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VII. Abschnitt. Sanitäts- und Gesundheits-Polizei

Full text: Bürgerbuch für die Stadt Charlottenburg / Kuhlow, Gustav (Public Domain)

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Sanitäts- und Gesundheits-Polizei. 
Unterleibs-Entzündung oder an einer als solche verdächtigen Krankheit leidende 
Wöchnerin, so darf sie während dieser Zeit der Untersuchung einer Schwangeren 
gar nicht und die Untersuchung oder Pflege einer anderen Wöchnerin oder 
einer Kreissenden lediglich im Nothfalle, wenn eine andere Hebamme nicht 
zu erlangen ist, und auch in diesem Falle nur dann übernehmen, nachdem 
sie ihren ganzen Körper mi Eeait gründlich, wo möglich im Bade, abgewaschen 
und außerdem sich, wie in— vorgeschrieben ist, gereinigt, desinfizirt und 
frisch bekleidet hat. 
8 17. Die Kleider, welche die Hebamme bei der Untersuchung oder dem 
Besuche einer Person, die an einer im 8 14 bezeichneten oder als solche 
verdächtigen Krankheit leidet, getragen hat, dürfen mit anderen Kleidern der 
Hebamme nicht zusammengebracht, und müssen gründlich ausgekocht und mit 
Seife ausgewaschen oder mittelst strömenden Wasserdampfes in einem Dampf 
Desinfektions-Apparat desinfizirt werden, bevor dieselben weiter gebraucht 
werden dürfen. 
8 18. Leichen oder Bekleidungsgegenstände von Leichen berühre die 
Hebamme niemals. Hat sie solche? troß dieses Verbots gethan, so ist sie 
verpflichtet, wie im 8 16 vorgeschricn ist, zu verfahren. 
Berlin, den 22. November 1888 
Der Minister dr a cttlichen ꝛe Angelegenheiten. 
h. Pol.«Bek. vom 12. März 1892. (M. J. Bl. Nr. 725 
Das Kindbettfieber, welches alljährlich Tausende von Müttern im 
Preußischen Staate fortrafft oder doch siech und elend macht, entsteht lediglich 
durch Eindringen von stets und überall vorhandenen Krankheitskeimen in den 
Körper von Schwangeren, Kreissenden oder Wöchnerinnen. Die Entwickelung 
jener Krankheitskeime wird in erster Linie durch Mangel an Reinlichkeit an 
Allem, was mit der Schwangeren pp. in Berührung kommt, begünstigt. 
Das Kindbettfieber ist erwiesenermaßen von einer Mutter auf die andere 
leicht übertragbar und wird am häufigsten gerade von denjenigen Personen, 
welche den Hilfsbedürftigen in der Zeit der Noth und Gefahr Beistand zu 
leisten berufen sind, von den Hebammen, weiterverbreitet. 
Die Hebammen haben daher, wie alle Betheiligten, die ernste unab— 
weisbare Pflicht, soweit es in ihren Kräften steht, die Entstehung dieser 
mörderischen Krankheit, welche so häufig, wie kaum eine andere, das Familien— 
glück untergräbt, dem Gatten die Gattin und Helferin, den Kindern, ins— 
besondere den Neugeborenen, die Mutter, die Ernährerin raubt, zu verhüten 
Während nun das zum Ausbruch gekommene Kindbettfieber in der über— 
wiegenden Zahl der Fälle zum Tode führt, ist der Entstehung der Krankheit 
meistentheils vorzubeugen. 
Peinlichste Reinlichkeit an allen Personen und Gegenständen, welche 
nur irgendwie mit den Geburtsorganen in Berührung kommen können, ver⸗ 
hindert die Entstehung jener das Kindbettfieber hervorrufenden Keime am 
Besten; dennoch etwa vorhandene Keime werden mittelst der desinfizirenden 
Karbolsäure unschädlich gemacht, das haben die mit diesem Verfahren an 
zahlreichen Gebäranstalten erreichten Erfolge unwiderleglich erwiesen; Anstalten, 
in welchen früher das Kindbettfieber ein Schrecken der Aerzte, das Verderben 
der Wöchnerinnen war, haben Dank der sorgfältigen Ausbildung und Durch 
führung der in Rede stehenden Verhütungsmaßregeln nur noch vereinzelte,
	        
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