützenswerten Bodenfunktionen
auf Rieselfeldböden
Fallgruppe 4
Boden mit schützenswerten Bodenfunktionen
auf Gleisanlagen
Fallgruppe 5
keine besonders schützenswerten Bodenfunktionen vorhanden
Vermeidungs- und Minderungs- Es gelten die allgemeinen gesetzlichen Anforderungen des Bodenschutzes.
maßnahmen
mögliche Gefährdungen durch Schadstoffbelastungen beachten
funktionsbezogener Ausgleich
Bodenfunktionen verbessern und gegebenenfalls wiederherstellen
(im B-Plan festsetzbar, gegebenenfalls auch an anderer Stelle
als am Eingriffsort)
Maßnahmen
–
(in der Regel nicht nach BauGB
festsetzbar, gegebenenfalls im
Rahmen städtebaulicher
Verträge regelbar)
sonstige Hinweise
Tabelle 9:
–
Anforderungen und Maßgaben der geringen Schutzwürdigkeitskategorie
63
5.2
Maßnahmen zur Vermeidung, Minderung und zum Ausgleich von
schädlichen Bodenveränderungen, Monitoring
5.2.1 Vermeidungs- und Minderungsmaßnahmen im
Bebauungsplanverfahren
Im Folgenden werden Maßnahmen benannt, die als bodenspezifische Vermeidungs- und
Minderungsmaßnahmen als Festsetzungen in einen B-Plan aufgenommen werden können.
Weitere Vermeidungs- und Minderungsmaßnahmen, die Baudurchführung betreffen und
nicht im B-Plan festgesetzt werden können (zum Beispiel Schutz des Mutterbodens, fachgerechtes Lagern und Einbringen von Bodenmaterial, Bodenkundliche Baubegleitung
(BBB)), werden in einem gesonderten Abschnitt benannt (siehe Kapitel 5.2.4).
Standortalternativen für Böden mit höherer Schutzwürdigkeit
Planungsalternativen sind vor allem auf Ebene der Flächennutzungsplanung relevant. Im
B-Plan können in der Regel nur noch kleinflächige Maßnahmen zur Feinsteuerung der Flächeninanspruchnahme vorgenommen werden:
Innenentwicklung und Nutzungsintensivierung,
Bebauung ehemals baulich genutzter Flächen und Reaktivierung von Gewerbebrachen,
Bebauung vorrangig auf Böden mit geringer Schutzwürdigkeit.
Freihaltung von Böden mit höherer Schutzwürdigkeit
Es kommen insbesondere folgende Festsetzungen nach § 9 BauGB in Betracht:
nicht überbaubare Grundstücksflächen (§ 9 Abs. 1 Nr. 2) in Verbindung mit § 23
BauNVO (Baulinien, Baugrenzen, Bebauungstiefen) [78];
Spiel-, Freizeit- und Erholungsflächen (§ 9 Abs. 1 Nr. 4);
Flächen, die von der Bebauung freizuhalten sind, und ihre Nutzung (§ 9 Abs. 1 Nr. 10);
öffentliche und private Grünflächen (§ 9 Abs. 1 Nr. 15);
Flächen für die Landwirtschaft und Wald (§ 9 Abs. 1 Nr. 18);
Flächen oder Maßnahmen zum Schutz, zur Pflege und zur Entwicklung von Boden,
Natur und Landschaft (§ 9 Abs. 1 Nr. 20);
von Bebauung freizuhaltende Schutzflächen und ihre Nutzung (§ 9 Abs. 1 Nr. 24);
Flächen mit Pflanzbindungen (§ 9 Abs. 1 Nr. 25) sowie
Ausgleichsflächen (§ 9 Abs. 1a) [74].
Flächensparende und bodenschonende Bauweisen
Minimierung von Erschließungsflächen (Tiefgaragen, straßennahe Lage von Garagen);
verdichtete Bauweisen (hohe Grund- und Geschossflächenzahlen, grenzständige Bebauung und Abstandflächenüberschneidungen prüfen) auf Böden mit geringer Schutzwürdigkeit zugunsten von Böden mit höherer Schutzwürdigkeit sowie
Anpassung städtebaulicher Planungen an den Geländeverlauf zur Vermeidung größerer Erdmassenbewegungen.
Technische Maßnahmen zum Erhalt der Regelungsfunktion für den Wasserhaushalt
Überdeckung baulicher Anlagen (zum Beispiel Tiefgaragen, Dachbegrünungen);
Verwendung von versickerungsfähigen Belägen;
Festsetzung von dezentralen Versickerungsanlagen (Versickerung über eine belebte
Bodenschicht, Versickerung über Rigolen) sowie
gebündeltes Abführen und Reinigen gegebenenfalls kontaminiertem Niederschlagswasser (zum Beispiel von Parkplätzen, Betriebshöfen).
64
Planungshinweise zum Bodenschutz | 5 Planungshinweise zum Bodenschutz
Quantifizierung/Anrechnung von Vermeidungs- und Minderungsmaßnahmen
Die unter „Standortalternativen“, „Freihaltung von Böden“ und „flächensparende Bauweisen“ genannten Maßnahmen führen tatsächlich zu einer geringeren Inanspruchnahme
wertvoller Böden und sind mit dem „Verfahren zur Bewertung und Bilanzierung von Eingriffen im Land Berlin“ [52] quantifizierbar. Für die „technischen Maßnahmen“ trifft die
Methodik keine übertragbaren Aussagen. Es bedarf daher einer plausiblen Darlegung der
Quantifizierung im Einzelfall.
Sonderfall Archivböden
Da die Archivfunktion nicht wiederherstellbar ist, sollten Böden, die diese Funktion in besonderer Weise erfüllen, nicht überplant werden. Vor der Bebauung von Böden mit hohem
Funktionserfüllungsgrad oder nicht ersetzbarer Böden, sollten alle anderweitigen Planungsmöglichkeiten geprüft werden. Ist ein Eingriff in Archivböden nicht vermeidbar, ist zu
prüfen, ob eine Dokumentation und Archivierung des Denkmals mittels Rettungsgrabungen erforderlich ist. Sind Bodendenkmäler betroffen, ist die Denkmalschutzbehörde zu beteiligen.
5.2.2
Ausgleichsmaßnahmen im Bebauungsplanverfahren
Es sollte nach Möglichkeit ein bodenfunktionsbezogener Ausgleich angestrebt werden. Die
Wiederherstellung der verschiedenen Bodenfunktionen ist mit unterschiedlichem zeitlichen Aufwand und Risiken verbunden:
Wasserhaushaltsfunktion sowie die Puffer- und Filterfunktion sind in der Regel auch
kurzfristig weitestgehend ausgleichbar;
die Ertragsfunktion ist mittelfristig und mit größerem Aufwand wiederherstellbar;
die Naturnähe, die ein wesentliches Kriterium für eine hohe Bewertung des Standortpotenzials für natürliche und seltene Pflanzengesellschaften darstellt, ist nur sehr bedingt und langfristig ausgleichbar sowie
die Archivfunktion kann nicht wiederhergestellt werden.
Böden mit hohem Funktionserfüllungsgrad können nicht weiter aufgewertet werden. Der
wirksamste Ausgleich im Sinne des Bodenschutzes besteht prinzipiell in der Entsiegelung,
da versiegelte Flächen keine natürlichen Bodenfunktionen erfüllen.
Maßnahmen zur Verbesserung aller Bodenfunktionen außer der Archivfunktion
Entsiegelung,
Überdeckung baulicher Anlagen,
Abtrag von Aufschüttungen oder Verfüllungen aus technogenen Substraten,
(Tiefen-)Lockerung verdichteter Böden sowie
Rekultivierung und Oberbodenauftrag.
Maßnahmen zur Verbesserung einzelner Bodenfunktionen
Wiedervernässung ehemals grundwassergeprägter oder staunasser Standorte sowie
Beseitigung/Sanierung/Sicherung oder Immobilisierung von Schadstoffbelastungen.
Entsiegelungspotenziale in Berlin
Um einen besseren Überblick über verfügbare Entsiegelungsflächen und deren aktive Einbeziehung in Planungs- und Abwägungsentscheidungen zu erreichen, wurde das Projekt
„Entsiegelungspotenziale in Berlin“ [63] ins Leben gerufen (Umweltatlaskarte 01.16 [64]).
65
Im Rahmen des Projektes wurden Entsiegelungspotenziale systematisch erfasst und bewertet, um Flächen ausfindig zu machen, die in absehbarer Zukunft dauerhaft entsiegelt
werden können. Soweit möglich, sollen auf diesen Flächen die Funktionsfähigkeit des Bodens wiederhergestellt und naturschutzfachlich wertvolle Lebensräume für Pflanzen und
Tiere entwickelt werden. Die gesamtstädtische Erfassung und einheitliche Systematik bei
der Bewertung der erfassten Flächen soll die räumliche Entkopplung zwischen den Orten
der Beeinträchtigung und der Aufwertung unterstützen.
Zurzeit befinden sich rund 250 Einzelflächen im Kataster der potenziellen Entsiegelungsflächen im Land Berlin. Sie besitzen eine Gesamtfläche von etwa 5.610 Hektar mit Flächengrößen von 7 bis 450.000 Quadratmeter (Stand Dezember 2019). Die Datenbank wird kontinuierlich gepflegt und aktualisiert [63].
