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VIII. Abschnitt. Gewerbe-Angelegenheiten

Full text: Bürgerbuch für die Stadt Charlottenburg / Kuhlow, Gustav (Public Domain)

Hewerbe-Angelegenheiten. 
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abredeten Lehrzeit entlassen werden, wenn einer der im 8 123 vorgesehenen 
Fälle auf ihn Anwendung findet, oder wenn er die ihm im 8 1274 auferlegten 
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bernachlässigt. 
Von seiten des Lehrlings kann das Lehrverhältniß nach Ablauf der 
Probezeit aufgelöst werden, wen 
l. einer der im F 124 unter Ziffer 1, 3 bis 5 vorgesehenen Fälle vorliegt; 
2. der Lehrherr seine gesetzlichen Verpflichtungen gegen den Lehrling in 
einer die Gesundheit, die Sittlichkeit oder die Ausbildung des Lehrlings ge— 
fährdenden Weise vernachlässigt, oder das Recht der väterlichen Zucht muß— 
braucht, oder zur Erfüllung der ihm vertragsmäßig obliegenden Verpflichtungen 
unfähig wird. 
Der Lehrvertrag wird durch den Tod des Lehrlings aufgehoben. Durch 
den Tod des Lehrherrn gilt der Lehrvertrag als aufgehoben, sofern die Auf— 
hebung binnen vier Wochen geltend gemacht wird. 
8 1270. Bei Beendigung des Lehrverhältnisses hat der Lehrherr dem 
Lehrling unter Angabe des Gewerbes, in welchem der Lehrling unterwiesen 
worden ist, über die Dauer der Lehrzeit und die während derselben erworbenen 
Kenntnisse und Fertigkeiten, sowie über sein Betragen ein Zeugniß aus— 
zustellen, welches von der Gemeindebehörde kosten- und stempelfrei zu be— 
glaubigen ist. 
An Stelle dieser Zeugnisse treten, wo Innungen oder andere Ver— 
tretungen der Gewerbetreibenden bestehen, die von diesen ausgestellten Lehrbriefe. 
5 1274., Verläßt der Lehrling in einem durch dieses Gesetz nicht vor— 
gesehenen Falle ohne Zustimmung des Lehrherrn die Lehre, so kann letzterer 
den Anspruch auf Rückkehr des Lehrlings nur geltend machen, wenn 
der Lehrvertrag schriftlich geschlossen ist. Die Polizeibehörde kann in diesem 
Falle auf Antrag des Lehrherrn den Lehrling anhalten, so lange in der Lehre 
zu verbleiben, als durch gerichtliches Urtheil das Lehrverhältniß nicht für auf— 
gelöst erklärt ist, oder dem Lehrlinge durch einstweilige Verfügung eines Gerichts 
gestattet ist, der Lehre fern zu bleiben. Der Antrag ist nur zulässig, wenn 
ex binnen einer Woche nach dem Austritte des Lehrlings gestellt ist. Im 
Falle unbegründeter Weigerung der Rückkehr hat die Polizeibehörde den Lehr— 
ling zwangsweise zurückführen zu lassen oder durch Androhung von Geldstrafe 
bis zu fünfzig Mark oder Haft bis zu fünf Tagen zur Rückkehr anzuhalten. 
z 1276. Wird von dem Vater oder Vormunde für den Lehrling oder, 
sofern der letztere volljährig ist, von ihm selbst dem Lehrherrn die schriftliche 
Erklärung abgegeben, daß der Lehrling zu einem anderen Gewerbe oder anderen 
Beruf übergehen werde, so gilt das Lehrverhältniß, wenn der Lehrling nicht 
früher entlassen wird, nach Ablauf von vier Wochen als aufgelöst. Den Grund 
der Auflösung hat der Lehrherr in dem Arbeitsbuche zu vermerken. 
Binnen neun Monaten nach der Auflösung darf der Lehrling in dem— 
selben Gewerbe von einem anderen Arbeitgeber ohne Zustimmung des früheren 
Lehrherrn nicht beschäftigt werden. 
z 127f. Erreicht das Lehrverhältniß vor Ablauf der verabredeten Lehr— 
zeit sein Ende, so kann von dem Lehrherrn oder von dem Lehrling ein An— 
spruch auf Entschädigung nur geltend gemacht werden, wenn der Lehrvertrag 
schriftlich geschlossen ist. In den Fällen des 8 127b Absatz 1 und 4 kann 
der Anspruch nur geltend gemacht werden, wenn dieses in dem Lehrvertrag 
inter Festsetzung der Art und Höhe der Entschädigung vereiuhart ist.
	        
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