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Volume Nr. 10, 24. September 1987

Metadata : Dienstblatt des Senats von Berlin (Public Domain) Ausgabe 1987 (Public Domain)

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Gerhardt,  Uferdeckungen  durch  Binsen,  Rohr,  Schilf  und  Weiden.

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Wasser  findet  es  sich  bis  im,  selbst  bis  1,5  m  Tiefe,  gedeiht
aber  auch  bis  0,5  m  über  dem  Mittelwasser.  Es  hat  den  Vorzug, ­
  selbst  in  brackigem  Wasser  noch  fort  zu  kommen:  im  Hinterbafen
  von  Pillau  sowie  bei  Neutief  an  der  Frischen  Nehrung
wächst  es  üppig;  im  Kurischen  Haff  dringt  es  vor  bis  zur  kleinen
Hirscbwiese  im  Hemeler  Tief  gegenüber  Schmelz.  Die  Wurzel
treibt  5  bis  10  cm  tief  im  Boden  wagerecbte  Schillinge  nach
allen  Seiten  so  zwar,  dafs  der  Boden  von  ihnen  vollständig  durchflochten ­
  wird.  Aus  den  Schöfslingen  wachsen  die  Rohrhalme  senkrecht ­
  empor.  Am  Ufer  und  in  geringer  Wassertiefe  dringen  die
Wurzeln  fest  in  den  Boden  hinein;  bei  gröfserer  Tiefe  aber  bilden
sie  eine  filzartige  schwimmende  Decke,  welche  sich  bei  niedrigem
Wasserstande  fest  auf  dem  Boden  auflegt,  bei  steigendem  Wasser
aber  aufwärts  schwimmt.  Erst  in  späteren  Jahren,  wenn  Sand
und  andere  feste  Bodentheile  in  die  Rohrkämpen  hineintreiben
und  die  Wurzeldecke  belasten,  hört  das  Aufschwimmen  auf.
Die  Cultur  des  Rohres  kann  auf  vier  verschiedene  Arten
erfolgen;  durch  Saat,  durch  Stecklinge,  durch  Pflanzung  von
Wurzeln  oder  Pflanzen  von  Ballen  (Büscheln  oder  Bülten).  Durch
Saat 1 )  erfolgt  die  Cultur  derartig,  dafs  der  Rohrsamen  im  August
gesammelt  und  an  einem  trocknen  Ort  über  Winter  aufbewahrt
wird.  Im  Frühjahr,  nämlich  im  April  und  Mai,  wird  er  in
Lehmkugeln  von  20  bis  26  cm  Gröfse  eingeknetet  und  in  flachem
Wasser  derartig  versenkt,  dafs  die  Kugeln  gerade  vom  Wasser
bedeckt  werden.  Hauptbedingung  ist,  dafs  die  zur  Saat  benutzten ­
  Stellen  vollkommen  ruhig  und  vor  jeder  Wellenbewegung
geschützt  sind.  Denn  die  Bewegung  des  Wassers  würde  den
Lehm  auflösen  und  mit  dem  Lehm  auch  den  leichten  Rohrsamen
entführen.  Aus  diesem  Grunde  ist  die  Cultur  durch  Saat  unzuverlässig. ­
  Sie  ist  nur  in  sehr  flachem,  vollkommen  stillem
Wasser  möglich,  wie  in  abgeschnittenen  Flufsarraen  und  seichten
Seen.  Hier  ist  sie  der  bequemen  Ausführung  wegen  zu  empfehlen. ­
  Im  Frischen  und  Kurischen  Haff  sind  alle  Versuche,
Rohr  durch  Saat  anzupflanzen,  mifslungen.
Als  Stecklinge  werden  im  Hai  oder  Juni  junge  Rohrhalmo
  unmittelbar  über  dem  Wurzelknoten  abgeschnitten  und  in
regelraäfsigem  Verbände  mit  0,3  bis  0,5  m  Entfernung  einzeln
gepflanzt.  Der  Arbeiter  benutzt  einen  mit  eiserner  Spitze  beschlagenen ­
  Pflanzstock,  stellt  mit  demselben  ein  etwa  0,2  m
tiefes  Loch  her  und  schiebt  in  demselben  Augenblick,  in  welchem
er  mit  der  einen  Hand  den  Stock  aus  dem  Boden  herauszieht,
mit  der  anderen  Hand  den  Rohrhalm  in  das  offene  Pflanzloch.
Der  Halm  wird  sofort  in  die  vom  Wasser  bewegt©  lose  Erde
eingeschlemmt  und  festgehalten.  Durch  ein  leichtes  Anziehen
Überzeugt  man  sich,  ob  er  fest  genug  im  Boden  steckt.
Die  Cultur  ist  einfach  und  billig.  Sie  mufs  aber  bei  niedrigem ­
  Wasserstaude  ausgeführt  werden,  etwa  bis  0,3  m  Wassertiefe, ­
  und  ist  in  der  beschriebenen  Art  auch  nur  ausführbar  in
moorigem,  lehmigem  und  sandigem  Boden.  Ist  der  Boden  mit
gröfseren  Steinen  durchsetzt  oder  mit  Geröll  bedeckt,  so  empfiehlt
sich  die  Anwendung  der  vom  Förster  Sorge  in  Neu-Dziergunken
bei  Ramuck  O.-P.  erfundene  Pflanzzange. 2 )  Es  ist  dies  eine
hölzerne  Zange  oder  Schere  mit  Schenkeln  von  0,35  und  0,9  ra
Länge.  Die  langen  Schenkel  sind  an  den  Enden  mit  Hand-1)