Im Rahmen des Projektes wurden zudem zwei Arbeitshilfen erarbeitet, die auf der Internetseite des Referats Bodenschutz zum Download zur Verfügung stehen:
„Orientierende Kostenschätzung für Entsiegelungsmaßnahmen“
Auf Grundlage einer Typisierung nach baulichen Merkmalen und der Zuordnung
vereinfachter Kostenansätze für Abbruchmaßnahmen können die zu erwartenden
Rückbaukosten für die jeweilige Entsiegelungsmaßnahme überschlägig abgeschätzt
werden. Über eine editierbare Eingabedatei kann die Ermittlung orientierender Kostenansätze für Entsiegelungsmaßnahmen [65] für alle am Projekt Beteiligte erfolgen.
„Wiederherstellung der natürlichen Bodenfunktionen nach einer Entsiegelung“
Die Arbeitshilfe setzt sich aus zwei Teilen zusammen: Einer Literaturrecherche im
deutschsprachigen Raum und dem darauf aufbauenden Leitfaden zu technischen und
qualitativen Standards zur Wiederherstellung einer durchwurzelbaren Bodenschicht
unter Berücksichtigung standörtlicher und planerischer Rahmenbedingungen [53].
5.2.3
Bau- und umsetzungsbezogene Maßnahmen
Die Planungshinweise zum Bodenschutz sind vornehmlich für die Stärkung der Belange
des vorsorgenden Bodenschutzes auf Ebene vorbereitender Planungen – insbesondere der
Bauleitplanung – ausgerichtet. Auf dieser Ebene sind Vorhaben häufig noch relativ abstrakt und eine konkrete Umsetzung nicht immer absehbar. Dennoch wurde hier eine nicht
abschließende Liste von Schutzmaßnahmen zusammengestellt, die bei der Baudurchführung aus Bodenschutzsicht im Sinne einer guten fachlichen Praxis in angemessenem Rahmen beachtet werden sollen.
Wenn absehbar ist, dass schützenswerte Böden überplant oder beeinträchtigt werden, sollte im Rahmen der Behördenbeteiligung gegebenenfalls auf die Notwendigkeit entsprechender Maßnahmen aufmerksam gemacht werden, damit diese entweder als verbindliche
Regelung in einem städtebaulichen Vertrag gesichert oder zumindest als Hinweis in die
Begründung aufgenommen werden können. Sofern Belange des Bodenschutzes durch die
Planung berührt werden, die auf dieser Planungsebene nicht abschließend geregelt werden können, sollte zudem ein Hinweis in die Begründung aufgenommen werden, dass eine
Beteiligung der Bodenschutzbehörde im weiteren Planungsverlauf notwendig sein wird.
Die folgenden Maßnahmen oder Anforderungen sind gegliedert nach möglichen Beeinträchtigungsformen des Bodens, die vor, während und nach der Baudurchführung auftreten können. Es handelt sich um Maßnahmen zum Schutz und zur Regeneration von Böden.
66
Planungshinweise zum Bodenschutz | 5 Planungshinweise zum Bodenschutz
Durch einen Teil der Maßnahmen werden die Schnittstellen zwischen Boden- und Abfallrecht
berührt. Insbesondere zum Ein- und Aufbringen von Boden existieren Regelungen zur Verwertung von Bodenmaterial. Diese Spezialregelungen der Fachbehörden bleiben unberührt.
Vermeidung und Reduzierung von Bodenversiegelung
Entsiegelung (Abbruch voll- oder teilversiegelter Flächen und Gebäude, Etablierung
funktionsfähiger Böden);
Renaturierung/Rekultivierung anthropogener Rohböden;
Wiederherstellen einer durchwurzelbaren Bodenschicht;
Umwandlung vollversiegelter Flächen in teilversiegelte Flächenbeläge;
Einrichten von baulogistischen Einrichtungen auf bereits versiegelten/verdichten Flächen;
baubegleitende Eingriffe auf bereits baulich genutzte Flächen konzentrieren.
Vermeidung und Reduzierung von Bodenverdichtung
Untergrund wird vor dem Auftrag des Unter- beziehungsweise Oberbodens gelockert;
platzsparende Lagerung;
Tiefenlockerung stark verdichteter Böden, Bodenlockerung nach Möglichkeit getrennt
für Unter- und Oberboden durchführen;
Schüttung von Holzschnitzel (50 Zentimeter Höhe) auf trockenem Oberboden/auf
Geotextil;
Reduzieren der Radlasten;
Reduzieren des Kontaktflächendrucks (Verwendung von Breitreifen, Ketten);
Verzicht auf Befahren und Bearbeitung von zu feuchten Böden (vor allem von besonders
verdichtungsempfindlichen Böden), Verlegen des Befahrungszeitpunktes in trockene
Zeiträume, Beachtung der Maßgaben der Deutsches Institut für Normung (DIN) 19731
zur Mindestfestigkeit von Böden;
gezielte Trassenauswahl, Konzept zum Reduzieren der Überfahrtenzahl;
Oberboden nur mit Kettenfahrzeugen befahren;
Schutz verdichtungsempfindlicher Böden durch Aufstellen von Bauzäunen;
Begrenzung der Baustelleneinrichtung (Schutz nicht überplanter Flächen);
Schutz/Einzäunung von Flächen, die nicht befahren/beeinträchtigt werden sollen;
Schütten von Bodendepots auf Langgrasflächen oder auf Getreidestoppeln (Erleichterung des Wiedereinbaus);
vorbereitende Begrünung zur biologischen Entwässerung (Transpiration).
Vermeidung und Reduzierung von Bodenüberformungen
Es gelten die einschlägigen Vorschriften nach § 13 BBodSchG [71] und § 12 BBodSchV [72]
sowie die Technischen Regeln Länderarbeitsgemeinschaft Abfall (LAGA) M20.
Einsatz von fremdem Bodenmaterial ist dann unschädlich, wenn die Bodenfunktionen
nicht nachhaltig beeinträchtigt werden, zum Beispiel, wenn das aufgebrachte Material
die gleiche (oder bessere) Eignungsgruppe wie der anstehende Boden aufweist (chemische, physikalische, biologische und hygienische Beschaffenheit);
Verdünnungsverbot von maßgeblichen Konzentrationen bodengefährdender Stoffe;
Einbau des neuen Bodens nach dem Grundsatz „Gleiches zu Gleichem“;
Deklaration und Herkunftsnachweis des aufgebrachten Materials;
Einbauboden enthält maximal unter 10 Volumen-Prozent bodenfremde mineralische
Anteile;
Einbauboden enthält unter 30 Volumen-Prozent Grobbodenanteil;
Auftragshöhe von Oberboden bis maximal 30 Zentimeter;
sachgerechte, schonende Bodenlagerung;
67
sachgerechter Wiedereinbau des Bodens;
Schütten von Bodendepots (Erleichterung Wiedereinbau);
Erhöhen der Bodenfruchtbarkeit/Ertragspotenzial durch Aufbringen neuen Materials;
Auslegen von Baggermatratzen direkt auf bewachsenen Oberboden;
Abtrag von Bodenüberformungen (insbesondere von technogenen Substraten wie zum
Beispiel Bauschutt).
Vermeidung und Reduzierung von Bodenabtrag und Zwischenlagerung
Es gelten die einschlägigen Vorschriften der Vollzugshilfe LAGA Teil II (Technische Regeln
zur Verwertung mineralischer Abfälle, Anwendung in Berlin seit 12. Januar 2006).
weitgehende Verwendung von Bodenaushub vor Ort;
Minimierung von Massenbewegungen;
Sicherstellung der Entwässerung von Haufwerken (einschließlich Oberflächen- und
Hangwasserabfluss), Gefälle der Oberfläche mindestens 6 Prozent nach außen;
sachgerechte Zwischenlagerung von Oberboden und Wiedereinbau des Oberbodens
(DIN 18915, DIN 19731);
platzsparende Deponierung;
möglichst kurze Lagerung von Bodenmaterial;
Ober- und Unterboden werden getrennt abgetragen;
Ober- und Unterboden werden getrennt gelagert und getrennt wieder eingebaut;
Oberbodendepots maximal 2 Meter Höhe (DIN 19731), Unterbodendepots maximal
4 Meter Höhe;
Zwischenlagerung auf bereits verdichteten oder wenig verdichtungsempfindlichen Flächen;
Bodenpflege während der Lagerung durch Begrünung (zum Beispiel mittels tiefwurzelnder Luzerne-Kleegrasmischung);
Anlegen einer dauerhaften Bodenbedeckung durch Einsaat, Anpflanzen oder Mulchen
nach Eingriffen in Böden;
bodenschonendes Auf- und Einbringen von standorttypischem Bodenmaterial zur Herstellung einer durchwurzelbaren Bodenschicht;
Leitungsschachtungen auf dem kürzesten Wege und in möglichst geringer Tiefe vornehmen;
Eingriffe in Böden vorrangig zu Zeiten der Vegetationsruhe beziehungsweise geringer
bodenbiologischer Aktivität;
Erstellen eines Bodenmanagementplans, in dem die oben genannten Punkte geregelt
sind.
Vermeidung und Reduzierung von Beeinträchtigungen der Regelungsfunktion für den
Wasserhaushalt
Minimierung von Grundwasserabsenkungen bei grundwasserbeeinflussten Böden
(zum Beispiel durch Verzicht auf Unterbauung, Tiefgaragen oder durch alternative =
grundwasserschonende Bauweisen;
bei unabwendbaren Grundwasserabsenkungen im Bereich grundwasserbeeinflusster
Böden: möglichst enge zeitliche Befristung;
Minimierung der Folgen durch Gewässeraufstau;
Drainagen vermeiden;
Regenwassernutzung (Zisternen);
Regenwasserrückhaltung;
Regenwasserversickerung;
Verwendung möglichst durchlässiger Befestigungsarten (in Abhängigkeit der Nutzung);
(zentrale) Versickerung mit vorgeschalteter Reinigung statt Bankettversickerung.
