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Gerhardt, Uferdeckungen durch Binsen, Rohr, Schilf und Weiden.
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Wasser findet es sich bis im, selbst bis 1,5 m Tiefe, gedeiht
aber auch bis 0,5 m über dem Mittelwasser. Es hat den Vorzug,
selbst in brackigem Wasser noch fort zu kommen: im Hinterbafen
von Pillau sowie bei Neutief an der Frischen Nehrung
wächst es üppig; im Kurischen Haff dringt es vor bis zur kleinen
Hirscbwiese im Hemeler Tief gegenüber Schmelz. Die Wurzel
treibt 5 bis 10 cm tief im Boden wagerecbte Schillinge nach
allen Seiten so zwar, dafs der Boden von ihnen vollständig durchflochten
wird. Aus den Schöfslingen wachsen die Rohrhalme senkrecht
empor. Am Ufer und in geringer Wassertiefe dringen die
Wurzeln fest in den Boden hinein; bei gröfserer Tiefe aber bilden
sie eine filzartige schwimmende Decke, welche sich bei niedrigem
Wasserstande fest auf dem Boden auflegt, bei steigendem Wasser
aber aufwärts schwimmt. Erst in späteren Jahren, wenn Sand
und andere feste Bodentheile in die Rohrkämpen hineintreiben
und die Wurzeldecke belasten, hört das Aufschwimmen auf.
Die Cultur des Rohres kann auf vier verschiedene Arten
erfolgen; durch Saat, durch Stecklinge, durch Pflanzung von
Wurzeln oder Pflanzen von Ballen (Büscheln oder Bülten). Durch
Saat 1 ) erfolgt die Cultur derartig, dafs der Rohrsamen im August
gesammelt und an einem trocknen Ort über Winter aufbewahrt
wird. Im Frühjahr, nämlich im April und Mai, wird er in
Lehmkugeln von 20 bis 26 cm Gröfse eingeknetet und in flachem
Wasser derartig versenkt, dafs die Kugeln gerade vom Wasser
bedeckt werden. Hauptbedingung ist, dafs die zur Saat benutzten
Stellen vollkommen ruhig und vor jeder Wellenbewegung
geschützt sind. Denn die Bewegung des Wassers würde den
Lehm auflösen und mit dem Lehm auch den leichten Rohrsamen
entführen. Aus diesem Grunde ist die Cultur durch Saat unzuverlässig.
Sie ist nur in sehr flachem, vollkommen stillem
Wasser möglich, wie in abgeschnittenen Flufsarraen und seichten
Seen. Hier ist sie der bequemen Ausführung wegen zu empfehlen.
Im Frischen und Kurischen Haff sind alle Versuche,
Rohr durch Saat anzupflanzen, mifslungen.
Als Stecklinge werden im Hai oder Juni junge Rohrhalmo
unmittelbar über dem Wurzelknoten abgeschnitten und in
regelraäfsigem Verbände mit 0,3 bis 0,5 m Entfernung einzeln
gepflanzt. Der Arbeiter benutzt einen mit eiserner Spitze beschlagenen
Pflanzstock, stellt mit demselben ein etwa 0,2 m
tiefes Loch her und schiebt in demselben Augenblick, in welchem
er mit der einen Hand den Stock aus dem Boden herauszieht,
mit der anderen Hand den Rohrhalm in das offene Pflanzloch.
Der Halm wird sofort in die vom Wasser bewegt© lose Erde
eingeschlemmt und festgehalten. Durch ein leichtes Anziehen
Überzeugt man sich, ob er fest genug im Boden steckt.
Die Cultur ist einfach und billig. Sie mufs aber bei niedrigem
Wasserstaude ausgeführt werden, etwa bis 0,3 m Wassertiefe,
und ist in der beschriebenen Art auch nur ausführbar in
moorigem, lehmigem und sandigem Boden. Ist der Boden mit
gröfseren Steinen durchsetzt oder mit Geröll bedeckt, so empfiehlt
sich die Anwendung der vom Förster Sorge in Neu-Dziergunken
bei Ramuck O.-P. erfundene Pflanzzange. 2 ) Es ist dies eine
hölzerne Zange oder Schere mit Schenkeln von 0,35 und 0,9 ra
Länge. Die langen Schenkel sind an den Enden mit Hand-1)
Vergl. die Abhandlung des verstorbenen Oberforstmeisters
Müller in den Mittheilungen des Vereins zur Förderung der Moorcultur
im Deutschen Reiche vom 15. Juni 1892, S. 207.
