Path:
XVI. Abschnitt. Leichenstattung und Begräbnißplätze

Full text: Bürgerbuch für die Stadt Charlottenburg / Kuhlow, Gustav (Public Domain)

83 
Leichenbestattung und Begräbnisplätze. 
Ausstell!“ug der Leichenpässe. 
Min. Erlaß vom C. April 1888. (A.Bl. S. 153.) 
1. Die Ausstellung der Leichenpässe hat durch diejenige hierzu befugte 
Behörde oder Dienststelle zu erfolgen, in deren Bezirk der Sterbeort oder (im 
Falle einer Wiederausgrabung) der seitherige Bestattungsort liegt).) Für 
Leichentransporte, welche aus dem Auslande kommen, kann, soweit nicht Ver— 
einbarungen über die Anerkennung der von ausländischen Behörden ausgestellten 
Leichenpässe bestehen, die Ausstellung des Leichenpasses durch diejenige zur 
Ausstellung von Leichenpässen befugte inländische Behörde oder Dienststelle 
erfolgen, in deren Bezirk der Transport im Reichsgebiete beginnt. Auch 
können die Konsuln und diplomatischen Vertreter des Reichs vom Reichskanzler 
zur Ausstellung der Leichenpässe ermächtigt werden. Die hiernach zur Aus— 
ftellung der Leichenpässe zuständigen Behörden ꝛc. werden vom Reichskanzler 
öffentlich bekannt gemacht. 
2. Der Leichenpaß darf nur für solche Leichen ertheilt werden, über 
welche die nachstehenden Ausweise geliefert worden sind: 
a) ein beglaubigter Auszug aus dem Sterberegister; 
neine von dem Kreisphysikus ausgestellte Bescheinigung über die Todes— 
ursache, sowie darüber, daß seiner Ueberzeugung nach der Beförderung 
der Leiche gesundheitliche Bedenken nicht entgegenstehen. 
Ist der Verstorbene in der tödtlich gewordenen Krankheit von einem 
Arzte behandelt worden, so hat letzteren der Kreisphysikus vor der Aus— 
stellung der Bescheinigung betreffs der Todesursache anzuhören; 
ein Ausweis über die vorschriftsmäßig erfolgte Einsargung der Leiche 
8 34 Abs. 2 des Eisenbahn-Betriebsreglements in Verbindung mit 
Nr. 3, 4 dieser Best.);) 
in den Fällen des 8 157 der Strafprozeßordnung vom 1. Februar 1877 
R.G.«Bl. S. 253) die seitens der Staatsanwaltschaft oder des Amts 
richters ausgestellte schriftliche Genehmigung der Beerdigung. 
Die Nachweise zu à und buwerden, bezüglich der Leichen von Militär— 
personen, welche ihr Standquartier nach eingetretener Mobilmachung verlassen 
hatten (88 1, 2 der Verordnung vom 20. Januar 1879 (R.G.Bl. S. 5) 
oder welche sich auf einem in Dienst gestellten Schiff oder anderen Fahrzeug 
der Marine befanden, durch eine Bescheinigung der zuständigen Militär— 
Behörde oder Dienststelle über den Sterbefall unter Angabe der Todesursache 
und mit der Erklärung, daß nach ärztlichem Ermessen der Beförderung der 
Leiche gesundheitliche Bedenken nicht entgegenstehen, ersetzt. 
3. Der Boden des Sarges muß mit einer mindestens 5 cm hohen 
Schicht von Sägemehl, Holzkohlenpulver, Torfmüll oder dergleichen bedeckt, 
und es muß diese Schicht mit fünfprozentiger Karbolsäurelösung?) reichlich 
besprengt sein. 
4. In besonderen Fällen, z. B. für einen Transport von längerer Dauer 
oder in warmer Jahreszeit, kann nach dem Gutachten des Kreisphysikus eine 
Behandlung der Leiche mit fäulnißwidrigen Mitteln verlangt werden. 
) Für den Stadtkreis Charlottenburg erfolgt die Ausstellung der Leichenpäfse seitens 
der Königl. Polizei-Direktion. 
) Jeßt ist 842 Absj. 2der Verkehrsordnung für die Eisenbahnen Deutschlands v. 16. November 
1892 maßgebend. Siehe Seite 682. 
*3) Ein Theil sogenannter verflüssigter Karbolsäure 
in 18 Theilen Wasser unter häufigem Umrühren zu lösen.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.