68
Planungshinweise zum Bodenschutz | 5 Planungshinweise zum Bodenschutz
Vermeidung und Reduzierung von stofflicher Belastung
Schutzmaßnahmen bei Zwischenlagerung bodengefährdender Stoffe;
Beseitigen von Abfall, der bei der Be-/Verarbeitung von Baustoffen anfällt, Bauschutt
und Bauabfälle ordnungsgemäß entsorgen;
nur Verwendung von boden- und grundwasserunschädlichen Materialien, Tropfverluste von Maschinen unterbinden;
temporäre Abdeckung von Böden;
Anpassung der landwirtschaftlichen oder gartenbaulichen Bewirtschaftung;
Extensivierung landwirtschaftlicher Flächen;
Verringerung/Verzicht des Einsatzes chemischer Pflanzenschutzmittel (zum Beispiel
durch biologische Anbau und Pflanzenschutzmethoden);
Verringerung des Stickstoffeintrags;
Immissionsschutzpflanzung;
Aushagerung durch Pflanzenanbau (zum Beispiel Nährstoffentzug auf eutrophierten
Flächen im Rahmen der Renaturierung).
5.2.4
Maßnahmen zur Überwachung erheblicher Auswirkungen
Im Umweltbericht sind gemäß § 4c BauGB Maßnahmen zur Überwachung der erheblichen
Umweltauswirkungen vorzusehen [74].
Sofern dies Auswirkungen betrifft, die Gegenstand planerischer Festsetzung sind, obliegt
die Überwachung des Vollzugs des B-Plans der Bauaufsichtsbehörde.
Sind bodenspezifische Maßgaben dagegen in einem städtebaulichen Vertrag geregelt, sollten diese Regelungen auch Vorgaben zur Dokumentation der Durchführung und zur Überwachung der Wirksamkeit enthalten. Je nach Umfang und Komplexität dieser Maßgaben
sollte gegebenenfalls die Beauftragung einer BBB gefordert werden (vergleiche Hinweise
zur BBB in der Arbeitshilfe zur Wiederherstellung der natürlichen Bodenfunktionen nach
einer Entsiegelung, Kapitel 6 „Qualitätskontrolle und Nachsorge“ [53]). Details regelt die
im Jahr 2018 erschienene DIN 19639 „Bodenschutz bei Planung und Durchführung von
Bauvorhaben“. DIN 19639 gibt eine Handlungsanleitung zum baubegleitenden Bodenschutz und zielt in ihrer Anwendung auf die Minimierung der Verluste der gesetzlich geschützten natürlichen Bodenfunktionen im Rahmen von Baumaßnahmen, sofern erhebliche Eingriffe damit verbunden sind. Sie konkretisiert die gesetzlichen Vorgaben zur
Verhinderung schädlicher Bodenveränderungen bei Baumaßnahmen. DIN 19639 findet
Anwendung bei Böden und Bodenmaterialien, die nach Bauabschluss wieder natürliche
Bodenfunktionen erfüllen sollen oder bei besonders empfindlichen Böden oder bei einer
Eingriffsfläche von mehr als 5.000 Quadratmetern.
5.3
Umweltatlaskarte und Geoportal Berlin
Informationen zur Umweltatlaskarte 01.13 Planungshinweise zum Bodenschutz können
unter folgendem Link aufgerufen werden:
https://www.berlin.de/umweltatlas/boden/planungshinweise-bodenschutz/
Für die Ausgabe 2018 wurde eine PDF-Karte mit den folgenden Eigenschaften erstellt:
acht schaltbare Ebenen,
englische und deutsche Legende,
kopier- und suchbare Texte in Lesereihenfolge.
69
Die Karte sowie die dazugehörigen Sachdaten können auch im Geoportal Berlin eingesehen
werden. Die Plattform bietet die Möglichkeit, Karten anzusehen und zu überlagern, anhand der Sachdaten nach einzelnen Datensätzen zu suchen beziehungsweise nach bestimmten Kriterien zu filtern (http://fbinter.stadt-berlin.de/fb/index.jsp).
Im Folgenden werden einige nützliche Funktionen vorgestellt:
Darstellung des Kartenhintergrundes
Die Hintergrundkarte im Geoportal Berlin (K5) wird durch die Flächen der Karte Planungshinweise zum Bodenschutz abgedeckt. Erst durch die Einstellung der Transparenz wird der
Hintergrund sichtbar.
Abbildung 41: .Der Hintergrund wird durch die Karte Planungshinweise zum Bodenschutz abgedeckt
Abbildung 42: Durch die Einstellung der Transparenz wird der
Hintergrund sichtbar
Überlagerungen und Kartenstruktur
So können zum Beispiel mit dem Werkzeug „Überlagerung mit Konturen“ die Geltungsbereiche festgesetzter und im Verfahren befindlicher B-Pläne über den Planungshinweisen
zum Bodenschutz angezeigt werden.
Abbildung 43: Überlagerung mit den Geltungsbereichen
festgesetzter und im Verfahren befindlicher Bebauungspläne
Eine Überlagerung mit Karten ist auch möglich. Da die Planungshinweiskarte selbst jedoch
flächige Darstellungen enthält, muss zur Anzeige darunterliegender Hintergrundinformationen eine entsprechende Auswahl der anzuzeigenden Kartenebenen erfolgen. Dies ist mit
dem Werkzeug „Kartenstruktur“ möglich.
70
Planungshinweise zum Bodenschutz | 5 Planungshinweise zum Bodenschutz
Abbildung 44: Ausschalten der Karte Planungshinweise zum
Bodenschutz im Fenster Kartenstruktur.
Abbildung 45: Nur die überlagerte Karte Orthofotos wird angezeigt.
Eine weitere Möglichkeit zur Darstellung mehrerer Karten bietet die Funktion Transparenz.
Abbildung 46: Auswahl des Hintergrundes Orthofotos.
Abbildung 47: Darstellung der Karten Planungshinweise zum
Bodenschutz und Orthofotos mit 50 Prozent Transparenz.
Sachdatenanzeige
Zur Auswahl und zum Anzeigen der Sachdaten stehen grundsätzlich drei verschiede Werkzeuge zur Verfügung.
Über den Sachdatenfilter können alle Flächen, die bestimmte Kriterien erfüllen, ausgewählt werden. So können zum Beispiel alle Flächen der Kategorie „höchste Schutzwürdigkeit“ abgefragt werden.
71
Abbildung 48: Sachdatenfilter Planungshinweise zum Bodenschutz.
Weitere Möglichkeiten zur Flächenauswahl für die Sachdatenanzeige bestehen mit den
Werkzeugen „Position markieren“ oder „Rechteck aufziehen“.
Abbildung 49: Auswahl einer Fläche mit der Funktion „Position markieren“.
Abbildung 50: Auswahl mehrerer Flächen mit der Funktion
„Rechteck ausziehen“.
Nachdem die Auswahl bestätigt wurde, werden die zu den einzelnen Flächen gehörigen
Sachdaten angezeigt. Zu den markierten Elementen können dann (über die Auswahl am
unteren Rand der Sachdatenanzeige) auch weitere (bodenrelevante) Informationen angezeigt werden.
72
Planungshinweise zum Bodenschutz | 5 Planungshinweise zum Bodenschutz
Abbildung 51: Auswahl der Sachdaten anderer Karten.
Abbildung 52: Sachdaten der Karte Planungshinweise zum
Bodenschutz.
Abbildung 53: Sachdaten der Karte Filtervermögen der Böden.
Um eine Übersicht über die ausgewählten Flächen zu erlangen, kann auch eine tabellarische Ansicht der Sachdaten gewählt werden. Auch hier ist die Anzeige anderer (bodenrelevanter) Informationen zu den ausgewählten Flächen möglich.
Abbildung 54: Tabellarische Ansicht der Sachdaten.
73
6 Fazit und Ausblick
Wie der vorliegende Leitfaden und die digitale Umweltatlaskarte aufzeigen, weist Berlin
eine große Vielfalt an Bodentypen und Bodengesellschaften auf, deren unterschiedliche
Schutzwürdigkeit im Rahmen der Bauplanung berücksichtigt werden muss. Bei der Inanspruchnahme von Böden mit besonderer Leistungsfähigkeit für den Naturhaushalt und
das Mikroklima sollten auf der Grundlage dieses Leitfadens und der Umweltatlaskarte
01.13 Planungshinweise zum Bodenschutz Vermeidungs-, Minderungs- und Ausgleichsmaßnahmen für den Boden sowie spezifische Schutzmaßnahmen bei der Baudurchführung beachtet werden. Eine über das bestehende baurechtlich zulässige Maß erfolgte Versiegelung sollte im Sinne des Bodenschutzes eine bodenschutzfachlich ausgleichende
Entsiegelungsmaßnahme nach sich ziehen, um so dem Ziel einer ausgeglichenen Flächenbilanz zwischen Ver- und Entsiegelung und einer klimaneutralen Stadt näherzukommen.
Der Leitfaden liefert dafür eine umfassende Hilfestellung.
Der Umgang mit Boden und Fläche stößt in absehbarer Zeit an seine Grenzen. Umso wichtiger ist es, die Belange des vorsorgenden Bodenschutzes im Zuge von Planungs- und Genehmigungsverfahren zu stärken. Mit dem Merkblatt und Checklisten zum vorsorgenden
Bodenschutz in der Bauleitplanung wurde dafür durch die Senatsverwaltung für Umwelt,
Verkehr und Klimaschutz im Dezember 2015 eine weitere Hilfestellung veröffentlicht [59].
