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VII. Abschnitt. Sanitäts- und Gesundheits-Polizei

Full text: Bürgerbuch für die Stadt Charlottenburg / Kuhlow, Gustav (Public Domain)

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Sanitäts- und Gesundheits-Polizei. 
getödtetes Geflügel durch Verbrennen oder nach Bestreuung mit Aetzkalk durch 
Vergraben in mindestens !/, Meter tiefen Gruben unschädlich zu beseitigen. 
dur sofortigen Anzeige sind auch die Thierärzte und diejenigen Personen 
verpflichtet, die sich gewerbsmäßig mit der Ausübung der Thierheilkunde 
beschäftigen, wenn sie vor dem polizeilichen Einschreiten Kenntniß von dem 
Ausbruch der Geflügelcholera oder von Erscheinungen in einem Geflügelbestande 
erhalten, die den Verdacht des Ausbruches der Geflügelcholera erregen. 
8 2. Die Polizei-Reviere haben auf die Anzeige von dem Auftreten 
verdächtiger Krankheits- oder Todesfälle unter einem Geflügelbestande sofort 
dem Departementsthierarzt und dem für den betreffenden Bezirk zuständigen 
Kreisthierarzt durch Depesche Mittheilung zu machen, damit die Krankheits— 
bezw. Todesursache schleunigst festgestellt werden kann. 
8 3. Ist durch den beamteten Thierarzt der Ausbruch der Geflügelcholera 
festgestellt worden, so sind zur Verhütung der Verbreitung der Seuche folgende 
Anordnungen zur Durchführung zu bringen: 
Bekanntmachung des Seuchenausbruchs in d 
lichungen bestimmten Blättern. 
Anbringung der Aufschrift „Geflügelcholera“ in augenfälliger haltbarer 
Weise am Haupteingange oder einer sonst geeigneten Stelle des Gehöftes. 
Absonderung der kranken Thiere von dem noch vollkommen gesund 
erscheinenden Geflügel und Unterbringung in befonderen Räumen. 
Stallsperre für die kranken, Gehöftssperre für die anscheinend noch 
gesunden Thiere. Das gesammte Geflügel eines Seuchengehöftes ist 
von dem Betreten öffentlicher Wege und Wasserläufe, die das Seuchen— 
gehöft berühren, fern zu halten. 
Polizeiliche Ueberweisung der verendeten oder krankheitshalber getödteten 
Thiere mit allen ihren Theilen (auch mit den Federn) an die Abdeckerei 
zur Vernichtuug bezw. im Polizeibezirk Charlottenburg unschädliche 
Beseitigung nach Maßgabe der im 8 1 gegebenen Bestimmungen. 
Während der Seuchendauer dürfen auf einem Seuchengehoöft zum 
Zwecke der Ausführung aus dem Gehöft Geflügelstücke nur geschlachtet 
werden, deren Gesundheitszustand unmittelbar vor der Schlachtung 
thierärztlich festgestellt worden ist. Die Schlachtung und die Ausfüh— 
rung solcher Geflügelstücke aus dem Gehöft ist polizeilich zu überwachen. 
8 4. Ist auf dem Seuchengehöft sämmtliches Geflügel gefallen oder 
getödtet oder ist nach dem letzten Erkrankungsfalle eine Frist von 8 Tagen 
verstrichen, so ist die Desinfektion aller zur Unterbringung von Geflügel 
benutzten Räumlichkeiten des Seuchengehösts anzuordnen und unter polizei— 
licher Ueberwachung in solgender Weise auszuführen: 
1. Die Futterreste, der Koth und der zusammengekehrte Schmutz sind 
aus den Räumen zu entfernen und zu verbrennen oder mit Aeskalk 
zu bestreuen und nach Vermengung zu vergraben. 
Die Thüren, der Fußboden und die Wände, etwa über dem Fußboden 
angebrachte Gitterböden, die Sitzstangen, Futter- und Tränkgeschirre 
sind mit heißer Sodalauge (3 kg käufliche Waschsoda auf 1001 
Wasser) gründlich zu reinigen und nach Lüftung und Trocknung der 
zgereinigten Ställe mit Kalkmilch zu bestreichen. 
Haben die Stallungen keinen festen Bodenbelag, so ist die oberste 
Erdschicht mindestens 10 Centimeter tief auszuheben, die ausgehobene 
Erde mit Aetzkalk zu bestreuen, zu durchmischen und zu vergraben.
	        
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