2) S. Bericht des Oberförsters Winkel in Neu-Eamuck in
den Verhandlungen des Ostpreufsischen Forstvereins von 1878.
haben, die kurzen mit eisernen Spitzen versehen, ln den kurzen
Schenkeln sind aufserdem Nuthen ©ingeschnitten, welche neben
dem Drehzapfen vorbei führen, sodafs ein in die Nnthen gelegter
Steckling unbeschädigt mit der geschlossenen Zange festgehalten
werden kann. Die Zange wird in den Boden gestofsen,
geöffnet und aufwärts gezogen, während man den Steckling festhält.
Letzterer wird nötigenfalls mit dem Fufs fest getreten.
Die Anwendung einer solchen Pflanzzange ist auch in weichen
Bodenarten zu empfehlen, weil es dann mit gröfserer Zuverlässigkeit
gelingt, den Steckling tief genug in den Boden einzuführen.
Die Spitzen des Stecklings müssen aber stets über
dem Wasser emporragen. Das Abschneiden der obersten Rohrenden
bis zum ersten Wurzelknoten, welches früher vom Oberforstmeister
Hüller empfohlen wurde, 1 ) ist nicht erforderlich.
Starker Wellenschlag wäscht die Stecklinge aus dem Boden.
Es ist daher die Stecklingspflanzung da unmöglich, wo heftige
Wasserbewegungen auftreten. In ähnlicher Weise wirken die
Schädigungen durch das Eis: letzteres friert mit den Halmen
zusammen und hebt dieselben aus dem Boden heraus. Um den
Nachtheil durch das Eis möglichst zu verringern, sollen im
Herbst vor Eintritt des Frostes die Stecklingspflanzungen tief
abgemäht werden. Dann kann die Eisdecke sich nur über den
Stoppeln bilden und die einzelnen Halme nicht treffen. Im
Frischen und Kurischen Haff ist die Stecklingspflanzung mehrfach
angewandt worden, aber im allgemeinen mit zweifelhaftem
Erfolg: die nachtheiligen Einflüsse von Wellenschlag und Eis
waren zu grofs. Es bildeten sich aus den Stecklingspflanzungen
immer nur lichtbestockte Rohrkärapen.
Die Wurzelpflanzung soll nach der von Müller gegebenen
Anweisung mit Hülfe einer 15 bis 20 cm weiten Drainröhre
geschehen. Dieselbe wird im April oder Mai unter Wasser
senkrecht auf den Grund gestellt und der in ihr befindliche
Boden auf 8 bis 12 cm Tiefe ausgehoben. Dann werden die
Rohrwurzeln in die Röhren geworfen und mit dem herausgenommenen
Boden überschüttet. Die Röhren bleiben zum Schutz der
jungen Pflanzen im Boden stecken. Durch den Aufwand an
Drainröhren wird die Pflanzung theuer. Nur an vollkommen
geschützten Stellen sowie an solchen Orten, wo durch vorhandene
Binsen die Kraft der Wellen gebrochen ist, bedürfen die Rohrwurzeln
des Schutzes der Drainröhren nicht. Es genügt da, die
Wurzeln auf etwa 3 cm Tiefe in den Boden einzubetten. Die
zur Cultur erforderlichen Rohrwurzeln können leicht auf grofse
| Entfernungen bewegt werden. Trotz dieses Vortheils wird aber
die Wurzelpflanzung nur wenig angewandt: die Büsohelpflanzung
ist sicherer.
Die Büschel- oder Bultenpflanzung ist diejenige
Pflanzungsart, welche sich am besten bewährt bat und deshalb
allen übrigen Verfahren vorgezogen wird. An den Ufern des
Frischen und Kurischen Haffs wird, sie jetzt fast auBschliefslich
angewandt. Sie wird ausgefährt so früh wie möglich in den
Monaten Mai oder Juni. Früher ist sie selten ausführbar, weil
die Arbeiter den Aufenthalt im kalten Wasser nicht ertragen
können. Die Zeit mufs gut ausgenutzt werden, denn schon von
Mitte Juni ab ist der Erfolg unsicher. Zum Werben der Pflanzen
werden zeitig im Frühjahr, sobald die Rohrspitzen über dem
Wasser emporwachsen, aus vorhandenen Rohrkämpen Ballen in
der Gröfse von 0,22 m im Geviert herausgestochen. Sie müssen
1) Verhandlungen des Ostpreufsischen Forstvereins 1877 S. XXX.