Ziel des Merkblatts ist es, insbesondere den Bodenschutzbehörden eine Arbeitshilfe im
Zuge der Verfahrensbeteiligung an die Hand zu geben, um die Belange des Bodenschutzes
frühzeitig und effektiv in die Planungs- und Genehmigungsverfahren einbeziehen zu können. Zurückgegriffen werden kann für diese Arbeiten weiterhin auf die Arbeitshilfe „Checklisten Schutzgut Boden für Planungs- und Zulassungsverfahren“, die unter Federführung
des Ständigen Ausschusses Vorsorgender Bodenschutz (BOVA) der Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Bodenschutz (LABO) in 2018 entwickelt wurde [5].
Für die Aktualisierung des „Leitfadens zur Bewertung und Bilanzierung von Eingriffen im
Land Berlin“ [52] von 2020 sind Leitbild und Maßnahmenkatalog für den vorsorgenden
Bodenschutz [12] und die Planungshinweiskarte mit Stand von 2015 berücksichtigt worden. Dies umfasst sowohl die methodischen Grundlagen in der Anwendung des ausführlichen Verfahrens als auch die Erhöhung des Kostenwertes im vereinfachten Verfahren auf
35 Euro pro Quadratmeter.
Auch das durch die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz zu entwickelnde Bauleitplanerische Ökokonto für gesamtstädtisch bedeutende Baumaßnahmen ist eine
wichtige Wegmarke zur verbesserten Umsetzung von Maßnahmen zur Aufwertung und zur
Entlastung des Naturhaushaltes und dient dem Bodenschutz.
Im BEK 2030 [48] [49] [58] werden als ein wesentlicher Beitrag zum Schutz der endlichen
Ressource Boden Maßnahmen zur Innenentwicklung anstelle der Ausweitung der Berliner
Siedlungsfläche empfohlen (BEK 2030-Bericht, Maßnahmenblatt GeS-2). Einer zunehmenden Versiegelung soll durch Dach-/Fassadenbegrünung und ausgleichende Entsiegelung
entgegengewirkt werden. Im Konzept zur AFOK wird darauf verwiesen, dass der Klimawandel zunächst die Böden belastet [45].
74
Planungshinweise zum Bodenschutz | 6 Fazit und Ausblick
Im Handlungsfeld Umwelt und Natur werden folgerichtig wichtige Maßnahmen für den
Bodenschutz wie die Berücksichtigung der Kühlungsfunktion der Böden für das Stadtklima
und die Notwendigkeit des Aufbaus eines Berliner Bodenmonitorings über Bodendauerbeobachtungsflächen benannt.
Sowohl die Bodendauerbeobachtung als auch die Entwicklung einer Bln BodSchK wurden
im Ersten Gesetz zur Änderung des Bln BodSchG vom 5. September 2019 als neue gesetzliche Aufgaben für die für Bodenschutz zuständige Senatsverwaltung formuliert.
Durch die Erstellung der Bln BodSchK sollen Defizite und Regelungslücken beim Bodenschutz im Land Berlin aufgezeigt und Lösungsmöglichkeiten herausgearbeitet werden. Im
Ergebnis sollen bodenschutzfachliche Aspekte konsequenter und nachhaltiger in Bauleitplanungen und Umweltprüfungen integriert werden können. Die Bln BodSchK soll den
gegenwärtigen Stand des Bodenschutzes ebenso zum Inhalt haben wie die zukünftige Entwicklung des vor- und nachsorgenden Bodenschutzes in Berlin. Die Arbeiten an der Bln
BodSchK werden ab 2020 in Angriff genommen.
Der Berliner Senat verfolgt das ambitionierte Ziel, Berlin bis zum Jahr 2050 zu einer
klimaneutralen Stadt zu entwickeln. Die Planungsinstrumente zum Schutz des Bodens in
der Stadt leisten dafür einen sehr wichtigen Beitrag.
75
7 Verzeichnisse
7.1
Abbildungen
Abbildung 1:
Abbildung 2:
Abbildung 3:
Abbildung 4:
Abbildung 5:
Abbildung 6:
Abbildung 7:
Abbildung 8:
Abbildung 9:
Abbildung 10:
Abbildung 11:
Abbildung 12:
Abbildung 13:
Abbildung 14:
Abbildung 15:
Abbildung 16:
Abbildung 17:
Abbildung 18:
Abbildung 19:
Abbildung 20:
Abbildung 21:
Abbildung 22:
76
Flächenanteile der verschiedenen Fallgruppen an der höchsten
Schutzwürdigkeitskategorie.........................................................................31
Flächenanteile der Versiegelungsklassen an der höchsten
Schutzwürdigkeitskategorie.........................................................................31
Flächenanteile der Nutzungsklassen an der höchsten
Schutzwürdigkeitskategorie.........................................................................32
Flächen der Nutzungsklassen der höchsten Schutzwürdigkeitskategorie.........................................................................................................32
Flächen der Bodengesellschaften der höchsten Schutzwürdigkeitskategorie.................................................................................................33
Flächen der naturnahen und anthropogen geprägten Bodengesellschaften der höchsten Schutzwürdigkeitskategorie........................33
Flächenanteile der Schutzwürdigkeitskategorien bei einer
ausgewählten Bodengesellschaft................................................................34
Flächenanteile der Nutzungen bei einer ausgewählten
Bodengesellschaft (für alle Schutzkategorien)...........................................34
Verteilung der höchsten Schutzwürdigkeitskategorie im
Stadtgebiet.....................................................................................................35
Flächenanteile der verschiedenen Fallgruppen an der sehr
hohen Schutzwürdigkeitskategorie.............................................................36
Flächenanteile der Versiegelungsklassen an der sehr
hohen Schutzwürdigkeitskategorie.............................................................36
Flächenanteile der Nutzungsklassen an der sehr hohen
Schutzwürdigkeitskategorie.........................................................................37
Flächen der Nutzungsklassen der sehr hohen Schutzwürdigkeitskategorie.........................................................................................................37
Flächen der Bodengesellschaften der sehr hohen Schutzwürdigkeitskategorie.................................................................................................38
Flächen der naturnahen und anthropogen geprägten
Bodengesellschaften der sehr hohen Schutzwürdigkeitskategorie.........38
Verteilung der sehr hohen Schutzwürdigkeitskategorie im
Stadtgebiet.....................................................................................................39
Flächenanteile der Versiegelungsklassen an der hohen Schutzwürdigkeitskategorie.....................................................................................40
Flächenanteile der Nutzungsklassen an der hohen Schutzwürdigkeitskategorie.....................................................................................41
Flächen der Nutzungsklassen der hohen Schutzwürdigkeitskategorie.........................................................................................................41
Flächen der Bodengesellschaften der hohen Schutzwürdigkeitskategorie.........................................................................................................42
Flächen der naturnahen und anthropogen geprägten Bodengesellschaften der hohen Schutzwürdigkeitskategorie.............................42
Verteilung der hohen Schutzwürdigkeitskategorie im Stadtgebiet.........43
Planungshinweise zum Bodenschutz | 7 Verzeichnisse
Abbildung 23:
Abbildung 24:
Abbildung 25:
Abbildung 26:
Abbildung 27:
Abbildung 28:
Abbildung 29:
Abbildung 30:
Abbildung 31:
Abbildung 32:
Abbildung 33:
Abbildung 34:
Abbildung 35:
Abbildung 36:
Abbildung 37:
Abbildung 38:
Abbildung 39:
Abbildung 40:
Abbildung 41:
Abbildung 42:
Abbildung 43:
Abbildung 44:
Abbildung 45:
Abbildung 46:
Abbildung 47:
Abbildung 48:
Abbildung 49:
Abbildung 50:
Flächenanteile der Versiegelungsklassen an der mittleren
Schutzwürdigkeitskategorie.........................................................................44
Flächenanteile der Nutzungsklassen an der mittleren Schutzwürdigkeitskategorie.....................................................................................45
Flächen der Nutzungsklassen der mittleren Schutzwürdigkeitskategorie.........................................................................................................45
Flächen der Bodengesellschaften der mittleren Schutzwürdigkeitskategorie.................................................................................................46
Flächen der naturnahen und anthropogen geprägten Bodengesellschaften der mittleren Schutzwürdigkeitskategorie.......................46
Verteilung der mittleren Schutzwürdigkeitskategorie im
Stadtgebiet.....................................................................................................47
Flächenanteile der verschiedenen Fallgruppen an der geringen
Schutzwürdigkeitskategorie.........................................................................48
Flächenanteile der Versiegelungsklassen an der geringen
Schutzwürdigkeitskategorie.........................................................................49
Flächenanteile der Nutzungsklassen an der geringen Schutzwürdigkeitskategorie.....................................................................................49
Flächen der Nutzungsklassen der geringen Schutzwürdigkeitskategorie.................................................................................................50
Flächen der Bodengesellschaften der geringen Schutzwürdigkeitskategorie.................................................................................................50
Flächen der naturnahen und anthropogen geprägten Bodengesellschaften der geringen Schutzwürdigkeitskategorie........................50
Verteilung der geringen Schutzwürdigkeitskategorie im