  Vergl.  die  Abhandlung  des  verstorbenen  Oberforstmeisters
Müller  in  den  Mittheilungen  des  Vereins  zur  Förderung  der  Moorcultur
  im  Deutschen  Reiche  vom  15.  Juni  1892,  S.  207.
2)  S.  Bericht  des  Oberförsters  Winkel  in  Neu-Eamuck  in
den  Verhandlungen  des  Ostpreufsischen  Forstvereins  von  1878.

haben,  die  kurzen  mit  eisernen  Spitzen  versehen,  ln  den  kurzen
Schenkeln  sind  aufserdem  Nuthen  ©ingeschnitten,  welche  neben
dem  Drehzapfen  vorbei  führen,  sodafs  ein  in  die  Nnthen  gelegter ­
  Steckling  unbeschädigt  mit  der  geschlossenen  Zange  festgehalten
  werden  kann.  Die  Zange  wird  in  den  Boden  gestofsen,
geöffnet  und  aufwärts  gezogen,  während  man  den  Steckling  festhält. ­
  Letzterer  wird  nötigenfalls  mit  dem  Fufs  fest  getreten.
Die  Anwendung  einer  solchen  Pflanzzange  ist  auch  in  weichen
Bodenarten  zu  empfehlen,  weil  es  dann  mit  gröfserer  Zuverlässigkeit ­
  gelingt,  den  Steckling  tief  genug  in  den  Boden  einzuführen. ­
  Die  Spitzen  des  Stecklings  müssen  aber  stets  über
dem  Wasser  emporragen.  Das  Abschneiden  der  obersten  Rohrenden ­
  bis  zum  ersten  Wurzelknoten,  welches  früher  vom  Oberforstmeister
  Hüller  empfohlen  wurde, 1 )  ist  nicht  erforderlich.
Starker  Wellenschlag  wäscht  die  Stecklinge  aus  dem  Boden.
Es  ist  daher  die  Stecklingspflanzung  da  unmöglich,  wo  heftige
Wasserbewegungen  auftreten.  In  ähnlicher  Weise  wirken  die
Schädigungen  durch  das  Eis:  letzteres  friert  mit  den  Halmen
zusammen  und  hebt  dieselben  aus  dem  Boden  heraus.  Um  den
Nachtheil  durch  das  Eis  möglichst  zu  verringern,  sollen  im
Herbst  vor  Eintritt  des  Frostes  die  Stecklingspflanzungen  tief
abgemäht  werden.  Dann  kann  die  Eisdecke  sich  nur  über  den
Stoppeln  bilden  und  die  einzelnen  Halme  nicht  treffen.  Im
Frischen  und  Kurischen  Haff  ist  die  Stecklingspflanzung  mehrfach ­
  angewandt  worden,  aber  im  allgemeinen  mit  zweifelhaftem
Erfolg:  die  nachtheiligen  Einflüsse  von  Wellenschlag  und  Eis
waren  zu  grofs.  Es  bildeten  sich  aus  den  Stecklingspflanzungen
immer  nur  lichtbestockte  Rohrkärapen.
Die  Wurzelpflanzung  soll  nach  der  von  Müller  gegebenen ­
  Anweisung  mit  Hülfe  einer  15  bis  20  cm  weiten  Drainröhre ­
  geschehen.  Dieselbe  wird  im  April  oder  Mai  unter  Wasser
senkrecht  auf  den  Grund  gestellt  und  der  in  ihr  befindliche
Boden  auf  8  bis  12  cm  Tiefe  ausgehoben.  Dann  werden  die
Rohrwurzeln  in  die  Röhren  geworfen  und  mit  dem  herausgenommenen ­
  Boden  überschüttet.  Die  Röhren  bleiben  zum  Schutz  der
jungen  Pflanzen  im  Boden  stecken.  Durch  den  Aufwand  an
Drainröhren  wird  die  Pflanzung  theuer.  Nur  an  vollkommen
geschützten  Stellen  sowie  an  solchen  Orten,  wo  durch  vorhandene
Binsen  die  Kraft  der  Wellen  gebrochen  ist,  bedürfen  die  Rohrwurzeln
  des  Schutzes  der  Drainröhren  nicht.  Es  genügt  da,  die
Wurzeln  auf  etwa  3  cm  Tiefe  in  den  Boden  einzubetten.  Die
zur  Cultur  erforderlichen  Rohrwurzeln  können  leicht  auf  grofse
|  Entfernungen  bewegt  werden.  Trotz  dieses  Vortheils  wird  aber
die  Wurzelpflanzung  nur  wenig  angewandt:  die  Büsohelpflanzung
ist  sicherer.
Die  Büschel-  oder  Bultenpflanzung  ist  diejenige
Pflanzungsart,  welche  sich  am  besten  bewährt  bat  und  deshalb
allen  übrigen  Verfahren  vorgezogen  wird.  An  den  Ufern  des
Frischen  und  Kurischen  Haffs  wird,  sie  jetzt  fast  auBschliefslich
angewandt.  Sie  wird  ausgefährt  so  früh  wie  möglich  in  den
Monaten  Mai  oder  Juni.  Früher  ist  sie  selten  ausführbar,  weil
die  Arbeiter  den  Aufenthalt  im  kalten  Wasser  nicht  ertragen
können.  Die  Zeit  mufs  gut  ausgenutzt  werden,  denn  schon  von
Mitte  Juni  ab  ist  der  Erfolg  unsicher.  Zum  Werben  der  Pflanzen
werden  zeitig  im  Frühjahr,  sobald  die  Rohrspitzen  über  dem
Wasser  emporwachsen,  aus  vorhandenen  Rohrkämpen  Ballen  in
der  Gröfse  von  0,22  m  im  Geviert  herausgestochen.  Sie  müssen

1)  Verhandlungen  des  Ostpreufsischen  Forstvereins  1877  S.  XXX.
            
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