Stadtgebiet.....................................................................................................51
Flächenanteile der Bodenschutzkategorien
(ohne Straßen/Gewässer).............................................................................52
Flächenanteile der Bodenschutzkategorien, differenziert nach
Versiegelungsklassen (ohne Straßen/Gewässer).......................................52
Flächenanteil der Bodenschutzkategorien je Nutzungsklasse
(ohne Straßen/Gewässer, nicht alle Nutzungen dargestellt)...................52
Flächenanteil der Nutzungsklassen je Bodenschutzkategorie
(ohne Straßen/Gewässer).............................................................................53
Gesamtfläche und unversiegelte Fläche der Bodenschutzkategorien
(ohne Straßen/Gewässer).............................................................................53
Der Hintergrund wird durch die Karte Planungshinweise zum Bodenschutz abgedeckt...........................................................................................70
Durch die Einstellung der Transparenz wird der Hintergrund
sichtbar...........................................................................................................70
Überlagerung mit den Geltungsbereichen festgesetzter und
im Verfahren befindlicher Bebauungspläne...............................................70
Ausschalten der Karte Planungshinweise zum Bodenschutz
im Fenster Kartenstruktur............................................................................71
Nur die überlagerte Karte Orthofotos wird angezeigt...............................71
Auswahl des Hintergrundes Orthofotos......................................................71
Darstellung der Karten Planungshinweise zum Bodenschutz
und Orthofotos mit 50 Prozent Transparenz.............................................71
Sachdatenfilter Planungshinweise zum Bodenschutz...............................72
Auswahl einer Fläche mit der Funktion „Position markieren“.................72
Auswahl mehrerer Flächen mit der Funktion „Rechteck ausziehen“.......72
77
Abbildung 51:
Abbildung 52:
Abbildung 53:
Abbildung 54:
Abbildung 55:
Abbildung 56:
Abbildung 57:
Abbildung 58:
Abbildung 59:
Abbildung 60:
Abbildung 61:
Abbildung 62:
Abbildung 63:
Abbildung 64:
Abbildung 65:
78
Auswahl der Sachdaten anderer Karten......................................................73
Sachdaten der Karte Planungshinweise zum Bodenschutz......................73
Sachdaten der Karte Filtervermögen der Böden........................................73
Tabellarische Ansicht der Sachdaten...........................................................73
Schema zur Bewertung der Lebensraumfunktion für naturnahe
und seltene Pflanzengesellschaften............................................................92
Schema zur Bewertung der Ertragsfunktion für Kulturpflanzen.............95
Schema zur Bewertung der Puffer- und Filterfunktion.............................97
Schema zur Bewertung der Regelungsfunktion für den
Wasserhaushalt.............................................................................................98
Schema zur Bewertung der Archivfunktion für die
Naturgeschichte ............................................................................................99
Prinzipskizze Planungshinweise zum Bodenschutz ............................... 101
Bewertungsschema zur Bodenschutzkategorie
„höchste Schutzwürdigkeit“...................................................................... 102
Bewertungsschema zur Bodenschutzkategorie
„sehr hohe Schutzwürdigkeit“.................................................................. 103
Bewertungsschema zur Bodenschutzkategorie
„hohe Schutzwürdigkeit“........................................................................... 104
Bewertungsschema zur Bodenschutzkategorie
„mittlere Schutzwürdigkeit“...................................................................... 104
Bewertungsschema zur Bodenschutzkategorie
„geringe Schutzwürdigkeit“...................................................................... 105
Planungshinweise zum Bodenschutz | 7 Verzeichnisse
7.2
Tabelle 1:
Tabellen
Tabelle 2:
Tabelle 3:
Tabelle 4:
Tabelle 5:
Tabelle 6:
Tabelle 7:
Tabelle 8:
Tabelle 9:
Tabelle 10:
Tabelle 11:
Tabelle 12:
Tabelle 13:
Tabelle 14:
Tabelle 15:
Tabelle 16:
Tabelle 17:
Tabelle 18:
Tabelle 19:
Tabelle 20:
Funktionsbewertungskombinationen der Fallgruppe 5 der
geringen Schutzwürdigkeitskategorie................................................................. 48
Anforderungen und Maßgaben der höchsten Schutzwürdigkeitskategorie (Fallgruppe 1)........................................................................................ 55
Anforderungen und Maßgaben der höchsten Schutzwürdigkeitskategorie (Fallgruppe 2)........................................................................................ 56
Anforderungen und Maßgaben der sehr hohen Schutzwürdigkeitskategorie (Fallgruppe 1)........................................................................................ 59
Anforderungen und Maßgaben der sehr hohen Schutzwürdigkeitskategorie (Fallgruppe 2)........................................................................................ 59
Anforderungen und Maßgaben der sehr hohen Schutzwürdigkeitskategorie (Fallgruppe 3)........................................................................................ 60
Anforderungen und Maßgaben der hohen Schutzwürdigkeitskategorie........ 61
Anforderungen und Maßgaben der mittleren Schutzwürdigkeitskategorie................................................................................................................. 62
Anforderungen und Maßgaben der geringen Schutzwürdigkeitskategorie................................................................................................................. 63
Relevante bodenfachliche Informationen im Umweltatlas Berlin.................... 90
Bodenfunktionen nach Bundes-Bodenschutzgesetz und ihre
Bewertung in Berlin............................................................................................... 91
Kriterien zur Bewertung der Lebensraumfunktion für naturnahe
und seltene Pflanzengesellschaften.................................................................... 93
Bewertungsmatrix für die Lebensraumfunktion für naturnahe
und seltene Pflanzengesellschaften.................................................................... 93
Kriterien zur Bewertung der Ertragsfunktion für Kulturpflanzen.................... 94
Bewertungsmatrix für die Ertragsfunktion für Kulturpflanzen........................ 95
Kriterien zur Bewertung der Puffer- und Filterfunktion.................................... 96
Bewertungsmatrix für die Puffer- und Filterfunktion........................................ 96
Kriterien zur Bewertung der Regelungsfunktion für den
Wasserhaushalt...................................................................................................... 98
Bewertungsmatrix für die Regelungsfunktion für den
Wasserhaushalt...................................................................................................... 99
Kriterien zur Bewertung der Archivfunktion für die
Naturgeschichte...................................................................................................100
79
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UMWELTMINISTERIUM BADEN-WÜRTTEMBERG: Bewertung von Böden nach ihrer
Leistungsfähigkeit – Leitfaden für die Planung und Gestattungsverfahren. Luft,
Boden, Abfall – Heft 31: 34 S., 1. Auflage, Stuttgart, 1995.
85
7.4
[70]
[71]
[72]
[73]
[74]
[75]
[76]
[77]
[78]
86
Gesetze und Verordnungen
BaumSchVO, Verordnung zum Schutze des Baumbestandes in Berlin vom
11. Januar 1982 (GVBl. S. 250), zuletzt geändert durch Verordnung vom 8. Mai
2019 (GVBl. S. 272).
BBodSchG, Bundes-Bodenschutzgesetz vom 17. März 1998 (Bundesgesetzblatt
(BGBl.) I S. 502), zuletzt geändert durch Artikel 3 Absatz 3 der Verordnung vom
27. September 2017 (BGBl. I S. 3465).
BBodSchV, Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung vom 12. Juli 1999
(BGBl. I S. 1554), zuletzt geändert durch Artikel 3 Absatz 4 der Verordnung vom
27. September 2017 (BGBl. I S. 3465).
BNatSchG, Bundesnaturschutzgesetz vom 29. Juli 2009 (BGBl. I S. 2542), zuletzt
geändert durch Artikel 8 des Gesetzes vom 13. Mai 2019 (BGBl. I S. 706).
BauGB, Baugesetzbuch in der Fassung der Bekanntmachung vom 3. November
2017 (BGBl. I S. 3634).
Bln BodSchG, Berliner Gesetz zur Ausführung des Bundes-Bodenschutzgesetzes
(Berliner Bodenschutzgesetz) vom 24. Juni 2004 (GVBl. S. 250), zuletzt geändert
durch Gesetz vom 5. September 2019 (GVBl. S. 554).
NatSchG Bln, Berliner Naturschutzgesetz vom 29. Mai 2013 zuletzt geändert
durch Artikel 3 des Gesetzes vom 25. September 2019 (GVBl. S. 612).
UVPG, Gesetz über die Umweltverträglichkeitsprüfung vom 24. Februar 2010
(BGBl. I S. 94), zuletzt geändert durch Artikel 22 des Gesetzes vom 13. Mai 2019
(BGBl. I S. 706).
BauNVO, Verordnung über die bauliche Nutzung der Grundstücke (Baunutzungsverordnung) in der Fassung vom 21. November 2017 (BGBl. I S. 3786).
Planungshinweise zum Bodenschutz | 7 Verzeichnisse
7.5
Abkürzungen
ABl.
AFOK
BauGB
BaumSchVO
BauNVO
BBB
BBK
BBodSchG
BBodSchV
BEK 2030
BENE
BFF
BfN
BGBl.
Bln BodSchG
Bln BodSchK
BNatSchG
B-Plan
DIN
DSchG
EU
EWG Bln
FFH-Richtlinie
FNP
GIS
GVBl.
KAKeff
kf-Wert
LAGA
LaPro
L-Plan
LSG
LWaldG Bln
NatSchG Bln
nFK
PDF
S.
StEP
SUP
UBA
URL
UVP
UVPG
Amtsblatt Berlin
Anpassung an die Folgen des Klimawandels Berlin
Baugesetzbuch
Baumschutzverordnung Berlin
Baunutzungsverordnung
Bodenkundliche Baubegleitung
Bodenbelastungskataster
Bundes-Bodenschutzgesetz
Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung
Berliner Energie- und Klimaschutzprogramm 2030
Berliner Programm für Nachhaltige Entwicklung
Biotopflächenfaktor
Bundesamt für Naturschutz
Bundesgesetzblatt
Berliner Bodenschutzgesetz
Berliner Bodenschutzkonzeption
Bundesnaturschutzgesetz
Bebauungsplan
Deutsches Institut für Normung
Denkmalschutzgesetz
Europäische Union
Berliner Energiewendegesetz
Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der Europäischen Union
Flächennutzungsplan
Geografisches Informationssystem
Gesetz- und Verordnungsblatt
effektive Kationenaustauschkapazität
Durchlässigkeitsbeiwert
Länderarbeitsgemeinschaft Abfall
Landschaftsprogramm einschließlich Artenschutzprogramm
Landschaftsplan
Landschaftsschutzgebiet
Landeswaldgesetz Berlin
Berliner Naturschutzgesetz
nutzbare Feldkapazität
Portable Document Format (ein verbreitetes Dateiformat)
Seite
Stadtentwicklungsplan
Strategische Umweltprüfung
Umweltbundesamt
Uniform Resource Locator (englisch für „einheitlicher Ressourcenzeiger“,
identifiziert und lokalisiert eine Internetseite)
Umweltverträglichkeitsprüfung
Gesetz über die Umweltverträglichkeitsprüfung
87
7.6
Foto/Abbildungsnachweis
Titelblatt
Bodenprofil, Dr. Mohsen Makki, Geographisches Institut der Humboldt-Universität
zu Berlin
Seiten 64 bis 67
Screenshots aus Geoportal Berlin, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen
Berlin
88
Planungshinweise zum Bodenschutz | Anhang
Anhang
89
I
Bewertung der Bodenfunktionen
Im Folgenden werden die Berliner Systematik der Bewertung der natürlichen Bodenfunktionen sowie die Bodenschutzkategorien zusammenfassend dargestellt.
Das Berliner Bodeninformationssystem ist in dem Informationssystem Stadt und Umwelt
und dem Umweltatlas Berlin integriert und enthält stadtweit die bodenfachlich relevanten
Informationen und Kennwerte auf Basis der Blockkarte. Diese Auflösung ist dazu geeignet,
sich bei konkreten Vorhaben einen ersten Überblick zu Empfindlichkeiten und Potenziale
bestimmter Themen und Fragestellungen zu verschaffen. Im Umweltatlas werden zudem
die in Berlin verwendeten Methoden – Kriterien und Gewichtungen – zur Bewertung der
Bodenfunktionen beschrieben.
Bezeichnung
Flächendaten
Versiegelung
Geländehöhen
Bodengesellschaften
bodenkundliche Kennwerte
Kriterien zur Bewertung der Bodenfunktionen
natürliche Bodenfunktionen und Archivfunktion
Planungshinweise zum Bodenschutz
Ausgabe
2017
2010
2018
2018
2018
2018
2018
Tabelle 10: Relevante bodenfachliche Informationen im Umweltatlas Berlin
90
Planungshinweise zum Bodenschutz | Anhang
Zur Operationalisierung der im BBodSchG aufgeführten relevanten Bodenfunktionen werden folgende Bodenfunktionen und Kriterien betrachtet:
Bodenfunktion
nach § 2 BBodSchG
Bodenfunktion
Nr. 1 a) Lebensgrundlage und Lebensraum
für Menschen
Schadstoffbelastung
für Tiere
für Pflanzen
Kriterien zur konkreten Umsetzung
in Berlin
wird in diesem Zusammenhang mangels
flächendeckender Daten nicht bewertet,
Bewertung im Einzelfall
eng korreliert mit der Vegetation; keine eigene
Bewertung
A. Lebensraum für naturnahe und seltene Pflan- Naturnähe und berlintypisch besondere
zengesellschaften (Karte 1.12.1)
Extremstandorte
B. Ertragsfunktion für Kulturpflanzen
Wasserversorgung und Nährstoffspeicher(Karte 1.12.2)
vermögen
für Bodenorganismen
zur Zeit aus methodischen Gründen nicht bewertbar
Nr. 1 b und c) Bestandteil Naturhaushalt
im Wasserhaushalt
Regelungsfunktion für den Wasserhaushalt
Austauschhäufigkeit des Bodenwassers
(Karte 1.12.4)
Nährstoffhaushalt
enge Verbindung zum Lebensraum für Pflanzen (natürliche Bodenfruchtbarkeit); dort bereits
abgebildet
Abbau-, Ausgleichs- und Aufbau- Puffer- und Filterfunktion (Karte 1.12.3)
Stoffbindungsvermögen und Flurabstand des
funktion
Grundwassers
Nr. 2) Archivfunktion
für die Naturgeschichte
Archivfunktion für die Naturgeschichte
besondere naturräumliche Eigenart und
(Karte 1.12.5)
regionale Seltenheit
für die Kulturgeschichte
keine Relevanz für Berlin
(In Berlin gibt es eingetragene Bodendenkmale, die jedoch nicht auf Blockebene erfasst sind, da sie
dazu zu klein sind und daher nicht im Umweltatlas abgebildet werden.)
Tabelle 11: Bodenfunktionen nach Bundes-Bodenschutzgesetz und ihre Bewertung in Berlin
(Quelle: Umweltatlas Berlin, 01.12 Bodenfunktionen (Ausgabe 2018), Tabelle 1)
Im Folgenden wird die Bewertungsmethodik für die einzelnen Bodenfunktionen, wie sie in
der Dokumentation der Bodendatenbank Berlin [15] dargelegt ist, zusammengefasst dargestellt.
91
I.I
Bewertung der Lebensraumfunktion für naturnahe und seltene
Pflanzengesellschaften
Für die Bewertung der Lebensraumfunktion werden vor allem Bodengesellschaften mit
extremen Bedingungen des Wasserhaushalts und seltene Bodengesellschaften als wertvoll
bewertet. Seltene und nasse Standorte werden als sogenannte Sonderstandorte ausgewiesen. So können ökologisch besonders wertvolle Standorte und Entwicklungspotenziale von
Auengesellschaften, Feuchtwiesen und Moorflächen hervorgehoben werden. Einen weiteren Sonderstandort stellen extrem trockene und nährstoffarme Dünen und anthropogen
entstandene junge Böden dar, die potentielle Standorte wertvoller Trockenrasen oder ähnlicher Offenlandstrukturen bilden. Diese Flächen erhalten als besonderer Naturraum unabhängig von ihrer Naturnähe eine mittlere Bewertung. Sonstige Standorte werden hier ausschließlich nach ihrer Naturnähe bewertet.
Regionale
Seltenheit
der Bodengesellschft
(Flächen-%)
Bodentyp
Stufe der
regionalen
Seltenheit
der Bodengesellschaft
Feuchteklasse der
Bodentypen
Bewertung
Regionale
Seltenheit
der Bodengesellschaft
Bewertung
Standortfeuchte
Nutzung
nFKmin
Oberboden
Humusgehalt
der Humusschicht unter
Berücksichtigung des
Torfanteils
typischer
pH-Wert
Oberboden
KAKeff
Oberboden
Bewertung
Naturnähe
Klassifizierung Sonderstandort
feucht oder
selten
Klassifizierung Sonderstandort
trocken und
nährstoffarm
Lebensraumfunktion für
naturnahe
und seltene
Pflanzengesellschaften
Abbildung 55: Schema zur Bewertung der Lebensraumfunktion für naturnahe und seltene Pflanzengesellschaften
(Quelle: [15])
92
Mächtigkeit
der Humusschicht
Hauptbodenart
Oberboden
Planungshinweise zum Bodenschutz | Anhang
Kriterien
Naturnähe
Sonderstandort feucht oder selten
regionale Seltenheit der Bodengesellschaft
Standortfeuchte
Sonderstandort trocken und nährstoffarm
effektive Kationenaustauschkapazität (KAKeff), Oberboden
[cmolc/kg]
niedrigster nFK-Wert der Flachwurzelzone [mm]
Nutzung
Bewertung
Hauptkriterium zur Differenzierung nach Klassifizierung
der Sonderstandorte
sehr selten bis selten
nass
< 3,5 cmolc/kg (nährstoffarme Standorte)
≤ 20 mm, sehr gering (trockene Standorte)
Ausschluss von Nutzung „Baustelle“
Tabelle 12: Kriterien zur Bewertung der Lebensraumfunktion für naturnahe und seltene Pflanzengesellschaften [15]
Sonderstandort nass
Sonderstandort sehr selten bis selten
Sonderstandort trocken und nährstoffarm
kein Sonderstandort
hoch
mittel
gering
hoch
hoch
mittel
mittel
mittel
mittel
mittel
gering
gering
gering
mittel
gering
sehr gering
(trockene
Standorte)
gering
gering
mittel
gering
Tabelle 13: Bewertungsmatrix für die Lebensraumfunktion für naturnahe und seltene Pflanzengesellschaften [15]
93
I.II
Bewertung der Ertragsfunktion für Kulturpflanzen
Die Ertragsfunktion und Leistungsfähigkeit der Böden für Kulturpflanzen stellt das Potenzial der Böden für eine Eignung zur landwirtschaftlichen und/oder gartenbaulichen Nutzung und Produktion dar. Die Eignung der Böden für eine forstliche Nutzung wird hier nicht
bewertet.
Die Bewertung als Lebensraum für Kulturpflanzen ergibt sich aus der Summe der erreichten Punktzahl der für den Standort ermittelten Wasserversorgung und der Nährstoffversorgung des Oberbodens.
Kriterien
Wasserversorgung
Stufe des durchschnittlichen nFK-Wertes der Flachwurzelzone
Grundwasserflurabstand [Meter]
Nährstoffversorgung des Oberbodens
(siehe: Summe austauschbarer Kationen)
Basensättigung Oberboden
KAKeff, Oberboden [cmolc/kg]
Mächtigkeit der Humusschicht
effektive Lagerungsdichte der Humusschicht
Bodenart Groboberboden
Tabelle 14: Kriterien zur Bewertung der Ertragsfunktion für Kulturpflanzen [15]
94
Bewertung
Stufe nFK
Bewertung
Bezeichnung
1 bis 2
1
schlecht
3 bis 4
2
mittel
5 bis 6
3
gut
NfkDur30 [mm]
Stufe
Bezeichnung
< 20
1
sehr gering
20 bis < 40
2
gering
40 bis < 60
3
mittelmäßig
60 bis < 80
4
erhöht
80 bis < 110
5
hoch
≥ 110
6
sehr hoch
Aufwertung um eine Stufe bei < 0,8 Meter
Summe austauschNährstoffversorgung
bare Kationen
Bewertung
Bezeichnung
[molc/m²]
<1
1 bis < 2
2 bis < 3,5
1
nährstoffarm
3,5 bis < 5
5 bis < 10
10 bis < 25
25 bis < 50
2
mittel
50 bis < 100
100 bis < 200
3
nährstoffreich
≥ 200
S-Wert [cmolc/kg] = BS [%] / 100 × KAKeff [cmolc/kg]
S-Wert [cmolc/dm³] = S-Wert [cmolc/kg] × LDOb [kg/dm³]
S-Wertsteinfrei [cmolc/dm³] = S-Wert [cmolc/dm³] × (1 – Grobbodenanteil [Vol-%] / 100)
S-WertOb, steinfrei [cmolc/m²] = S-Wertsteinfrei [cmolc/dm³] × 3 dm
Zur Ermittlung der Lagerungsdichte des Oberbodens (LDOb)
wird ein von der Mächtigkeit der Humusschicht abhängiger
Faktor benötigt:
FSchicht = Mächtigkeit der Humusschicht / 3 dm (wenn > 1,
dann 1)
Die Lagerungsdichte des Oberbodens (LDOb) lässt sich damit
bestimmen:
LDOb = LDHumusschicht × FSchicht + 1,6 kg/dm³ × (1 – FSchicht)
Planungshinweise zum Bodenschutz | Anhang
Summe der Einzelbewertungen
(Wasserversorgung + Nährstoffversorgung)
2
3
4
5
6
Bewertung
Bezeichnung
1
gering
2
mittel
3
hoch
Tabelle 15: Bewertungsmatrix für die Ertragsfunktion für Kulturpflanzen [15]
Stufe nFK
Oberboden
Grundwasserflurabstand
typischer
pH-Wert
Oberboden
Hauptbodenart
Oberboden
Basensätigung Oberboden
KAKeff
Oberboden
Humusgehalt
der Humusschicht unter
Berücksichtigung des
Torfanteils
Mächtigkeit
der Humusschicht
effektive
Lagerungsdichte der
Humusschicht
Bodenart
Groboberboden
Bewertung
Nährstoffversorgung des
Oberbodens
Bewertung
Wasserversorgung
Ertragsfunktion für
Kulturpflanzen
Abbildung 56: Schema zur Bewertung der Ertragsfunktion für Kulturpflanzen
(Quelle: [15])
95
I.III
Bewertung der Puffer- und Filterfunktion
Die Puffer- und Filterfunktion zeigt die Fähigkeit der verschiedenen Bodengesellschaften
an, Substanzen in ihrem ökosystemaren Stofffluss zu verlangsamen (Pufferfunktion) oder
dauerhaft diesem Kreislauf zu entziehen (Filterfunktion). Sie basiert auf der Fähigkeit der
Böden, Stoffe durch physikochemische Adsorption und Reaktion sowie biologischen Stoffumbau im Boden festhalten oder zu neutralisieren. Zu beachten ist, dass der Boden für
verschiedene Stoffe und Stoffgruppen wie Pflanzennährstoffe, organische Verbindungen,
Säurebildner oder Schwermetalle unterschiedliche Filter- und Pufferkapazitäten besitzt.
Böden mit hoher Filter- und Pufferkapazität können in hohem Maß Schadstoffe anreichern. Bei andauernder Schadstoffzufuhr besteht daher die Gefahr, dass diese Böden als
Schadstoffsenke funktionieren. Einen zweiten Aspekt stellt die Fähigkeit dar, Kohlenstoff in
Form von Humus oder Torf zu speichern. Störungen und Zerstörungen des Bodens führen
zu Humusverlust und damit zu Freisetzung von Kohlenstoffdioxid aus dem Boden in die
Atmosphäre. Besonders kohlenstoffreich sind Moorböden, die somit die Puffer- und Filterfunktion im Kohlenstoffkreislauf in hohem Maße erfüllen.
Kriterien
Filtervermögen
Nährstoffspeichervermögen/Schadstoffbindungsvermögen
Bindungsstärke für Schwermetalle
Grundwasserflurabstand
Puffervermögen für den Kohlenstoffhaushalt
Abhängigkeit
Wasserdurchlässigkeit (Bewertung der
kf-Werte von Ober- und Unterboden)
KAKef
Bewertung
Die Wertungen/Stufen der 3 Kriterien
von jeweils 1 bis 3 werden zusammengezählt.
Haupt- und Grobbodenarten, typischer
pH-Wert, Humusgehalt und Mächtigkeit der Humusschicht
–
Der Filterstrecke wird Rechnung
getragen.
Humusgehalt, Mächtigkeit und effekti- Hohes Puffervermögen für den Kohlenve Lagerungsdichte der Humusschicht stoffhaushalt führt automatisch zu
(Humusmenge)
einer hohen Bewertung der Puffer- und
Filterfunktion insgesamt.
Tabelle 16: Kriterien zur Bewertung der Puffer- und Filterfunktion [15]
Bewertung Filtervermögen und Nährstoffspeichervermögen/Schadstoffbindungsvermögen und Bindungsstärke
für Schwermetalle
3 bis 5
6 bis 7
8 bis 9
–
Tabelle 17: Bewertungsmatrix für die Puffer- und Filterfunktion [15]
96
Bewertung
Grundwasser
flurabstand
1
2
3
1
2
3
1
2
3
–
Puffervermögen für den
Kohlenstoff
haushalt
–
3
Bewertung
Bezeichnung
1
1
2
1
2
3
2
3
3
3
gering
gering
mittel
gering
mittel
hoch
mittel
hoch
hoch
hoch
Torfart
Oberboden
Bewertung
Filtervermögen
Stufe kf
Ober- und
Unterboden
Torfart
Unterboden
Hauptbodenart
Oberboden
Bewertung
Grundwasserflurabstand
Hauptbodenart
Unterboden
Bodenart
Groboberboden
Puffer- und
Filterfunktion
Bewertung
Bindungsstärke für
Schwermetalle
Bodenart
Grobunterboden
Typischer
pH-Wert
Oberboden
Stufe organischer Kohlenstoffvorrat
Bewertung
Puffervermögen im organischen Kohlenstoffhaushalt
Bewertung
Nährstoffspeicher-/
Schadstoffbindungsvermögen
Mächtigkeit
der Humusschicht
Stufe KAKeff
Typischer
pH-Wert
Unterboden
Humusgehalt
der Humusschicht unter
Berücksichtigung des
Torfanteils
Effektive
Lagerungsdichte der
Humusschicht
Planungshinweise zum Bodenschutz | Anhang
Abbildung 57: Schema zur Bewertung der Puffer- und Filterfunktion
(Quelle: [15])
97
I.IV
Bewertung der Regelungsfunktion für den Wasserhaushalt
Die Regelungsfunktion für den Wasserhaushalt wird durch die Wasserspeicher- oder
Retentionsfähigkeit der Böden bestimmt. Sie wirkt auf die Grund- und Oberflächenwasserabflüsse.
Als Kriterium für diese Bodenfunktion wird die Austauschhäufigkeit des Bodenwassers herangezogen. Bei einer geringen Austauschhäufigkeit ist die Verweilzeit des Wassers lang
und die zurückgehaltene Wassermenge im Boden hoch. Eine geringe Austauschhäufigkeit
ist somit positiv für den Landschaftswasserhaushalt zu bewerten. Die Grundwasserneubildungsrate ist aber bei einem hohen Speichervermögen und geringer Austauschhäufigkeit des Bodenwassers niedrig, da das Niederschlagswasser zu einem großen Teil im Boden
verbleibt und von den Pflanzen aufgenommen wird.
Versickerung aus Niederschlägen (ohne Berücksichtigung der Versiegelung)
nutzbare Feldkapazität des effektiven
Wurzelraums (nFKWe)
Austauschhäufigkeit des Bodenwassers
Stufe Austauschhäufigkeit des Bodenwassers
Regelungsfunktion im Wasserhaushalt
Abbildung 58: Schema zur Bewertung der Regelungsfunktion für den Wasserhaushalt
(Quelle: [15])
Kriterien
Abhängigkeit
Austauschhäufigkeit des Bodenwassers [/Jahr]
Versickerung [mm/Jahr]
durchschnittliche nFK des effektiven
Wurzelraumes [mm]
Bewertung
Quotient aus Versickerung und durchschnittlicher nFK des effektiven Wurzelraumes [mm]
Niederschlag, Flächennutzung, Vegeta- Differenz zwischen Niederschlag und
tionsstruktur, Feldkapazität und Flur- Versickerung ohne Berücksichtigung
abstände
der Versiegelung, Berechnung mit Hilfe
des Abflussbildungsmodells ABIMO
Nutzung, Bodentyp, typischer nFK-Wert
nFKWe
BezeichStufe
[mm]
nung
< 60
1
sehr gering
60 bis < 140
2
gering
140 bis
3
mittel
< 220
220 bis
4
hoch
< 300
≥ 300
5
sehr hoch
Tabelle 18: Kriterien zur Bewertung der Regelungsfunktion für den Wasserhaushalt [15]
98
Planungshinweise zum Bodenschutz | Anhang
Austauschhäufigkeit des
Bodenwassers [/Jahr]
<1
1 bis < 2
2 bis < 3
3 bis < 4
≥4
Austauschhäufigkeit des Bodenwassers Stufe
1
2
3
4
5
Regelungsfunktion für den Wasserhaushalt
3
hoch
2
mittel
1
gering
Tabelle 19: Bewertungsmatrix für die Regelungsfunktion für den Wasserhaushalt [15]
I.V
Bewertung der Archivfunktion für die Naturgeschichte
Da sich Bodentypen in Abhängigkeit von den jeweiligen Umweltbedingungen (Gestein,
Klima, Zeit) ausbilden, können Böden in ihren Profilmerkmalen die landschaftsgeschichtlichen Bedingungen ihrer Entstehungszeit widerspiegeln, wenn sie nicht durch den Menschen in ihrem Aufbau zerstört wurden. Diesen Böden kommt damit eine grundsätzliche
Bedeutung als Archiv oder Informationsquelle der Landschaftsgeschichte zu.
Für den Berliner Raum sind die Böden die Archive für die eiszeitlichen Entstehungsbedingungen und nacheiszeitliche Moorbildungen. Die Archivfunktion wird aus der naturräumlichen Eigenart des Gebietes, wie zum Beispiel Toteissenken, Stauchmoränen und der regionalen Seltenheit von Bodengesellschaften abgeleitet. Die höchste Bewertung erhalten
sehr seltene und geomorphologisch herausragende Böden.
Zur Bewertung der Archivfunktion für die Naturgeschichte (Bewertung 1 bis 3) werden die
bewertete regionale Seltenheit der Bodengesellschaft (Bewertung 1 bis 2) und die bewertete besondere naturräumliche Eigenart (Bewertung 0 bis 1) der Bodengesellschaft addiert.
regionale Seltenheit der Bodengesellschaft
(Flächen-%)
Stufe der regionalen Seltenheit der Bodengesellschaft
Bodengesellschaft
Bewertung Regionalen Seltenheit der Bodengesellschaft
Bewertung Besondere naturräumliche Eigenarten
Archivfunktion für die Naturgeschichte
Abbildung 59: Schema zur Bewertung der Archivfunktion für die Naturgeschichte
(Quelle: [15])
99
Kriterien
Bewertung
regionale Seltenheit der Bodengesellschaften
Flächenanteil
Stufe
Kategorie
Bodengesellschaft
der Bodengesellschaften
[%]
Flächengröße von Block-und Blockteil< 0,1
1
sehr selten
0,1 bis < 0,4
2
selten
flächen [m²]
0,4 bis 1,0
3
mäßig
> 1,0 bis 5,0
4
häufig
> 5,0
5
sehr häufig
besondere naturräumliche Eigenart
Bodengesellschaft
Bodengesellschaften mit besonderer naturräumlicher Eigenart (Bewertung = 1)
1080, 1090, 1100, 3020
1050, 1230, 1231, 1270, 1280, 1290, 1300
1030, 1040, 1060, 1110, 1180
1164, 1240, 1260, 1270, 1280, 1290, 1300,
1320, 3030
1250, 1251
Bezeichnung
2
sehr selten bis
selten
1
mäßig bis sehr
häufig
Geomorphologie
Dünen
glaziale Schmelzwasserrinnen
End- und Stauchmoränen,
Moränenhügel
Niedermoorböden
Toteissenken
1010, 1130
Sandkeile
1310
Kalkmudden
Tabelle 20: Kriterien zur Bewertung der Archivfunktion für die Naturgeschichte [15]
100
Bewertung
Planungshinweise zum Bodenschutz | Anhang
I.VI
Planungshinweise zum Bodenschutz
Aufbauend auf den Bewertungen der Leistungsfähigkeit der Böden werden fünf unterschiedliche Schutzkategorien zum Bodenschutz gebildet, aus denen Konsequenzen für
Handlungshinweise bei Eingriffen in den Boden durch Planungen und Bauvorhaben abgeleitet werden.
Die Schutzkategorien werden differenziert in:
höchste Schutzwürdigkeit,
sehr hohe Schutzwürdigkeit,
hohe Schutzwürdigkeit,
mittlere Schutzwürdigkeit und
geringe Schutzwürdigkeit (Böden ohne besondere Anforderungen).
Die in den vorangehenden Abschnitten beschriebenen Bodenfunktionen werden dabei in
ihrer Bedeutung entsprechend den besonderen Bedingungen in Berlin unterschiedlich gewichtet:
Archivböden und Böden, die Standorte für naturnahe und seltene Pflanzengesellschaften darstellen, werden wegen ihrer Unwiederbringlichkeit als überaus schützenswert
eingestuft.
Leistungsfähige Böden in Bezug auf die Regelungsfunktion für den Wasserhaushalt
und auf die Puffer- und Filterfunktion sind generell schützenswert; die Bedeutung
steigt an den Standorten noch an, wo diese beiden Funktionen zusammen mit hoher
Bewertung auftreten. Böden mit deutlichen Potenzialen für stoffliche Belastungen
(zum Beispiel Rieselfelder) werden aus der Bewertung herausgenommen, da sie eine
mögliche Belastungsquelle für das Grundwasser darstellen.
Böden, die eine hohe Ertragsfunktion für Kulturpflanzen aufweisen, sind auf landwirtschaftlich genutzten Flächen zu erhalten.
Lebensraumfunktion für
naturnahe und
seltene Pflanzengesellschaften
Archivfunktion
für die Naturgeschichte
Ertragsfunktion
für
Kulturpflanzen
Regelungsfunktion für den
Wasserhaushalt
Puffer- und
Filterfunktion
höchste
Schutzwürdigkeit
sehr hohe
Schutzwürdigkeit
hohe
Schutzwürdigkeit
mittlere
Schutzwürdigkeit
geringe
Schutzwürdigkeit
reale
Flächennutzung
Bodengesellschaft
Abbildung 60: Prinzipskizze Planungshinweise zum Bodenschutz
(Quelle: [15])
101
Im Folgenden werden die Bewertungsschemata für die Schutzkategorien dargestellt. Der
letzten Schutzwürdigkeitskategorie werden alle Flächen zugeordnet, die in keine der höheren Schutzkategorie fallen.
Lebensraumfunktion für naturnahe und
seltene Pflanzengesellschaften
Archivfunktion für die Naturgeschichte
gering
gering
mittel
hoch
mittel
hoch
und/oder
Versiegelungsgrad
0 bis 5 Prozent
> 5 bis < 30 Prozent
30 bis 100 Prozent
gering
mittel
hoch
höchste Schutzwürdigkeit
Abbildung 61: Bewertungsschema zur Bodenschutzkategorie „höchste Schutzwürdigkeit“
(Quelle: [15])
102
Planungshinweise zum Bodenschutz | Anhang
Lebensraumfunktion
für naturnahe und
seltene Pflanzengesellschaften
Archivfunktion für die
Naturgeschichte
gering mittel
gering mittel
hoch
hoch
gering mittel
hoch
reale Flächennutzung
=
Acker, Grünland oder
Gartenbau/Baumschule
und
Regelungsfunktion
für den
Wasserhaushalt
Ertragsfunktion für
Kulturpflanzen
gering mittel
hoch
Puffer- und
Filterfunktion
gering mittel
hoch
Bodengesellschaft
≠
Trümmer-, Müll-,
Rieselfeld-, Gleisböden
und
und
oder
Versiegelungsgrad
0 bis 5 Prozent
> 5 bis < 30 Prozent
30 bis 100 Prozent
gering
mittel
hoch
sehr hohe Schutzwürdigkeit
Abbildung 62: Bewertungsschema zur Bodenschutzkategorie „sehr hohe Schutzwürdigkeit“
(Quelle: [15])
103
Regelungsfunktion für den
Wasserhaushalt
gering
mittel
Puffer- und Filterfunktion
hoch
gering
Bodengesellschaft
≠
Trümmer-, Müll-, Rieselfeld-, Gleisböden
mittel
hoch
oder
und
Versiegelungsgrad
0 bis 5 Prozent
> 5 bis < 30 Prozent
30 bis 100 Prozent
gering
mittel
hoch
hohe Schutzwürdigkeit
Abbildung 63: Bewertungsschema zur Bodenschutzkategorie „hohe Schutzwürdigkeit“
(Quelle: [15])
Regelungsfunktion für den
Wasserhaushalt
gering
mittel
Puffer- und Filterfunktion
hoch
gering
mittel
hoch
Bodengesellschaft
≠
Trümmer-, Müll-,
Rieselfeld-, Gleisböden
und
Versiegelungsgrad
0 bis 5 Prozent
> 5 bis < 30 Prozent
30 bis 100 Prozent
gering
mittel
hoch
mittlere Schutzwürdigkeit
Abbildung 64: Bewertungsschema zur Bodenschutzkategorie „mittlere Schutzwürdigkeit“
(Quelle: [15])
104
Planungshinweise zum Bodenschutz | Anhang
reale Flächennutzung
Bodengesellschaft
Klassifizierung Schutzwürdigkeit
Höchste bis mittlere Schutzwürdigkeit?
nein
Versiegelungsgrad
0 bis 5 Prozent
> 5 bis < 30 Prozent
30 bis 100 Prozent
gering
mittel
hoch
geringe Schutzwürdigkeit
Abbildung 65: Bewertungsschema zur Bodenschutzkategorie „geringe Schutzwürdigkeit“
(Quelle: [15])
105
Öffentlichkeitsarbeit
Am Köllnischen Park 3
10179 Berlin
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Berlin, 05/2021